„Der Weg ist das Ziel“– Portrait der Bildhauerin P. Ariane Ehinger

P. Ariane Ehingers Skulptur „Continuum XXII“.Foto: privat

Vom 26. Mai bis zum 2. Juni verwandelt sich das Betriebsgelände der Firma MB Baumdienste an der L3011 bei Niederjosbach zum größten Freiluftatelier der Region.

Die Jury des Arbeitskreises Kultur Eppstein sichtete für das neunte Holzbildhauer-Symposium viele Lebensläufe, virtuelle Galerien im Internet und unzählige Bewerbungen auf Papier, ehe sie sich für acht Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer entschied.

Regisseurin Uta Kindermann informiert in acht Porträts über Wünsche, Werdegänge und Visionen der Kunstschaffenden.

Geboren wurde P. Ariane Ehinger 1959 im baden-württembergischen Grötzingen. Von 2004 bis 2008 studierte sie an der Privaten Bildhauer-Atelier-Schule Axel Otterbach in Bad Waldsee. Dort lebt die selbstständige Bildhauerin, dort hat sie Atelier und Ausstellungsräume. Seit 19 Jahren organisiert P. Ariane Ehinger die Präsentation ihrer Exponate und nimmt an Symposien teil. Aktuelle Projekte sind der Skulpturenweg Karsee und ihre ganzjährige Atelierausstellung in Bad Waldsee.

Ehingers Metallkunstwerke sind plastisch, figürlich oder reliefartig. Stein bearbeitet sie zu geschwungenen Gebilden; Papier dagegen verleiht sie filigrane Strukturen.

Über ihre Holzskulpturen sagt P. Ariane Ehinger: „Sie zeigen die künstlerische Idee als endlose Reise. Alles aus dem ganzen Stamm.“ Das Thema der Möbiusbänder fasziniert sie, bei denen das menschliche Auge die Orientierung verliert und der Unterschied zwischen unten, oben, innen und außen verschwimmt. Themenpunkte ihres Werkes sind zudem Schleifen, Schwünge, Gegenschwünge, Spannung in Linie, Fläche und Figur.

Das Holz des Walnussbaumes ist Ehinger am liebsten. Sie arbeitet die Rohform mit Motorsäge und Winkelschleifer heraus. Anschließend kommen Beitel und Schleifwerkzeug zum Einsatz. „Meist belasse ich das Holz in seinem natürlichen Charakter oder unterstreiche diesen, indem ich Maserungen freilege, die mit Wachs und Leinöl eingelassen werden. Die Oberfläche trägt Werkzeugspuren oder ist glatt poliert. Indem ich es beize oder flamme, schenke ich dem Holz einen neuen Charakter“, erklärt die Holzbildhauerin ihre Arbeitsweise.

Vom Motto des chinesischen Philosophen Konfuzius „Der Weg ist das Ziel“ lässt sich P. Ariane Ehinger im bildnerischen Entstehungsprozess leiten. Ihr persönlicher Albtraum sind hingegen nicht funktionierende Maschinen, eingewachsene rostige Nägel, faulige Stellen oder Risse im Holz.

Worauf sich die Künstlerin beim neunten Eppsteiner Holzbildhauersymposium besonders freut: auf den regen Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Sie schätzt Hilfsbereitschaft und ein interessiertes, neugieriges Publikum. Optimale Zeiteinteilung und gutes Wetter beflügeln ihre schöpferische Energie.

Bei der Auswahl eines geeigneten Baumstammes gleicht die Künstlerin dessen Beschaffenheit mit ihren Vorstellungen ab. Maserung und Belastungsfähigkeit müssen stimmen. Skulpturen für den Außenbereich erfordern überdies ein witterungsbeständiges Material.

Manchmal entwickeln Kunstwerke während ihrer Entstehung ein Eigenleben. Die Gestaltung weicht vom Modellentwurf ab, weil Unvorhersehbares geschieht. Impulse oder Gefühle erfordern vielleicht die Änderung vorab gefasster Ideen. Diesen Umstand versteht Ehinger als Herausforderung.

Auch ihr wurde die Frage gestellt, was sie als Holzbildhauerin kommenden Generationen über Bäume erzählen würde, wäre der letzte Baum gefällt. „Dann gibt es nichts mehr zu sagen. Denn der Atem der Bäume schenkt uns Leben. Um Mahatma Gandhi zu zitieren: ‚Was wir den Wäldern der Welt antun, ist nur ein Spiegelbild dessen, was wir uns selbst und einander antun’“, äußert sich P. Ariane Ehinger.

Informationen über Symposium und Kunstschaffende finden sich auf der Internetseite des Kulturkreises www.kk-eppstein.de.

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