Wie Schöllkraut Ritter Eppo auf die Beine geholfen haben könnte…

Die Bremthalerin Heidelinde van Krüchten wandert gerne. In ihrem Beruf als Apothekenhelferin machte sie sich früh mit der Botanik und der vielfältigen Wirkung von Pflanzen vertraut.

Sie beobachtet die Natur und wenn ihr etwas unbekannt ist, spürt sie dem nach, schon, weil sie gerne „urgesund“ kocht und kleine Weh-Wehchen mit heimischen Kräutern heilt. In den Wäldern und Wiesen rund um Eppstein kennt sie sich gut aus und stellt in loser Folge einige der Kostproben aus „Eppsteins Wildkräutergarten“ in der Eppsteiner Zeitung vor.

In der aktuellen Folge über „Eppsteins Wildkräutergarten“ widmet sich die Kräuterkennerin dem Schöllkraut (Chelidonium majus) und beginnt mit einer kleinen Geschichte aus dem Mittelalter:

„Die Schmerzensrufe des Ritters Eppo zu Eppstein hallten durch die Hallen seiner Burg. ,Ruft mir den Magier!’, befahl er seinem Knappen. Dieser eilte herbei und besah sich den schmerzenden Fuß des Ritters. Bedächtig zauberte er einen Flakon mit bernsteingelber Flüssigkeit aus seinen weiten Gewändern und bestrich mit dem geheimnisvollen Saft die schmerzenden Stellen. Dem Knappen gab er die Anweisung, dies während der nächsten acht Tage mehrmals täglich zu wiederholen. Tatsächlich konnte Ritter Eppo nach einigen Tagen wieder schmerzfrei laufen.“

So könnte es gewesen sein, meint Heidelinde van Krüchten.

Doch welche Zaubertropfen nahm der Magier? Er nutzte die antiviralen Eigenschaften des Schöllkrauts – eines Stoffes also, der die Vermehrung von Viren hemmt. Denn die gewöhnliche Warze ist die häufigste Form von Viruswarzen die in jedem Lebensalter auftreten können. Das Bestreichen der betroffenen Stellen, am besten zu gleichen Teilen mit Glycerin vermischt, führt dazu, dass die Warzen danach gewissermaßen abgeschält werden können.

Daher wurde vermutlich der Name Schöllkraut oder die althochdeutsche Bezeichnung „scelliworz“ abgeleitet. Er geht aber auch auf die Bezeichnung „Chelidonium“ zurück, welches „Schwalbe“ bedeutet. Diesen Namen gab ihm der griechischer Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert, der beobachtete, dass das Kraut mit dem Eintreffen der Schwalben zu blühen beginnt und erst mit ihrem Abzug im Herbst verwelkt. Einer Sage nach träufelten Schwalben ihrem erblindeten Nachwuchs den Pflanzensaft auf die Augen und heilten sie damit.

Das lichtgrüne, anmutig wirkende, stickstoffliebende Schöllkraut, das von April bis Ende Oktober mit seinen vier goldgelben Kronblättern blüht, enthält eine Reihe von Alkaloiden. Es gedeiht vorwiegend an gut gedüngten Gartenrändern, Schutthalden und ist in ganz Europa anzutreffen. Neben dem erwähnten antiviralen Effekt wirken die Inhaltsstoffe auch Gallensafttreibend, krampflösend und schmerzlindernd.

Grundsätzlich sollte man „Heilkräuter“ nur bei genauer Kenntnis anwenden, besonders im Falle des Schöllkrauts, dessen hoher Gehalt an Alkaloiden zu Vergiftungserscheinungen führen kann. Auf keinen Fall sollte es ohne ärztliche Verordnung innerlich angewandt werden. Der schön gefärbte orange-gelbe Milchsaft des Schöllkrauts schmeckt scheußlich bitter und ist giftig! Bei unerfahrenen pflanzenfressenden Jungtieren kann der Verzehr sogar zum Tode führen.

Die Pflanze kann mit ihren hübschen, an Hahnenfußgewächse erinnernden Blättern, bis zu 70 Zentimeter hoch werden. Sie gehört aber zu den Mohngewächsen. Ihre Samen werden von Ameisen verbreitet, da er für sie genießbare „Auswüchse“ an den Samenrändern der Kapselfrucht besitzt.

Die aufstrebende organische Chemie im 19. Jahrhundert verdrängte weitgehend die natürliche Nutzung heilender Kräuter.

Und dennoch könnte auch heute noch Ritter Eppo mit Hilfe des Schöllkrauts von seinen schmerzenden Warzen befreit werden.EZ

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