Ob Giersch oder Geißfuß – Das Kraut gibt im Frühjahr Kraft

Als Salat, in Suppen oder als „Spinat“: der Giersch ist kulinarisch vielfältig.

Foto: Helge May/nabu.de

Die Bremthalerin Heidelinde van Krüchten wandert gerne. In ihrem Beruf als Apothekenhelferin machte sie sich früh mit der Botanik und der vielfältigen Wirkung von Pflanzen vertraut.

Sie beobachtet die Natur und wenn ihr etwas unbekannt ist, spürt sie dem nach, schon, weil sie gerne „urgesund“ kocht und kleine Weh-Wehchen mit heimischen Kräutern heilt. In den Wäldern und Wiesen rund um Eppstein kennt sie sich gut aus und stellt in loser Folger einige der Kostproben aus „Eppsteins Wildkräutergarten“ in der Eppsteiner Zeitung vor.

In der aktuellen Folge über „Eppsteins Wildkräutergarten“ widmet sich die Kräuterkennerin dem Giersch. Bevor Heidelinde van Krüchten sich vor gut zehn Jahren näher mit dem Giersch befasste, ging es ihr wie vielen anderen Menschen auch: „Ich kannte ihn nicht“, sagt sie. Er ist ein Doldenblütler mit dem wissenschaftlichen Namen „Aegopodium podagriaria“. Seine ursprüngliche Heimat ist Asien. Als Einziger seiner Gattung kommt er in Europa vor, allerdings zum Teil so häufig, dass Gartenbesitzer sich über seine Hartnäckigkeit vielfach ärgern und er den Namen „Gärtnerfeind“ bekam. Aber Ärger bereitet der Giersch nicht, ist van Krüchten überzeugt: „Wir müssen ihn nur näher kennenlernen!“

Voll Freude erwarte sie im zeitigen Frühjahr sein erstes Erscheinen. Da er standorttreu ist, entdeckt sie ihn schnell. Seine wechselständigen Blätter sind eiförmig und haben einen „zackigen“ gesägten Rand. Für van Krüchten ist das Kennzeichen sein charakteristischer, eckig gefurchter Stiel. Sein unsichtbarer Wurzelstock ist stark verzweigt und wuchernd, so dass seine Ausläufer immer wieder neue Triebe bilden, die dem Gärtner als lästig und unausrottbar erscheinen. Wenn es allzu stark wird, einen Auslauf mit Meerschweinchen darüber setzen, die fressen mit Vorliebe seine Wurzeln, die sie restlos aufspüren. Andere Gärtner schwören auf ein natürliches „Gehege“ aus Buschbohnenpflanzen.

Giersch ist von alters her als wohlschmeckendes Wildgemüse bekannt. Seinen Ehrenplatz hat er in der berühmten „Neunerstärke“, dem historischen Vorläufer der Grünen Soße. Seine Wuchshöhe kann ein Meter im Blütenstand erreichen.

Van Krüchten liebt vor allem die jungen gefiederten Laubblätter die im Geschmack aromatischer noch als Petersilie sind. Vitamin C, Carotin, Eisen, Magnesium und Calcium bilden den gesunden Cocktail, den die Pflanze bietet. Sie kann als Gemüse zubereitet oder als Würzkraut, ersatzweise für Petersilie, verwendet werden. „Ich selbst ziehe den ungekochten Zustand vor, sonst geht zu viel von den Inhaltsstoffen verloren. Er bereichert absolut meine Küche“, behauptet van Krüchten.

Wie dieses gesunde Kraut zu seinem Namen kam, weiß sie nicht. Allerdings hat sie unzählige Namen dafür gefunden. So bedeutet der lateinische Name „Aegopodium“ Ziegenhuf, was sich wohl auf die Ähnlichkeit der Blätter mit einem Ziegenfußabdruck bezieht. Deshalb wird er auch „Geißfuß“ genannt. Am lustigsten findet van Krüchten die Bezeichnung „Witscherlenwetsch“ aus dem Ulmer Raum. Der lateinische Beiname „podagraria“ bedeutet Gicht und gibt Aufschluss über frühe Anwendung des Krauts.

„Wir können uns glücklich schätzen, dass diese Pflanze, die nur geringen Anspruch an Lichtversorgung und Boden stellt, so reichhaltig zur Verfügung steht“, sagt van Krüchten: Giersch liebt vorzugsweise feuchte, schattige Wald- und Gartenränder und benötigt, wie der Löwenzahn, viel Stickstoff zum Wachstum.

In einer Ratgebersendung des Rundfunks fragte eine Anruferin den Gartenfachmann, wie sie den lästigen Giersch aus ihrem Garten wegbekommen könne. Seine Antwort: „Warum vernichten? Aufessen!“

Diese Aussage hätte auch von unserer Wildkräuterkennerin kommen können: Mit seinem ersten Erscheinen im Jahresreigen der Wildkräuter stehe immer ein Glas mit frischem Giersch in ihrer Küche bereit. „Mein Mann, der jeden Morgen unser Frühstück liebevoll bereitet, gibt zusammen mit anderen Kräutern frischen Giersch über Tomaten und Quark. Van Krüchten ist übezeugt, „dass dies die Ursache dafür ist, dass uns seit etlichen Jahren keine Erkältung erwischt hat“.EZ

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