Seit 2015 plant Amprion dieses Netzausbau-Vorhaben. Auf einer rund 340 Kilometer langen Strecke zwischen Overath bei Düsseldorf und Philippsburg bei Mannheim will Amprion vorrangig vorhandene Masten nutzen – um Zeit und Kosten zu sparen. Für die Umrüstung auf vorhandenen Leitungen muss Amprion nur einen Teil der Isolatoren umrüsten – für Gleichstrom, statt für Wechselstrom – und einige Masten erhöhen. Die Leiterseile werden nicht getauscht.
So läuft künftig auf einer Mastseite Wechselstrom und auf der anderen Gleichstrom. Amprion geht davon aus, dass es auf diesen Hybridleitungen trotz des geringen Abstands zwischen den Leiterseilen keine Wechselwirkungen zwischen beiden Stromarten gibt. Firmensprecherin Joëlle Bouillon antwortete auf eine unsere Anfrage: „Welche Wechselwirkungen sollten das sein? Die Machbarkeit haben wir vorab geprüft und alle elektrischen Parameter, die für Beeinflussungen in der elektrotechnischen Sicht relevant sind, sind entsprechend umgesetzt.“
Im ursprünglichen Zeitplan peilte Amprion 2019 für die Umrüstung an. Etliche Einsprüche und Änderungsvorschläge später setzt Amprion nun annähernd sein ursprüngliches Vorhaben um, trotz laufender Gerichtsverfahren (siehe Meldung auf dieser Seite).
Am Sonntag verzögerte das Gewitter die Umrüstung des Mastes nur um ein paar Stunden. Der Mast wurde planmäßig um sieben Meter von 62,2 auf 69,7 Meter erhöht. In den vergangenen Wochen bereitete Amprion die Arbeitsfläche dafür vor. Der Untergrund auf einer Wiese musste stabilisiert und der so genannte „Zwischenschuss“ für die Erhöhung des Mastes am Standort vormontiert werden. Am Sonntag wurde dieses sieben Meter hohe Teilstück mit zwei Autokränen eingesetzt. Ein Kran hob das Mastoberteil an, ein zweiter Kran fügte das Segment ein. Ein dritter Kran unterstützte beim Anheben und Einsetzen. Die ohnehin nur temporären Arbeitsflächen werden wieder zurückgebaut.
Die Arbeiten werden darüber hinaus von einer ökologischen Baubegleitung beobachtet. In diesem Fall musste sich ein Ornithologe um ein Nest von Turmfalken kümmern. Die beiden Vogeleltern hatten sich den Strommast zum Brüten ausgesucht und wurden durch die Arbeiten so verunsichert, dass die Eier nicht ausreichend bebrütet wurden. Deshalb wurden die bereits gelegten Turmfalkeneier vor Beginn der Arbeiten an dem Mast geborgen und zu einer Aufzuchtstation gebracht, wo sie ausgebrütet werden. Später werden die Jungvögel im Taunus ausgewildert.
Das Vorgehen wurde vorher genehmigt und sei bei Bauarbeiten an Strommasten üblich, teilte Amprion mit. Die Bauzeiten seien an Freischaltungszeiten gebunden, während der die Masten erhöht oder umgerüstet werden können. Diese Zeitfenster seien bundesweit geregelt und bindend und fallen teilweise auch in die Brutzeit. Dann werden ökologische Experten herangezogen.
Gutachter Martin Schnell bestätigte, dass in Bremthal die Eier entnommen werden mussten. Es könne aber durchaus sein, dass die Falken ein zweites Mal brüten, denn das Nest selbst wurde nicht beschädigt. In der Regel versuche das Team, die Vögel möglichst wenig zu stören.
Sind bereits Jungvögel im Nest, würden Fütterungspausen eingelegt, damit die Elternvögel zu den Jungvögeln fliegen können. Ein Auskühlen der Eier wollten die ökologischen Gutachter in diesem Fall jedoch nicht riskieren und handelten vorbeugend.
In Eppstein ist noch ein weiterer Mast für eine Masterhöhung vorgesehen, kündigte Amprion an. Der Mast am Ortsrand von Niederjosbach wird voraussichtlich Ende Juni von 52 auf 62 Meter erhöht. bpa

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