Wenn Bahn-Computer nicht miteinander kommunizieren

Leserbrief zu unserem Beitrag „Bahn, Baustelle, Brücke“ in Ausgabe Nr. 14-15/76 vom 2. April zum Thema: Wenn Bahn und Straßenbau sich in die Quere kommen

In der Eppsteiner Zeitung war ausgiebig zum Thema S2 zu lesen. Dazu möchte ich erst- und letzmalig meinen Senf geben.

Zur InfraGo wäre zu schreiben, dass die organisatorischen Probleme deutschlandweit auftreten. Da ich im Zug zwangsweise mit Telefonaten der InfraGo-Mitarbeiter beglückt werde, behaupte ich mal, dass der Begriff „Saustall“ für InfraGo nicht allzu weit daneben liegt.

Nun aber zum Artikel:
Die Anzeigetafeln an den Bahnhöfen sind deshalb oft unbrauchbar, weil verschiedene Bahn-Computer nicht miteinander kommunizieren können und daher durchaus eine halbe Stunde vergeht, bis alle Rechner die gleichen Daten haben. Daher ist die Anzeigetafel beim Halbstundentakt der S-Bahn ziemlich sinnlos. Im Hauptbahnhof Frankfurt gibt es wegen des Computerchaos bis zu vier (!) verschiedene Auskünfte zum gleichen Zug.

Viel Vergnügen mit dem (eventuellen) Besuch des Herrn Ringat. Als Marketingexperte wird er den Zuhörern schwerpunktmäßig faule Ausreden und schräge Statistiken zum Fraße vorwerfen.

Das mit dem Zusatzhalt der Regionalbahnen bei S-Bahn-Betriebsstörungen ist ein Problem. Ein Zusatzhalt nur in Eppstein, das meines Wissens genug Reisende für einen RB-Halt bieten würde, könnte sicher ohne Verspätung in Frankfurt durchgeführt werden. Das will die Bahn AG anscheinend gar nicht näher in Betracht ziehen.
Bei außerplanmäßigen Halten in Störungsfällen werden aber alle Stationen bis Zeilsheim bedient, was in Frankfurt Hbf zu einer Verspätung von ca. 7 Minuten führt.
Wer zahlt dann die Fahrgastrechte für die, die deshalb ihren Anschluss versäumen? Schon bei einer Ankunftsverspätung in Frankfurt von 3 Minuten und pünktlicher Abfahrt des Anschlusszuges können 15 Euro als Entschädigung fällig werden.

Was die Fahrten nur bis Hofheim betrifft, so sei es für die Bahn finanziell günstiger, den Zug bis Niedernhausen ausfallen zu lassen, als die kaum abbaubare Verspätung den Rest des Tages mitzuschleppen. Zumindest behaupten das die Bahn-Personaler.
Die diversen Gegenmaßnahmen werden seit gut zehn Jahren immer wieder aufs neue versprochen; es handelt sich dabei offensichtlich um Versprecher.
Die Verspätungserklärungen kann man getrost unter Ausredenlotto abhaken: Für die gleiche Verspätung gibt es bis zu drei Ursachen, je nachdem, wann man gerade zuhört.
Das bestätigen auch Anwohner des Bahnhofs in Lorsbach, die die Durchsagen regelmäßig hören müssen.

Warum man 117 Nächte für Wartungsarbeiten an einer ca. 20 Kilometer langen Strecke braucht? Ich denke, das liegt am oben erwähnten Organisationsversagen. Leere Baustellen erlebt man auch auf den Straßen.
Viel schlimmer sind aber die nicht angekündigten Baumaßnahmen, bei denen der erste Schienenersatzverkehrs-Bus (SEV) gegen 23 Uhr fährt oder man in den frühen Morgenstunden eine Ewigkeit irgendwo rumsteht, weil das Baufahrzeug die Weiterfahrt verhindert.
Eine Umfahrung des Baufahrzeugs wäre in der Regel möglich, aber entweder hat der Fahrdienstleiter (Zugsteuerer) keine Lust, sich den Aufwand anzutun oder das Baufahrzeug kommuniziert nicht mit ihm.
Taxifahrten werden bei besonderen Fällen ohne Probleme erstattet.
Was die Sperrzeiten betrifft, so ist regelmäßig die 20.22 Uhr ab Frankfurt abfahrende S-Bahn die letzte vor Beginn des SEV und nicht mal 20 Uhr, mal 21 Uhr.

Im übrigen war die im Bericht erwähnte Sperrung im März nicht durchgehend. Es gab damals ab Frankfurt einen Stundentakt mit der RB und man konnte die Busse vermeiden.

Was die Regionalbahnen betrifft, die fahren dürfen, so verstehe ich auch nicht, warum man die S-Bahn nicht im Stundentakt nach Niedernhausen fahren und die Leute dort in die RB Richtung Limburg umsteigen lässt. Die Gleisbelegung wäre annähernd die Gleiche und der Fahrzeitverlust für die Summe aller Reisenden minimiert.

Auch die Kosten für den indiskutablen SEV könnte die Bahn damit reduzieren. Aber man muss ja nicht alles verstehen. Tunnelsperrungen sind für die S2 ab Hauptbahnhof nur positiv. Endlich pünktlich, manchmal sogar Abfahrt von „oben“.
Die RB halten bei den geplanten Störungen übrigens nicht hin und wieder, sondern planmäßig in Eppstein. Leider nicht immer: Z.B. Anfang April eine Woche lang mit Halt in Eppstein und den Rest des Monats nicht mehr.

Zum Schienenersatzverkehr gibt es eigentlich nichts zu schreiben. Eine ziemliche Katastrophe. Mehr als die Hälfte meiner unvermeidbaren Busfahrten liefen nicht planmäßig, um es mal zurückhaltend auszudrücken.

Was die Fahrradmitnahme betrifft, so ist das Thema komplexer, als man sich das vorstellt.
Unfein ist es natürlich, wenn der Fahrer sich trotz ausreichend Platz weigert, Fahrräder zu befördern.
Zum Glück sind nicht alle Fahrer und Fahrerinnen so.

Was die Geisterzüge betrifft, so sind die kein zwingender Widerspruch zu den Sperrungen. Die Strecke ist für Falschfahrten eingerichtet und je nach Standort der Baumaßnahme sind einzelne Zusatzfahrten kein Problem.

Name des Verfassers ist der Redaktion bekannt

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