und Moderator der ZDF-Serie Terra X. In der anschließenden Fragerunde ging es Schlag auf Schlag: Wie viel er an einem Video verdiene, wollte ein Schüler wissen, ein anderer, wie viele Mitarbeiter in der Technik daran arbeiten, andere fragten, wo er seine Themen finde, ob er sie selbst bestimmen dürfe und ob es Themen gebe, die ihn belasten – und, was er vor seiner Youtube-Karriere gemacht habe.
Tatsächlich, so Drotschmann, habe er beim Radio des SWR angefangen und nach seinem Studium ein Volontariat absolviert. Belastend seien Arbeiten über den Krieg und ganz aktuell die Daten über das riesige Opfer-Netzwerk im Epstein-Skandal. Darin gebe es so schreckliche Details, die er gar nicht aufgreifen dürfe, weil dann das Video nicht mehr jugendfrei sei.
Auf die Frage, welches sein Lieblingsthema in der Geschichte sei, antwortete Drotschmann: „Der Alltag der Menschen und wie sie beispielsweise vor 200 Jahren gelebt haben.“ Und zu seinen Einnahmen: Anders als bei vielen Social-Media-Stars, die von Werbung lebten, werde sein Honorar für ein Youtube-Video vom Content-Netzwerk „funk“ der ARD und des ZDF, also aus den Rundfunkbeiträgen ihrer Eltern, bezahlt.
Schon mit seinem Einstieg über einen Abi-Albtraum in der Nacht vor seinem Besuch in der Eppsteiner Gesamtschule lockerte der Journalist und TV-Moderator die Situation auf, kam dann aber schnell zum Thema. Drotschmann erklärte den Begriff Fake News und wies auf einige Merkmale hin, wie reißerische Überschriften, das Fehlen von Urheber oder Quellennennung und auf die vier Hauptgruppen, die Nutznießer von Fake News seien: Gruppierungen wie Parteien oder Lobbyisten, die andere beeinflussen, Menschen, die damit Geld verdienen, staatliche Organisationen wie Geheimdienste, die andere Staaten destabilisieren wollen, und manchmal einfach nur Spaßvögel, die andere aufs Glatteis führen. Er zeigte Bilder von Fake News, die in jüngster Zeit Schlagzeilen machten, etwa die Kokain schnupfenden europäischen Staatschefs auf einer Zugfahrt nach Kiew. Dank der sozialen Medien, die für Gerüchte so etwas wie ein „Brandbeschleuniger“ seien, lassen sie sich kaum noch aus der Welt schaffen.
Aber auch lange bevor es Internet gab, gab es schon Fake News, wies Drotschmann nach: Der AIDS-Mythos, dass das Virus aus einem US-Labor stamme, wurde nachweislich vom russischen Geheimdienst KGB erfunden und gestreut – „mit Erfolg“, so Drotschmann. Bis heute gebe es Menschen, die das glauben. Die Werbung habe früher zum Teil noch mehr gelogen als heute. Als Beispiel nannte der Journalist das sprichwörtliche „HB-Männchen“ aus den 1950er Jahren, das mit jedem Werbespot glauben machte, dass sich mit einer Zigarette im Mund jedes Alltagsproblem leichter lösen lasse.
Wie schwer sich Fake News aus der Welt schaffen lassen, werde oft an persönlichen Schicksalen deutlich, sagte Drotschmann. Selbst wenn Betroffene längst rehabilitiert seien, hafte der Skandal an ihnen, als Beispiel nannte er Peter Lustig, den beliebten Moderator der Serie Löwenzahn, der in einer BILD-Zeitungskampagne verunglimpft wurde.
Wer nicht auf Fake News hereinfallen wolle, müsse aufpassen, welche Recherche-Tools und Apps er verwendet. Wichtig sei immer die Frage nach der Quelle. In sozialen Medien wie Tik Tok oder Youtube gebe es außerdem nahezu keine Kontrolle: „Jeder kann alles hochladen“, sagte der Journalist. In klassischen Medien sei das anders. Auch dort gebe es Fehler, die würden in der Regel richtiggestellt.
Schwieriger sei das bei Bildern, insbesondere bei KI generierten Bildern. „Bilder erwecken sofort Emotionen“, macht Drotschmann mit einigen Beispielen deutlich. Umso wichtiger sei es, nach Merkmalen für Echtheit oder Fake zu suchen. Keine Schwierigkeit hatten die Schüler damit bei zwei Fotos aus Eppstein, die Drotschmann mit Chat GPT bearbeitet hatte: Auf dem Schulhof machte sich vor der Sporthalle die Baustelle für ein amerikanisches Schnellrestaurant breit und unterhalb der Burg musste für einen angeblichen Besuch des US-Präsidenten das Alte Rathaus weichen, um zwischen Burgmauer und Talkirche Platz für einen neuen Trump-Tower zu schaffen.
So spektakulär die Fotos auf den ersten Blick schienen, entdeckten die Jugendlichen schnell, dass weder Proportionen noch Farben oder Schriftzeichen authentisch wirkten.
Lehrer Pascal Jakobi hatte den bekannten Youtuber schon vor zwei Jahren an die Schule geholt und war auch diesmal wieder begeistert vom Vortrag, dem authentischen Auftreten des Moderators, seiner ruhigen, klaren Art, und wie es ihm gelang, die Jugendlichen eineinhalb Stunden lang zu fesseln: „Die meisten waren wirklich wie gebannt“, hat er beobachtet. Und auch nach dem Vortrag leerte sich die Aula noch lange nicht, weil viele noch ein Selfie mit „MrWissen2go“ machen wollten. bpa




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