Das freundliche Thekenteam versorgte die Gäste mit Herzhaftem, während sie auf den ersten Auftritt warteten. Von irgendwoher wurde mit einem Löffel gegen ein Rieslingglas geklopft. In das helle „Pling“ mischte sich das „Kling“ der Stimmgabel des musikalischen Leiters Ulrich Stoll. Die Choristen der Sängerlust betraten die Bühne und leiteten das Frühlingskonzert mit ihrem „Sängergruß“ ein.
Dieser galt auch Reinhold Lay, über drei Jahrzehnte Vorsitzender des Chores, der aus gesundheitlichen Gründen zum ersten Mal das Konzert vom Saal aus verfolgte. Auch die Tatsache, dass er am selben Tag seinen 84. Geburtstag feierte, durchzog das Programm wie ein bunter Faden. Ein Strauß von Melodien wie „Die Rose“, „Immer nur lächeln“ oder „Happy Day“ schienen wie gemacht für einen Gabentisch voller bester Wünsche fürs neue Lebensjahr. Die Sängerlust selbst besteht seit 135 Jahren.
„Ich freue mich über viele bekannte Gesichter. So sind Mitglieder des Katholischen Kirchenchores St. Michael und vom Gesangsverein Taunusliebe da“, freute sich der Zweite Vorsitzende Bernd Fuchs, der seine Moderation gewitzt, jovial und unterhaltsam gestaltete. Er hieß das Vokalensemble Intermezzo unter dem Dirigat von Franz-Jürgen Dieter, die Chorgemeinschaft Kelkheim und den Kleinen Chor Euterpe Hornau willkommen. „Es sind nicht nur Sänger zu Gast, sondern auch Freunde“, leitete Bernd Fuchs zum Programmpunkt der Ehrungen über.
Ingrid Hartleb und Jürgen Ernst vom Sängerkreis Main-Taunus überreichten Heinz Sabel eine Urkunde für 60 Jahre Mitgliedschaft. Es wurden Hans-Dieter Klein gleichfalls für 60 Jahre, Udo Dörr für 50 Jahre, Jochen Ritschel und Christoph Striedter für ihre vierzigjährige Mitgliedschaft bei der Sängerlust geehrt. Die meisten der Genannten waren verhindert und konnten der Veranstaltung nicht beiwohnen.
Nun hielt es die Sänger nicht mehr auf ihren Stühlen und sie bevölkerten die Bühne mit viel Lampenfieber und Enthusiasmus. Die Sängerlust eröffnete den Reigen und hatte neben „Mala moja“ sowie „Drumba drumba“ ein umfangreiches Repertoire von melancholisch-romantischen und beschwingt-gemütlichen Liedern mitgebracht. Chorleiter Ulrich Stoll entlockte seinen Sängern beinahe esoterische Zwischentöne und eleganten Stimmfluss.
Als äußerst wirkungsvoll erwies sich der Auftritt des Kleinen Chores Euterpe Hornau. Euterpe gilt als griechische Muse der Lyrik und der Musik. Die sieben Sängerinnen und drei Sänger machten ihr alle Ehre, sie wechselten zwischen Sanftheit, Elegie und erfrischender Rhythmik. Euterpe Hornau erschuf einen empathischen Klangraum und ließ das Publikum melodiös sogar im „Moon River“ baden.
Plastisch, raffiniert und füllig im Timbre punktete die Chorgemeinschaft Kelkheim. Die Sänger zogen kunstvoll die Register von schmachtend bis zart. Besonders zu erwähnen ist „Und wieder blüht die Linde“, facettenreich arrangiert. Das Vokalensemble Intermezzo festigte sein Prestige als Gemütsaufheller und überhaupt seinen Status als Ballungszentrum charismatischer Stimmen.
Käsebrötchen blieben liegen, Weingläser blieben stehen, das Publikum brauchte die Hände zum Klatschen und die Arme zum Schunkeln. Gospels und Evergreens wurden strahlend und souverän mit Franz-Jürgen Dieter am Pult zum Besten gegeben.
Für den Zauber, der von Tisch zu Tisch wanderte, sorgte Tenor Karl-Heinz Blößer, begleitet von Jenny Möbius am Klavier. Er ließ seine Lieder voller Zartheit flehen, berührte mit melodiöser Weichheit. Die Lippen der Anwesenden lächelten, Augen begannen zu strahlen. „Komm, beglücke mich“, sang der Tenor, dabei war er es, dem die Herzen zuflogen und der mit Pianistin Jenny Möbius die Zuhörerschaft beglückte.
Der Moment, als die drei Chöre ihre Stimmen zum gemeinsamen Gesang vereinten, beeindruckte nachhaltig. Das Lied „Wohin ich auch schaue“ ließ einen Blick auf den leidenschaftlichen Chorsänger Reinhold Lay in der ersten Reihe zu. Aufmerksam beobachtete er das Bühnengeschehen, sang die Melodien, die er alle kennt, leise mit.
Es ließen sich so einige Stimmen vernehmen, die zögerlich als konzertante Trittbrettfahrer hörbar Anteil nahmen am Konzert und schüchtern den Sängern sekundierten.
Warum so leise? Wer Lust bekommen hat, selbst Teil einer singenden Gemeinschaft zu werden, egal ob als Tenor, Bariton oder Bass, ist eingeladen, jeweils donnerstags um 19.15 Uhr bei der Probe hineinzuschnuppern. Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0 61 98-10 37.uki


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