Kohlenmeiler als Bodenarchiv: Historisches Handwerk und Geologie

Der Kohlenmeiler fängt an zu qualmen, wenn dem Holz die Feuchtigkeit entzogen wird. Später ändert sich die Farbe des Rauchs.Foto: privat

Der Kohlenmeiler fängt an zu qualmen, wenn dem Holz die Feuchtigkeit entzogen wird. Später ändert sich die Farbe des Rauchs.Foto: privat

Mit glühenden Kohlen im wortwörtlichen Sinn hat Staatssekretär Michael Ruhl vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt nicht tagtäglich zu tun.

Dennoch meisterte er die Herausforderung, zum Auftakt des einwöchigen Kohlenmeilerfestes des MSC Ehlhalten im Silberbachtal den Kohlenmeiler zu entzünden mit stoischer Miene und nachhaltigem Effekt: Nach einigen Kannen voll glühender Holzscheite begann der Meiler zu rauchen und im Laufe des Freitagabends immer mehr Qualm und Rauch zu entwickeln. Denn beim Verkohlen des wintergeschlagenen Buchenholzes aus dem Ehlhaltener Forst, wird als erstes die Feuchtigkeit entzogen. Das erläuterte Köhler Torsten Rausch dem Staatssekretär und interessierten Gästen. Zusammen mit einigen Helfern hält er bis zum Freitag Tag und Nacht Meilerwache.

In früheren Jahrhunderten so Rausch, qualmten mehrere hundert Meiler rund um Ehlhalten, um die Glashütten im benachbarten Glashütten oder die Schmelzmühlen für den Eisenerzabbau mit ihrer viel heißer als Holz glühenden Holzkohle zu beliefern. Ortsvorsteherin Martina Smolorz brachte zur Anschauung einige Schlackebrocken mit, die sie an solchen historischen Meilerstandorten rund um Ehlhalten gesammelt hat.

Die ehemaligen Meilerstandorte sind als „Archivböden“ ein Aspekt des Jahresthemas des „Boden des Jahres 2026“. Seit 2005 kürt das Kuratorium „Boden des Jahres“ zusammen mit dem Umweltbundesamt jedes Jahr einen Boden, um die Öffentlichkeit für den Wert und die Gefährdung dieser begrenzten Ressource zu sensibilisieren. 2026 gilt ihre Aufmerksamkeit dem natur- und kulturgeschichtlichen Erbe tieferer Bodenschichten und welche Informationen sie für Geologen bergen.

Der Besuch des Kohlenmeilerfestes Ehlhalten ist Teil der hessenweiten Aktivitäten im Rahmen der Schirmherrschaft des Landes Hessen zum „Boden des Jahres 2026“. Gemeinsam mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und zahlreichen Partnern – darunter Geo- und Naturparke, Hessen Forst, Museen und Kommunen – werden im Laufe des Jahres Ausstellungen, Bildungsangebote und Aktionen zum Thema Archivboden umgesetzt.

Ruhl erzählte bei der Eröffnung des 42. Kohlemeilerfestes in Ehlhalten von der historischen Waldnutzung und der früheren Bedeutung von Holzkohle als Energieträger. Eine Kohlenmeilertradition wie in Ehlhalten gibt es in Hessen sonst nur noch im Hessenpark. Deshalb übernahm das Land Hessen dieses Jahr die Schirmherrschaft für das Kohlenmeilerfest. Ruhl lobte die lange Tradition in Ehlhalten seit 1982: „Das Fest hält ein altes Handwerk lebendig, bringt Menschen zusammen und leistet so einen wichtigen Beitrag für unsere Gemeinschaft.“

Am Sonntag trudelten bei morgendlichem Regen etwa 25 Traktoren zum Traktorfest ein. „Wegen des Wetters kamen einige weniger als voriges Jahr“, bedauerte MSC-Chef Jan Christopher Holst. Das Köhler-Team war trotzdem zufrieden, denn etliche Besucher kamen dann doch noch zum Frühschoppen, nachdem das morgendliche Gewitter vorübergezogen war.

Am Fronleichnamstag gibt es von 11 Uhr an Grillspezialitäten und Live-Musik am Meiler. Geöffnet wird der Meiler sobald er ausgeglüht ist. Abgepackt und verkaufsfertig ist die Grillkohle am Freitag, 13. Juni, ab 17 Uhr. Interessenten an der hochwertigen Meilerkohle können auch über info[at]msc-ehlhalten[dot]de einen anderen Termin vereinbaren. bpa

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