In den Teichen bei Ehlhalten sollen wieder Forellen schwimmen

Die Frage, wann es wieder Forellen gibt, hört Stefan Friedchen häufig: Von Wanderern und Einheimischen, aber auch durch Anfragen im Internet.

Seit über sechs Jahren ist er dabei, seinen Herzenswunsch zu verwirklichen und Teiche und Räucherkammer im abgelegenen Dattenbachtal wieder in Betrieb zu nehmen: Zunächst allein und mit Unterstützung von Freunden. Seit 2016 mit tatkräftiger Hilfe von Ehefrau Luba, die er damals kennenlernte.

2014 erbte der gelernte Koch das rund 20 000 Quadratmeter große Anwesen bei Ehlhalten von seinem Vater. Haus und Grundstück waren damals völlig verwahrlost und zugemüllt: Ein ganzes Jahr lang war er allein und mit Freunden beschäftigt, das Wohnhaus leer zu räumen, das von oben bis unten mit vergammelten Lebensmitteln, Unrat, Baumaterialien, Farbeimern und Plastikmüll vollgestopft war. „Es war die reinste Messi-Hölle“, sagt Friedchen und schätzt, dass er allein dafür über 50 Container bestellt hat. Rund 120 000 Euro hat das Ehepaar bisher nur fürs Entrümpeln bezahlt. „Der teuerste Misch-Container kostete 3000 Euro“, erinnert er sich. Die Ersparnisse aus dem Verkauf seines Hauses in Niedernhausen sind inzwischen aufgebraucht.

Und noch immer finden sie unter der Erde oder im Gebüsch auf dem weitläufigen Grundstück Folien, Kanister oder Plastikrohre. Einmal im Monat fährt einer von ihnen zur Sondermüllannahmestelle und entsorgt so nach und nach Kanister und Eimer mit undefinierbaren Stoffen. Sogar Leitplanken habe sein Vater gesammelt, „vermutlich um damit das Grundstück zu terrassieren“, glaubt Friedchen. Der 38-Jährige ist auf dem Forellenhof aufgewachsen, bis sich die Eltern getrennt haben. Später lebte er in Niedernhausen. Die Lehre zum Koch machte er dem Vater zuliebe, „obwohl ich diesen Beruf gehasst habe“, sagt er. Aus gesundheitlichen Gründen schulte er zum Industriekaufmann um und arbeitet seit über zehn Jahren bei einem Unternehmen in Bad Vilbel.

Das Wohnhaus im Dattenbachtal wurde 2015 und 2016 kernsaniert. Seit 2017 wohnen die beiden dort samt Hündin Jane. Luba Friedchen war damals mitten im Jura-Examen. Inzwischen arbeitet die 33-Jährige Juristin für ein Unternehmen in Frankfurt, seit etwa einem Jahr im Homeoffice: „Hier draußen ist das der pure Luxus“, sagt sie. Beide freuen sich auf Nachwuchs. Der Geburtstermin ist im Oktober.

Nicht nur deshalb drängt die Zeit: Inzwischen hat das Freiräumen und der Betrieb des riesigen Grundstücks die Ersparnisse der beiden aufgezehrt. Die hauseigene Kläranlage muss regelmäßig gewartet, der eigene Trinkwasserbrunnen mindestens einmal im Jahr untersucht werden. Die Heizung wird mit Holzhackschnitzeln betrieben. Dazu ließen die beiden eine Biomasse-Anlage einbauen, die sie im Winter täglich mit Hackschnitzeln füllen müssen.

Jetzt im Frühjahr stehen Außenarbeiten an: Die Dämme zwischen den Teichen müssen befestigt und die Teiche selbst von Gestrüpp befreit werden, bevor das Wasser wieder fließen kann. Große Findlinge liegen schon bereit, die Friedchen verwenden will. Die Teiche bestehen weitgehend aus Naturmaterial. „Das heißt, das Wasser läuft schneller ab als aus Teichen mit Folienverkleidung oder Betonwannen, weil es zum Teil versickert“, erklärt Friedchen und fügt hinzu: „Das trägt aber auch zum guten Geschmack der Forellen bei.“

Vor einigen Wochen hat Luba Friedchen auf der Plattform Betterplace.me unter dem Stichwort „Forellenhof“ einen Spendenaufruf für 10 000 Euro gestartet. Damit könnten die beiden die dringendsten Arbeiten bezahlen. Fast 2000 Euro gingen bislang dort ein. Mit dem davon gemieteten Radlader sammelt Friedchen den Unrat auf dem weitläufigen Gelände ein. „Wir freuen uns über jeden Euro“, sagen die beiden. Sie hoffen, dass sie schon in wenigen Wochen den Antrag für die Genehmigung der Forellenteiche stellen können. „Dann könnten wir zum Winter das erste Mal räuchern“, hofft Friedchen.

Ein Ingenieurbüro sei damit beauftragt, den Zufluss für vier Teiche zu berechnen. Doch dazu muss der Überlauf des Baches bei niedrigem Wasserstand gemessen werden. In der Räucherkammer fehlen noch Leitungen und ein neuer Bodenbelag. Zwei große Räucheröfen sind noch vorhanden und müssen, ebenso wie Gitter, Bleche und Haken professionell gereinigt werden.

Schon sein Großvater habe eine Forellenzucht betrieben, sagt Stefan Friedchen, allerdings in Wiesbaden. Sein Vater kaufte Anfang der 1960er Jahre das Grundstück am Nonnenwald in Ehlhalten und erhielt die Genehmigung für 14 Teiche, Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude. Dazu füllte er das sumpfige Gelände auf und legte den Zulauf für die Teiche an. Die hohe Reinheit des Wassers mit nahezu Trinkwasserqualität machte die Forellen zu einer Delikatesse, die nicht nur von vielen Ehlhaltenern geschätzt wurde.

Nicht genehmigt wurde der Traum des Vaters, dort einen Angelteich für Hobby-Angler einzurichten. Allerdings ist der Forellenhof in alten Karten als Einkehr für Wanderer angegeben. „Es gab wohl mal eine Arte Suppenküche“, erinnert sich Stefan Friedchen. Schon damals war das Tal Schutzgebiet. Inzwischen sind zwar die alten Wasserrechte abgelaufen und gelten seit 2016 neue EU-Richtlinien, aber der Betrieb hat Bestandsschutz und kann wieder aufgenommen werden – wenn Friedchen die neuen Auflagen erfüllt. Dazu muss das gesamte Grundstück von Müll geräumt sein und eine neue Schwelle eingebaut werden, die den Zulauf des Bachs reguliert. Forellen züchten will er nicht, aber möglichst junge Forellen einsetzen, damit sie im guten Taunuswasser wachsen können. bpa

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