Endgültig stimmen sie darüber in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 19. Februar, ab. Die Zustimmung ist Voraussetzung für die Abgabe des Klimaschutzkonzepts bei der Nationalen Klimaschutzinitiative. Fristgerecht muss es spätestens am 28. Februar dort vorliegen, damit die Stadt weitere finanzielle Förderungen erhält. Interessierte Leserinnen und Leser finden das Konzept als PDF-Datei schon online auf unserer Internetseite eppsteiner-zeitung.de.
Ein Jahr lang hat Klimaschutzmanagerin Julia Schomburg Daten und Ideen gesammelt, Statistiken erhoben und fünf Handlungsfelder mit 28 Maßnahmen ausgemacht, die am Ende dazu führen sollen, dass Eppstein bis zum Jahr 2045 klimaneutral ist, also der Ausstoß von Treibhausgasen weitgehend vermieden wird. Der CO2-Ausstoß von aktuell 71 282 CO2 laut Stand von 2022 für Wärme, Stromerzeugung und Verkehr, soll bis 2045 auf ein Minimum gesenkt oder kompensiert werden, zumindest in den fünf hauptsächlich betrachteten Handlungsfeldern: Erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität, klimagerechte Infrastruktur und Stadtentwicklung. Hinzu kommen Einrichtungen der Kommune, bei deren Bau oder Sanierung die Stadt als Vorbild dienen solle sowie die Beteiligung und Information der Bürger.
Gleichzeitig verpflichtet sich die Kommune dazu, Maßnahmen zur Klima-Anpassung umzusetzen, also die Folgen der klimatischen Veränderungen in Eppstein abzumildern.
Breiten Raum nehmen im neuen Konzept die Darstellung der Ist-Situation ein und unterschiedliche Szenarien zur Entwicklung bis 2045. Demnach sind die privaten Haushalte mit einem Anteil von 45 Prozent an den Emissionen die Hauptverursacher von CO2 gefolgt vom Verkehr mit 35 Prozent, dem Gewerbe mit 14, Industrie mit 7 und die städtischen Einrichtungen mit 2 Prozent.
Hauptursache für den CO2-Ausstoß ist die Wärmeproduktion mit fossilen Brennstoffen Öl und Gas, sowie Strom, außerdem Diesel und Benzin beim Verkehr. Schomburg macht mit den unterschiedlichen Szenarien deutlich, dass es vor allem beim Umstieg auf Erneuerbare Energien ein großes Potenzial gibt. Deshalb soll bis Juni 2028 ein kommunaler Wärmeplan aufgestellt, der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen, sei es auf Dächern oder über Freiflächen, vorangetrieben und mit Kampagnen auch private Haushalte und Gewerbe zum Umstieg ermutigt werden. Dabei werde auch Sanierung im Bestand geprüft, so Schomburg.
Das Konzept für klimafreundliche Mobilität sieht fünf Maßnahmen vor. Dazu zählt der Ausbau öffentlicher Ladestationen in allen fünf Stadtteilen. Passend dazu nahmen Alexander Simon und Julia Schomburg am Dienstag eine neue Ladesäule mit zwei Stationen am neuen Parkplatz an der Embsmühle offiziell in Betrieb (siehe Bericht auf Seite 3). Der Ausbau des Radwegenetzes, zusätzliche Radabstellanlagen und Boxen sowie Fahrrad-Reparaturstationen gehören ebenso dazu.
Unter Klimagerechter Stadtentwicklung versteht Schomburg, dass neue Quartiere und Wohngebiete unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes entwickelt, bestehende Gebiete auf ihre Möglichkeiten untersucht werden, erneuerbare Energien zu integrieren und Bestandsgebäude energetisch zu sanieren. Auch bei der Trinkwasserversorgung sollen die Pumpenhäuser auf ihre Eignung für Photovoltaik-Anlagen und energetische Sanierung untersucht werden.
Die flächendeckende Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung und intelligente Steuerungssysteme sei in Eppstein in den vergangenen Jahren sukzessive umgesetzt worden, die Starkregenvorsorge sei dauerhaft Thema, so Simon. Sogenannte Hitzeinseln, etwa entlang der großen asphaltierten Straßen, sollen analysiert und entsprechend saniert werden. Anders als noch vor etwa 20 Jahren, seien Anwohner deutlich offener für das Pflanzen von Straßenbäumen, hat Schomburg festgestellt: „Die Menschen merken, dass Bäume für natürliche Abkühlung sorgen“.
Die Stadtverwaltung als Vorbild ist ein weiterer Punkt auf der Agenda. Gemeint ist der Aufbau eines kommunalen Energiemanagements, Gebäudestandards bei Neubauten und Sanierung.
Den Bau von Photovoltaikanlagen auf kommunalen Liegenschaften habe die Stadt in den vergangenen Jahren vorangetrieben, sagte Simon. Alternativ, so Schomburg, könne die Stadt prüfen, ob sie städtische Dachflächen zur Energiegewinnung verpachtet. Der städtische Fuhrpark könne nur sukzessive auf E-Fahrzeuge umgestellt werden. Meistens handele es sich um Spezialfahrzeuge wie der Unimog des Bauhofs oder die Löschfahrzeuge der Feuerwehren. Abgesehen von ihrer langen Lebensdauer, müsse die Technik noch weiterentwickelt werden, sagte Simon.
Für Klimaschutz sensibilisieren und Maßnahmen im Alltag integrieren sind Ziele der Bürgerbeteiligung. Klimaschutz müsse über Aktionstage in Kitas und Schulen gebracht werden, sagt Schomburg, über Mitarbeiterinformation und Schulungen ins Rathaus. Für die Bürger seien interaktive Klimaschutzangebote geplant und Informationsangebote, beispielsweise zu Photovoltaikanlagen, Energiegenossenschaften und Sanierung.
Simon weist auf Klima-Maßnahmen der vergangenen Jahrzehnte hin: Das Programm Klimaquartier in der Waldallee sollte Handlungsanleitung für private Vorhaben sein, wurde aber kaum umgesetzt. Der Beitritt zur Energiegenossenschaft Solarinvest Main-Taunus 2014 und die Bereitstellung der Dachflächen auf den Feuerwehrhäusern in Bremthal und Ehlhalten für zwei vom Verein Sonneninitiative errichtete Bürgersolaranlagen 2010 und 2012 seien erste Schritte zum Klimaschutz gewesen, ebenso die Umstellung 2025 vom Bürgerbus auf den Colibri, der ausschließlich mit Elektro-Fahrzeugen unterwegs ist. Ganz neu ans Netz gegangen seien die Solaranlagen auf dem Dach des neuen Kindergartens An der Embsmühle und auf dem Bauhof in Bremthal. Der geplante Windpark mit Niedernhausen und Idstein ist schon Teil des Klimaschutzkonzepts. bpa


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