Seit Jahren setzt sich Peter Arnold als Mitglied des Stiftungsrats der 2019 gegründeten Neufvilleturm-Stiftung für den Erhalt des historischen Turms ein und will deshalb das neue Jahr mit einer Diskussion über die Zukunft des historischen Gemäuers beginnen. Er hat einen offenen Brief an den Verschönerungsverein (VVE) geschrieben, damit das Thema in der Mitgliederversammlung am 28. Januar auf die Tagesordnung kommt.
Laut Satzung ist der VVE Träger der 2019 gegründeten Stiftung, deren Stiftungszweck unter anderem die Entwicklung und Durchführung eines Nutzungskonzepts für den Turm vorsieht. In der nächsten Mitgliederversammlung des VVE steht auch die Wahl eines neuen Vorsitzenden an.
Eppsteiner kritisiert: Neufville-Turm verrottet
Als Nachfolger von Claudia Piontke, die den VVE seit zwölf Jahren leitet, wird sich voraussichtlich Rainer Morgenstern aus Bremthal zur Wahl stellen.
In einem Erbbaurechtsvertrag hat die Stadt Eppstein das Erbbaurecht an dem etwa 33 000 Quadratmeter großen Waldgrundstück und dem Neufville-Turm 2019 dem Verschönerungsverein übertragen und ihn dazu verpflichtet, den Neufville-Turm und das gesamte Erbbaugelände stets in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten.
Im ersten Jahr der neuen Stiftung hat eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer das Grundstück großflächig gesäubert. Allen voran der Bremthaler Richard Kaus, der zwei alte Schuppen auf der Ostseite des Geländes abgerissen und Humus und Abfall von Dächern beseitigte. Etliche Helfer entkernten, unterstützt von Eppsteiner Firmen das Gebäude und halfen, zahlreiche große Container mit Abfall und Bauschutt zu füllen. Mehrere große Bäume am Nordhang wurden fachmännisch gefällt, um die Sichtachse zur Stadt wiederherzustellen. Beim Verladen der Baumkronen und Äste vom Hang auf die Fahrzeuge der Firma Bauer, halfen etliche junge eritreische Männer, die als Flüchtlinge in Eppstein lebten.
Im Juni 2020 installierten Mitglieder der Eppsteiner Feuerwehr am Turm eine Überwachungskamera. Grund waren mehrere Einbrüche und Einbruchsversuche, wobei auch Werkzeug gestohlen wurde.
Nachdem die Aufräumarbeiten abgeschlossen waren, zeigten sich deutliche Schäden am Zinnengang im Erdgeschoss an der West- und Nordseite. In Absprache mit der Denkmalbehörde wurde 2021 eine Baufirma mit der Sanierung beauftragt. Die Arbeiten zogen sich mit Unterbrechungen bis weit in den Sommer 2022 hinein und wurden schließlich eingestellt, weil sie nicht fachgerecht ausgeführt wurden. Seitdem gab es noch zwei Sitzungen des Stiftungsrats, die letzte im Sommer 2024. Die Sanierungsarbeiten wurden nicht fortgesetzt und ruhen bis heute.
Die Frage, wie der Neufville-Turm saniert werden soll, so Arnold, hänge auch von der künftigen Nutzung ab. 2021 machte ein großes Unternehmen vielversprechende Vorschläge für die Entwicklung eines Projekts für das gesamte Bergpark-Gelände rund um die Villa Anna und den Neufville-Turm. Denn für eine kommerzielle Nutzung ist der Neufville-Turm allein zu klein.
Ein niederländischer Betreiber von Freizeitparks stellte konkrete Ideen vor. Etliche der zuständigen Behörden hatten bereits Zustimmung für dieses Projekt signalisiert. Voraussetzung war, dass der Eigentümer des restlichen rund 66 000 Quadratmeter großen Bergpark-Areals mit weiteren historischen Gebäuden wie die Villa Anna, das Kutscherhaus und das sogenannte Schweizer Haus, der Verein JJ, Jugendberatung und Jugendhilfe, sein Areal auch an den Investor verkauft. Die Verhandlungen scheiterten 2022 daran, dass JJ, der eigentlich nur noch die Gebäude nutzt und den Bergpark selbst verwahrlosen lässt, am Ende nicht zum Verkauf bereit war.
Seitdem gibt es keine neuen Vorschläge seitens des Stiftungsrats. Was auch immer aus dem Neufville-Turm wird: Eine gründliche Sanierung des Gebäudes werde einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag kosten, sagt Arnold. Weder die Stiftung noch die Stadt Eppstein verfügten über genügend Geld für eine grundlegende Renovierung der Gebäude, geschweige denn für die Gestaltung des Areals.
„Wir müssen einsehen, dass alle Beteiligten bei der Gründung der Neufvilleturm-Stiftung blauäugig waren“, stellt Arnold ernüchtert fest. Die Stiftung verfüge nicht über genügend Kapital für größere Investitionen. „Wir sind davon ausgegangen, dass Sponsoren das notwendige Geld zur Rettung des Neufville-Turms aufbringen“, erinnert sich Arnold. Von der Aufbruchstimmung ist nichts übrig: „Es wurde nicht bedacht, dass jeder potentielle Stifter oder Sponsor nur dann bereit ist, Geld zu spenden, wenn es für das Objekt ein überzeugendes Nutzungskonzept gibt.“
Inzwischen verrottet der Turm von Jahr zu Jahr mehr, obwohl die Stiftung Geld für kleinere Erhaltungs-Maßnahmen hätte. Die Schäden nehmen weiter zu. Der Nordhang, der jetzt noch die Sichtachse zur Stadt freigibt, wächst wieder zu. „In einigen Jahren wird der Neufville-Turm, ein historisches Aushängeschild für Eppstein, seine Bürger und den Tourismus, nicht mehr zu sehen sein. Er wird als Ruine im Wald vor sich hin dämmern und vergessen werden“, befürchtet Arnold, der sich eigentlich aus der Stiftung zurückziehen möchte.
Aus seiner Sicht ist es unverantwortlich, die Entscheidung über die künftige Nutzung des Turms weiter hinauszuzögern. Der Verschönerungsverein hat vor sechs Jahren die Verantwortung für den Neufville-Turm übernommen. Dem Stiftungsrat sei es bis jetzt nicht gelungen, ein Konzept zu entwickeln. Deshalb sei es an der Zeit, dass der Verein eine Entscheidung trifft, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll.
Darüber will Arnold in der Mitgliederversammlung sprechen und schlägt vor, demnächst mit dem VVE eine Ortsbesichtigung zu machen. Danach könne eine Arbeitsgruppe über die Zukunft des Turms beraten.bpa


Kommentare