Sogar vom Bergfried aus winkten die Fans

Das Verlagshaus der Eppsteiner Zeitung, das Alte Rathaus, war auch dieses Jahr Kulisse für den Radklassiker Eschborn-Frankfurt und das Streckenfest in Eppstein.Foto: Walter Adler/adler-photoart.de

Das Verlagshaus der Eppsteiner Zeitung, das Alte Rathaus, war auch dieses Jahr Kulisse für den Radklassiker Eschborn-Frankfurt und das Streckenfest in Eppstein.Foto: Walter Adler/adler-photoart.de

Das Wetter passte, die Stimmung unter den Zuschauern, die entlang der Strecke auf die Radfahrer des Radrennklassikers Eschborn-Frankfurt warteten, war entspannt.

Entlang der knapp sieben Kilometer langen Rennstrecke auf Eppsteiner Gemarkung standen und saßen immer wieder kleine und größere Menschengrüppchen. Marc Nimpfer aus Ehlhalten saß mit Ehefrau Julia und den Söhnen Max und Milo an der Ortsausfahrt Richtung Vockenhausen auf mitgebrachten Campingstühlen. Der Fahrradmechaniker freute sich: „Heute kann ich ganz entspannt zugucken.“ Ein Ehepaar aus dem Hochtaunus-kreis entdeckte den letzten freien Parkplatz an der Dattenbachhalle und machte sich von dort aus auf den Weg zu einer Wanderung. Erstes Ziel war die Rennstrecke auf der L3011. In Vockenhausen feierte der Sängerbund noch lange sein Sängerfest vor dem Rathaus nachdem die letzten Radfahrer vorbeigebraust waren.

Schon am Vormittag fuhren die Amateure auf zwei der drei unterschiedlich langen Velo-Strecken auch durch Eppstein. Unter den insgesamt rund 12 000 Teilnehmern – Rekordbeteiligung, wie der Veranstalter mitteilte – waren auch einige Eppsteiner. In Vockenhausen grüßten einige Fans mit hochgerecktem Plakat ihren ganz persönlichen Star, den Eppsteiner Franz Geilich. In Alt-Eppstein fieberte Helga Terzka aus dem Theodor-Fliedner-Haus ihrer Tochter Iris entgegen, die extra aus Hannover angereist war, um das Rennen mitzufahren.

Der 18-jährige Jonathan und sein Freund Uriel jubelten an der Absperrung in Höhe der Talkirche den Radfahrern zu. Die beiden Abiturienten aus Darmstadt gönnten sich am Sonntag eine Auszeit zwischen der Englisch- und der Mathe-Abschlussarbeit und fuhren mit der S-Bahn nach Eppstein, um dort kurz vor 14 Uhr die Radprofis auf ihrer ersten Runde durch Eppstein hautnah zu erleben. Sobald der letzte Radfahrer vorbei war, schnappten sie sich ihr Gepäck, einen kleinen Kasten Bier, um die nächste S-Bahn zu erwischen. Ihr ambitioniertes Ziel: „Wir wollen die Profis auf ihrer nächsten Runde am Mammolshainer Stich erwischen.“

Zweimal kamen die 146 Profis auf der 211,4 Kilometer langen Rennstrecke der Elite durch Eppstein. Auf einer großen Leinwand auf dem Wernerplatz verfolgten die Besucher die Live-Übertragung des World-Tour-Rennens, bei dem die Elite über 3300 Höhenmeter überwand. Bürgermeister Alexander Simon moderierte zwischendurch die Bilder und Momentaufnahmen des HR Livestreams und übte vorab mit den Zuschauern das Jubeln und Schwenken der Eppstein-Fähnchen, damit sie gut vom Hubschrauber aus zu sehen seien. Die Spannung stieg, als die Bilder die ersten Radfahrer zeigten, die sich über Vockenhausen kommend der Altstadt näherten.

Dann rauschten die Radprofis durch Eppstein. Sogar von der oberen Plattform des Bergfrieds winkten ihnen einige Besucher zu. Diese Fans hatten die Gelegenheit für einen Besuch der Burg und ihres Turms genutzt.

In der Pause zwischen der ersten und zweiten Runde der Radprofis durch Alt-Eppstein sammelten Karim, Paula (beide 12), der 13-jährige Finlay und einige Mitspieler der C-Jugend der JSG Bremthal/Niederjosbach für ein Fußballcamp mit Auslandsaufenthalt. Als Gegenleistung verteilten sie aus ihrer Kiste Hot Dogs.

Regina Martin vom Gewerbeverein IHH und Sibylle Yaakov von der städtischen SWE GmbH verteilten Eppstein-Fähnchen und Eppstein-Plakate. Das Bremthaler Unternehmen Cleverfilter hatte Strandliegen und eine Musikanlage aufgebaut und unterhielt das Publikum mit soften Techno-Klängen als Hintergrundmusik.

Für Veranstalter Christian Brandl war das Spektakel am 1. Mai in der Alt-Stadt der Saison-Auftakt mit seinem zur mobilen Theke umgebauten Container-Cube. An seinen Ständen auf dem Wernerplatz gab es Bier und Bratwurst – beides aus regionaler Herstellung. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite mussten die Kunden etwas länger warten, dafür gab es Falafel und gefülltes Fladenbrot frisch zubereitet. Auf dem Gottfriedplatz hatte auch Melanie Landau von der Eppsteiner Mikrobrauerei Epp Bräu alle Hände voll zu tun und freute sich über das rege Interesse der Besucher an ihrem jungen Unternehmen. Immerhin feierten sie und ihr Mann Lars an diesem Tag auch eine Premiere: Sie schenkten erstmals ihr „Kohlestibbel“ vom Fass aus, eine neue Kreation und Hommage an ihren Heimatort Ehlhalten. Eppsteins Mundschenk Ramon Olivella von der Weinpresse nahm die Konkurrenz sportlich: Beim wöchentlichen Markt hat er normalerweise den einzigen Getränke-Ausschank. Am Rand des Rennens nutzten die Durstigen diesen Freitag nun das breite Angebot.

Kurzfristig abgesagt hatte das Team vom Campingplatz „The Eppstein Project“. Ein Kühlgerät sei defekt, berichtete der Bürgermeister. In die Lücke sprang spontan der Vorstand des Vereins Eppsteiner Kids und Freunde.

Fröhliches Streckenfest rund um die Burg

Die Helfer verkauften an ihrem improvisierten „Popup-Generationen-Café“ Bubble-Waffeln und Eis. Als Verkaufstresen diente die Fensterbank im Gemeinschaftsraum des Theodor-Fliedner-Hauses.

Jutta Belz, Bewohnerin des Fliedner-Hauses, schwärmte von der tollen Atmosphäre. Bürgermeister Alexander Simon schätzte die Besucherzahl in der Altstadt auf „gut 500“. Einen Zwischenfall gab es unter den Besuchern während einer der Velo-Touren am Vormittag. Doch die Rettungskräfte seien sofort zum Gottfriedplatz gekommen, um zu helfen.

SWE-Chefin Sibylle Yaakov kam erst zur Ruhe, nachdem der letzte Radfahrer durchgefahren, der ein oder andere Pappbecher vom Boden aufgeklaubt und sämtliche Straßensperren abgebaut und abholbereit zur Seite gestellt waren. Die Kosten beim Veranstalter für die Aufnahme als Teil der Rennstrecke seien durch Werbebanner und Sponsorengelder gedeckt.

„Wir sind froh über die Werbung für Eppstein“, sagte Yaakov und auch Simon schien zufrieden: „Eine tolle Werbung für Eppstein: Bilder vom Kaisertempel und der Burg und einer Innenstadt voller fröhlicher, feiernder Menschen wurden in 190 Länder übertragen!“bpa

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