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„Komplette Neuausrichtung“ für Sanierung des Neufville-Turms

Der Neufville-Turm im Bergpark liegt im Dornröschenschlaf und wird mehr und mehr vom Wald eingewachsen. Foto: EZ-Archiv

Ähnlich wie die Burg hat auch der Neufville-Turm einen großen Symbolwert für viele Eppsteiner.

Laut Eppsteins Historiker Bertold Picard ist der Bergpark – einer von nur zwei Bergparks in Hessen – mit seinen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden neben Burg und Altstadt das bedeutendste Eppsteiner Siedlungsensemble.

Jahrzehntelang war der Turm im Wald oberhalb des Bahnhofs bei Wanderern wegen seiner herrlichen Aussicht beliebt und wurde von Pächtern an den Wochenenden bewirtschaftet. 2016 zog der letzte Pächter aus. Seitdem stehen Turm und Wohnung leer, weil das Gebäude grundlegend saniert werden muss. Außerdem suchte die Stadt nach einem neuen Konzept, sowohl für die Nutzung als auch für die Sanierung. Jetzt scheint eine Lösung in Sicht, zumindest für die Finanzierung der Sanierungsarbeiten. Bürgermeister Alexander Simon will die Pläne am Freitag vorstellen.

Immer wieder gab es seit der Schließung Anregungen und Ideen für die verwunschen im Wald liegenden Gebäude. Der Verschönerungsverein (VVE) überlegte in den vergangenen Monaten, ob er Erhalt und Pflege des Turms in seine Obhut nehmen sollte. Immerhin kümmert sich der VVE neben Kaisertempel, Aussichtstempeln und Ruhebänken schon darum, dass der benachbarte Bergpark für Besucher geöffnet bleibt. Schnell stand jedoch fest: Für einen Verein allein sind die Kosten zu hoch. Von mindestens 500 000 Euro ist die Rede. Auch über die Gründung einer Stiftung zum Erhalt des Turms wurde bereits spekuliert.

Alexander Simon kündigte jetzt „eine komplette Neuausrichtung“ an. Die Nutzung sei noch offen, aber die Stadt, so Simon, werde künftig „nicht mehr allein für den Neufville-Turm zuständig und verantwortlich sein“. Verkauft werde der Turm aber nicht, betont der Rathauschef.

Gebaut wurde das romantisierende Pendant zur mittelalterlichen Burg um 1885 von dem Frankfurter Bankier Alfred von Neufville, der für sich und seine Familie zunächst einen parkähnlichen Sommersitz mit dem Haupthaus, der Villa Anna, errichtete und später dort seinen Zweitwohnsitz hatte. Als die Erben das Anwesen 1933 an die Evangelische Frauenhilfe verkauften, erwarb die Stadt den Neufville-Turm als Aussichtsturm.

Jahrzehntelang verpachtete die Stadt den Turm und den zur Wohnung umgebauten Saal an private Pächter, die am Wochenende den Turm für Besucher aufschlossen und Erfrischungsgetränke anboten. Für eine reguläre Gastronomie waren Küche und Gebäude nicht ausgelegt.

Schon in den 1940er und 50er Jahre wurde saniert: das zinnenbewehrte Flachdach über dem ursprünglichen Saalbau abgebrochen und durch ein Walmdach ersetzt, und eine Brücke abgebrochen, die den Turm mit einer Terrasse verband. In den vergangenen Jahren wurde die Turmplattform mehrfach abgedichtet und neu abgedeckt, um einen der schönsten Aussichtspunkte auf Burg und Altstadt zu erhalten.

Zum Neufville-Turm gehört neben Wohnhaus und Besucherterrasse auch ein Garten, der seit Jahren nicht mehr gepflegt und zunehmend vom Wald zurückerobert wurde. Inzwischen ist er so zugewuchert, dass viele Bäume gefällt und das Gelände komplett neu angelegt werden müsste. bpa

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