„Wir bieten ein breites Spektrum an Fähigkeiten an und haben klare Ziele formuliert“, fasst der Vorsitzende der Wählergemeinschaft und Fraktionsvorsitzende, Magnus Fischer, zusammen.
Als wichtigste Themen des zehn Punkte umfassenden Programms für die nächsten Jahre nennen der Spitzenkandidat und sein Mitstreiter Oliver Seifert die Finanzen der Stadt, die Zukunft des Areals der Sparkassenakademie, den Erhalt der Infrastruktur sowie Stabilität und Verlässlichkeit in der Kommunalpolitik. Linda Kliese-Dürrich, die zweite im Spitzentrio der FWG, fehlte krankheitsbedingt beim Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung zur Kommunalwahl.
Um das erklärte Ziel, stabile Finanzen, zu erreichen fordert die FWG mehr Transparenz bei städtischen Ausgaben, zum Beispiel eine verständlichere Produktbeschreibung im Etat und eine bessere Kennzeichnung der sogenannten freiwilligen Leistungen.
Den gesellschaftlichen Zusammenhalt will die FWG stärken, in dem sie das Ehrenamt unterstützt, zum Beispiel durch höhere steuerfreie Ehrenamtspauschalen und eine ausgewogene Vereinsförderung.
Bei der Infrastruktur, also bei Gebäuden, Straßen, Wegen und Plätzen, will die FWG die Stadt stärker in die Pflicht nehmen, damit Straßen nicht weiter kaputt gespart werden: Dazu will sie das vorhandene Pavementmanagementsystem aktivieren, in dem das gesamte städtische Straßennetz erfasst ist, und auf den aktuellen Stand bringen, damit es künftig anzeigt, wann Straßen zum finanziell günstigsten Zeitpunkt instandgesetzt werden, und nicht gewartet wird, bis sie vollständig erneuert werden müssen.
Ein verlässlicher ÖPNV steht ebenfalls auf der Themenliste der FWG. Dringend müsse sich die Stadt für Lösungen einsetzen, notfalls auch juristisch den RMV zu einer besseren Leistung verpflichten. Von der generellen Ausfallentschädigung des RMV an den Kreis gehe nichts an Eppstein, obwohl die Eppsteinerinnen und Eppsteiner die größten Einschränkungen ertragen müssen, das führt aus Sicht der FWG zu keiner Verbesserung. Pünktlichkeit und Fahrplantreue müsse mit deutlich mehr Nachdruck eingefordert und Eppstein an das Regionalbahnnetz angeschlossen werden. Im gleichen Zug solle der Colibri-Bus ausgeweitet werden und auch Fahrten nach Hofheim möglich werden.
Neue Gewerbegebiete sollen der Stadt neue Einkünfte einbringen. Die FWG wirbt zwar mit dem Slogan „Wohnraum schaffen“, hat aber keine konkreten Vorschläge. Im Gegenteil: Große Wohngebiete sind aus Sicht der FWG kaum noch zu realisieren. Sie fordert, die Stadtteile moderat zu erweitern und die Erschließung auf kleinere Wohngebiete zu beschränken. Das von der CDU favorisierte Baugebiet Dell in Bremthal hält die FWG für überdimensioniert, das unbebaute Areal an der Embsmühle solle frei bleiben, damit es künftig als Festplatz, für eine Feierabend-Lounge-Bar oder eine Liegewiese mit Bürgergarten genutzt werden könne.
Die Entwicklung des Areals der ehemaligen Sparkassenakademie in Vockenhausen hält die FWG für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für Eppstein in der Zukunft. Die Vorstellungen des Investors für Wohnbebauung seien jedoch überdimensioniert. Die FWG fordert, dass die neue Arbeitsgruppe sich unmittelbar nach der Wahl trifft, sobald Sitzverteilung in den Gremien und im Magistrat feststehen, und Vorschläge erarbeitet.
Beim Klimaschutz unterstützt die FWG die Pläne des Abwasserverbands für neue Retentionsflächen und Regenrückhaltebecken am Oberlauf der Bäche und fordert beim Ausbau der Stromnetze, dass er „im Einklang mit den Menschen“ geschieht. In der Bildungspolitik sieht die FWG bei den Kitas auch Land und Bund in der Pflicht und fordert eine Übernahme der Betreuungskosten durch das Land. Mittelfristig sieht die FWG die Chance für eine gymnasiale Oberstufe für Eppstein.
Als weiterer Punkt steht die Wasserversorgung auf der Agenda der FWG: Die Versorgungssicherheit will die FWG durch größere Speicher gewährleisten und durch Erhöhung der Wasserförderung aus den eigenen Quellen. Bürokratie abbauen will die FWG unter anderem durch Verschlanken der städtischen Satzungen, Vereinfachung von Prozessen und den Ausbau der elektronischen Akte samt digitaler Einsichtnahme.
Auch für die Stadtteile hat die FWG Ideen. In Eppstein etwa steht der Neufville-Turm auf der Agenda, der nicht dem weiteren Verfall preisgegeben werden dürfe, und das Versetzen des Zebrastreifens auf der B455 in Höhe der Bogenstützmauer von der Ausfahrt des Parkplatzes zur Einfahrt. So soll das regelwidrige Queren von Fußgängern zwischen Bahnhof und Altstadt unnötig werden.
In Bremthal wagt die FWG einen konkreten Wunsch zu äußern, so Fischer, denn der Bedarf sei definitiv da: eine zusätzliche Vereinshalle insbesondere für Ballsportarten unterhalb der Comenius-Schule. Außerdem fordert sie einen zusätzlichen Anschluss an die B455 in Höhe des Friedhofs, um so die Wiesbadener Straße zu entlasten.
Für Niederjosbach solle notfalls die Stadt als Projektentwickler einen Verkaufsladen zumindest für Backwaren auf dem freien Areal an der Bezirksstraße entwickeln. Außerdem solle der Dorfplatz durch einen Raum für Lager, Geschirrspülmaschine und zusätzliche Toilette erweitert werden.
Für Ehlhalten fordert die FWG eine neue Entlastungsstraße von der Dattenbachstraße zur Schloßborner Straße und einen Ausbau der Stromversorgung, um Kapazität für Wärmepumpen und E-Autos zu schaffen. Der Kindergarten müsse energetisch saniert und die Rentnerbrücke erneuert werden.
Für Vockenhausen will die FWG die Neugestaltung der Ortsmitte nicht aus dem Blick verlieren und denkt an einen ‚„Treffpunkt der Generationen“ mit Rathaus, Stadtbücherei, Tagespflege für Senioren, Spielplatz und Jugendraum, Restaurant, Drogeriemarkt und einem Kneipp-Becken am Dattenbach. bpa
15 Menschen hat die Freie Wählergemeinschaft als Kandidaten für die Kommunalwahl am 15. März aufgestellt, drei davon sind Frauen. „Bei uns kandidieren Metallbauer, Elektroingenieur, Student und Rechtsanwalt, also Menschen mit vielen, ganz unterschiedlichen Perspektiven“, freut sich Fraktionschef Magnus Fischer über das Spektrum an unterschiedlichen Berufen und Altersgruppen. Auch für die fünf Ortsbeiräte gibt es Interessenten: Für Eppstein treten vier, für Vockenhausen und Bremthal je drei und für Niederjosbach und Ehlhalten je zwei Kandidaten an.
Angeführt wird die Liste von Magnus Fischer. Der 55-jährige Diplom-Wirtschaftsjurist aus Bremthal ist seit 20 Jahren in der FWG aktiv und seit einigen Jahren Erster Vorsitzender. Er nennt als zentrale Themen die Finanzen der Stadt und eine Politik mit gesundem Menschenverstand.
Seine Überzeugung „Demokratie braucht Demokraten“ wird in seiner Familie gelebt: Fischers Vater, der Niederjosbacher Arzt Friedhelm Fischer, seit 2021 Stadtverordneter, dürfte mit 82 Jahren ältester Kandidat für die Stadtverordnetenversammlung sein, Sohn Marvin, 19-jähriger IT-Student aus Bremthal, der jüngste. Marvin Fischer auf Platz vier der Liste möchte eine „junge Perspektive“ in die Eppsteiner Politik bringen und wünscht sich eine nachhaltige Politik, die nicht zu Lasten der jüngeren Generation entscheidet.
Auf Platz zwei folgt die Diplom Theologin Linda Kliese-Dürrich aus Alt-Eppstein. Die 37-Jährige ist in Eppstein aufgewachsen, leitet beruflich das Büro des Oberbürgermeisters der Stadt Rüsselsheim. Kliese-Dürrich ist verheiratet und engagiert sich in ihrer Freizeit in der Freiwilligen Feuerwehr ihres Heimatorts: als stellvertretende Wehrführerin und als Erste Vorsitzende des Feuerwehrvereins. Sie engagiert sich außerdem in der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth, spielt Tennis beim TC Eppstein und ist seit 2021 Stadtverordnete. Besonders am Herzen liegen ihr Eppsteins Vereine, das Thema Sicherheit und Sachthemen, die das direkte Lebensumfeld betreffen. Deshalb kandidiert sie diesmal auch für den Ortsbeirat.
Oliver Seifert ist der dritte auf der Liste. Der 54-Jährige Syndikusrechtsanwalt lebt schon sein ganzes Leben lang in der Altstadt, ist verheiratet und hat einen Sohn, der in den USA studiert. Er hat vor allem die scheinbar kleinen Probleme des Alltags im Blick – sei es das Tempolimit in der Altstadt oder die Pflege öffentlicher Grünanlagen – und will praktikable, unbürokratische Lösungen finden. Ebenso streitbar will er übergeordnete Themen angehen, die die Kommunalpolitik und den Alltag beeinflussen.
Elektroingenieur Florian Bendl aus Niederjosbach steht als fünfter Kandidat auf der Liste. Der 44-jährige Familienvater will sich um Familien- und Jugendthemen kümmern und die Rahmenbedingungen in Eppstein mitgestalten. Seiner Arbeit in der Entwicklung, verdanke er die Fähigkeit, komplexe Inhalte einfach darzustellen, so Fischer. Das Thema Transparenz im Haushalt habe er wie alle Kandidaten ganz besonders im Blick. bpa






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