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Fluglärm – Viele Menschen in der Region haben resigniert

Die roten Flugspuren zeigen ein typisches Bild im Luftraum über Eppstein im Oktober. Sie führen dicht an Bremthal, Niederjosbach und Ehlhalten vorbei. Karte: (c) Google, GeoBasis-DE/BKG, Flugspuren: DFLD

Seit Mitte März beobachtet der Ehlhaltener Wolfgang Gei, dass der Fluglärm über Ehlhalten zunimmt.

Insbesondere in den „Tagesrandzonen“, also kurz vor und nach der vereinbarten Nachtruhe zwischen 23 und 5 Uhr, seien deutlich mehr Flugzeuge unterwegs und vor allem flögen sie tiefer als früher. Auch Flüge nach 23 Uhr hätten zugenommen. Soweit Wolfgang Geis Beobachtungen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) teilte lediglich mit, dass die Piloten die Höhenvorgaben einhielten. Die Piloten seien grundsätzlich bemüht, heißt es da, schnell die optimale Reiseflughöhe zu erreichen, da Flugzeuge bei niedrigeren Höhen wegen des höheren Luftwiderstandes mehr Treibstoff benötigen. Geis Eindruck könne also nicht bestätigt werden. Der Main-Taunus-Kreis teilte auf Anfrage mit, dass ihm aus Eppstein lediglich eine Beschwerde über vermehrte Flugbewegungen über Eppstein bekannt sei.

Horst Weise, Pionier des Vereins Deutscher Fluglärmdienst (DFLD) aus Vockenhausen, sieht das Thema Fluglärm differenzierter. Er führt für den von Gei wahrgenommenen Fluglärm über Ehlhalten zwei wesentliche Faktoren an: Schon im vergangenen Jahr gab es massive öffentliche Kritik, dass vor allem Billigfluglinien wie Ryan Air verstärkt die Möglichkeit für verspätete Landungen in Anspruch nahmen. Statt um 22.45 Uhr beispielsweise trudelten die Airlines erst zwischen 23 und 24 Uhr ein.

Für verspätete Landungen und Starts gab es auch in diesem Sommer immer wieder Ausnahmegenehmigungen, etwa wegen „wetterbedingter ATC.Steuerungsmaßnahmen“ oder aufgrund von „Kapazitätsengpässen wegen langer Rollzeiten“, wie es auf der Internetseite des hessischen Wirtschaftsministeriums heißt. Dort werden alle Starts und Landungen unter Sonderbedingungen genau aufgeführt.

Ursache für die Zunahme des Fluglärms sei in dem bereits 2001 begonnenen sukzessiven Ausbau der Starts und Landungen in Frankfurt zu suchen, erinnert sich Weise. Damals führte die Flughafengesellschaft eine neue Nordwest-Abflugroute für Flugzeuge über dem Taunus ein mit einem neuen Navigationspunkt Tabum. Sie steht im Zusammenhang mit dem damals geplanten Bau der Nordwestbahn. Der Planfeststellungsbeschluss für den Bau dieser Bahn sah vor, dass die Nordwest-Abflugroute Richtung Tabum bis 2020 stufenweise Richtung Süden verlagert wird. Diese sogenannte Südumfliegung führt nicht auf der direkten Route über den Taunus zum Richtpunkt Tabum, sondern über einen etwa 30 Kilometer längeren Bogen Richtung Mainz um den Taunus herum.

Der Vorteil für die Taunusbewohner: Über der flachen Rhein-Main-Ebene gewinnen Flugzeuge schneller an Abstand zum Boden als über dem ansteigenden Mittelgebirgszug. „Bis 2012 herrschte deshalb weitgehend Ruhe über dem Taunus“, hat Weise beobachtet, der 2002 in Vockenhausen die erste von inzwischen 692 Messstationen des DFLD errichtete. Der Verein betreibt sie in neun Ländern, außer in Deutschland beispielsweise in Frankreich, Groß Britannien, Griechenland und Kanada. Auch rund um Frankfurt betreibt der Verein zahlreiche Messstationen (siehe www.dfld.de).

Bis 2010 steigerte Fraport die Zahl der Flüge auf den bis dahin vorhandenen drei Start- und Landebahnen auf 83 Flugbewegungen pro Stunde. Seit Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest im Oktober 2011 wird die Kapazität schrittweise bis 2020 auf bis zu 126 Flügen pro Stunde erhöht. Das entspricht einem Ausbau der Kapazität um weitere 50 Prozent der bis 2010 erreichten Starts und Landungen.

Seit 2013 etwa, so Weise, sei die Zahl der Flugzeuge, die den Navigationspunkt Tabum direkt anfliegen, wieder deutlich gestiegen. Vom Flughafen werde das verschwiegen.

Die „Diretissima“ Richtung Tabum sei nicht grundsätzlich verboten, sagt Weise. Deshalb könne jeder Pilot und jeder Lotse sie ansteuern, wenn er das vorher beantragt. Als häufigster Grund für die Tabum-Direktroute über dem Taunus werde das Wetter angeführt. Dass der Fluglärm im Sommer stärker zu hören sei, liege wiederum an einem physikalischen Phänomen: Je heißer das Wetter, desto langsamer gewinne das Flugzeug an Höhe. Außerdem sind April bis Oktober Hauptsaison für Flugreisen.

Weise: „Die Zahl der Überflüge über Eppstein ist nicht gestiegen. Aber da der Planfeststellungsbeschluss missachtet wird und zunehmend mehr Flugzeuge Richtung Tabum statt über die südliche Route fliegen, sind sie tiefer und damit lauter zu hören.“ Davon sind vor allem die Ortsteile Bremthal, Niederjosbach, Ehlhalten und der nördliche Rand von Vockenhausen betroffen.

Dass immer mehr Menschen möglichst billig fliegen wollen, führt dazu, dass die Flugpläne vor allem der günstigen Linien kaum zeitlichen Spielraum zulassen und es deshalb zu Verspätungen einiger Flüge bis in die vereinbarte Nachtruhe hinein kommt.

Eine Folge dieser Faktoren sei, so Weise, dass es in den vergangenen Jahren über dem Taunus wieder lauter geworden sei. Er beobachtete in den vergangenen Jahren, dass viele Menschen in der Region resignieren, weil sie auf ihre Beschwerden statt einer ehrlichen Erklärung nur abwiegelnde Antworten erhalten und zieht daraus den Schluss: „Die Abwesenheit von Beschwerden heißt nicht zwingend, dass alles in Ordnung ist.“bpa

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