Unter den Wettbewerbsteilnehmerinnen war auch Frauke Frerichs-Gundt, unsere freie Mitarbeiterin. Wir gratulieren ihr herzlich zum zweiten Platz für ihr Werk „Zurück im Leben“ und sprachen mit ihr über das Event.
EZ: „Wie kamst Du auf den Titel: „Zurück im Leben“?“
Frauke: „Es begann mit der Form, einem Kubo-Oktaeder, den ich aus Papier nach den Anweisungen des Buches „Faltpolyeder“ von Alexander Heinz vor einiger Zeit gebastelt hatte. Er besteht aus acht gleichseitigen Dreiecken und sechs Quadraten, die sich zu einem Ballförmigen Gebilde zusammensetzen lassen, den Kubo-Oktaeder. Die Form passte prima zum Wettbewerbsthema „geometrische Formen und Körper“. Beim Grübeln über einen möglichen Titel entstand das autobiografisch angehauchte „Zurück im Leben“. Das Konzept entwickelte sich über mehrere Monate, aber damit hatte ich die Marschrichtung: „aus grau wird wieder bunt“ gefunden.“
EZ: „Wie würdest Du das fertige Werk beschreiben?“
Frauke: „Meine Arbeit besteht aus zwei Kubo-Oktaedern. Eines ist in wilder Nadelspitze aus einfachem, grauem Nähgarn gearbeitet. Nadelspitze ist eine der vielen Techniken zur Herstellung von Spitze. Die graue Form ist nicht geschlossen, denn sie soll wie aufgeplatzt wirken. Mitten darin liegt das zweite, gleichgroße Kubo-Oktaeder, dessen bunte Quadrate geklöppelt sind und dessen Dreiecke ich in silberblauem Glitzergarn in Nadelspitze gestaltet habe. Der graue Schleier steht für das Gefühl der Überforderung, dem Gefühl, nur noch zu funktionieren. Doch das graue Gespinst aus Trauer über den Tod meiner Eltern und Traurigkeit über Verletzungen, Wunden, Narben des normalen täglichen Lebens ist geplatzt. Es tritt das bunte Leben wieder mit voller Freude zu Tage.“
EZ: „Wie groß ist das Werk?“
Frauke: „Die Arbeit ist 31 mal 21 mal 15,5 Zentimeter groß.“
EZ: „Wie lange hast Du daran gearbeitet?“
Frauke: „Ich bin mit zwei verschiedenen Arbeiten zum Wettbewerb angetreten. Die Deutsche Spitzengilde veranstaltet ihn wohl aus gutem Grund nur alle zwei Jahre. Rechne ich die gedankliche Vorbereitung, die Suche nach geeignetem Material und die Experimente mit dem Drahtgerüst zusammen, habe ich diese Zeit auch gebraucht.“
EZ: „Und wo sind deine beiden Werke jetzt?“
Frauke: „Nach der Vernissage in Petersberg sind sie vermutlich in die Räume des Werkstatt-Museums „Karl-Mayer-Haus“ in Obertshausen umgezogen. Nach meinem Wissen ist es geplant, dort alle Wettbewerbsarbeiten noch bis zum Ende dieses Jahres auszustellen.“
EZ: „Gab es einen Trend bei den eingereichten Wettbewerbsarbeiten?“
Frauke: „Wenn es einen Trend gab, dann war es die Vielfalt der Auslegung des Themas und die technische Präzision vieler Arbeiten, egal in welcher Technik sie gearbeitet waren. Die Siegerin hatte beispielsweise aus vielen Dreiecken ein anatomisch korrekt geformtes rotes Herz hergestellt, weil „das Herz für die Spitze schlägt“, während die Gewinnerin des dritten Platzes den Satz des Pythagoras (a2+b2=c2) umgesetzt und ein rechtwinkliges Dreieck mit Quadraten an den drei Seiten geschaffen hatte.“
EZ: „Die gängige Assoziation: „Klöppeln gleich Omas Spitzendeckchen“ greift hier offensichtlich viel zu kurz.“
Frauke: „Ja, leider haben zu viele Menschen diese Gedankenverbindung. Doch längst hat das Handwerk die Kunst erobert, geht neue Wege in der Haute Couture, und entwickelt sich farbenfroh und in ungewöhnlichen Materialverbindungen weiter. Die Deutsche Spitzengilde ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Tradition und das Handwerk zur Herstellung von Spitze zu fördern, zu bewahren und weiterzuentwickeln. Doch Wissen kann man nur weitergeben, wenn es jemand haben möchte. Dafür muss man Trends aufgreifen, über den Tellerrand sehen und ungewöhnliche Wege einschlagen. „
EZ: „Was fasziniert Dich an der Spitzenherstellung?“
Frauke: „Ich bin begeistert über die vielen verschiedenen Herstellungs-Techniken, von denen ich zum Teil noch nie etwas gehört habe. Jede nutzt andere Werkzeuge und alle zusammen eröffnen sie so viele neue Gestaltungsmöglichkeiten für meine Hobbys. Das ist, als ob man einem Maler andere Pinsel und mehr Farben in die Hand gedrückt hätte.“
EZ: „Vielen Dank für das Gespräch.“


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