Empfehlung aus der Stadtbücherei Eppstein

Mitarbeiter und Stammleser der Stadtbücherei stellen den Lesern der Eppsteiner Zeitung ihre Lieblingsbücher vor. Je nach Neigung haben sie aktuelle Neuerscheinungen ausgewählt oder Bücher, die ihrer Meinung nach zu Unrecht in den Regalen verstauben. „Deutschland 1946" – Ein Jahr zwischen Trümmern und Hoffnung.

Das Buch von Rüdiger Barth und Hauke Friedrichs zeigt: 1946 ist kein gewöhnliches Jahr. Es ist ein Innehalten nach der Katastrophe, ein vorsichtiges Weitergehen auf unsicherem Grund. Häuser sind zerstört, Sicherheiten verloren, vieles scheint endgültig vorbei.

Dieses Buch nähert sich dieser Zeit nicht mit großen Thesen, sondern mit offenen Augen und Einfühlungsvermögen. Aus Briefen, Tagebüchern, Zeitungsstimmen und persönlichen Notizen entsteht ein dichtes Bild vom Alltag der Menschen; von Hunger und Improvisation, von Angst und Mut, von der Sehnsucht nach Normalität.

Berührend ist, dass wir vielen Menschen begegnen, die damals noch ganz am Anfang standen. Sie zweifeln, suchen, probieren aus – ohne zu wissen, welche Rolle sie später einmal spielen werden. Gerade dadurch wirken sie nah und überraschend vertraut. Geschichte erscheint hier nicht als Abfolge von Daten, sondern als Geflecht menschlicher Lebenswege.

Ältere Leserinnen und Leser erkennen in diesen Seiten oft Stimmungen und Erfahrungen wieder, die sie aus der eigenen Familie kennen.

Jüngere gewinnen ein Gespür dafür, warum die Generation der Großeltern so geprägt ist – vorsichtig im Hoffen, beharrlich im Handeln.

Dank großzügiger Spenden kann die Stadtbibliothek Eppstein wieder neue Bücher anschaffen. „Deutschland 1946“ ist eines davon – ein Buch, das nicht nur Geschichte erzählt, sondern Nähe schafft. Wer es aufschlägt, liest sich nicht nur in ein Jahr ein, sondern in den Anfang unserer Gegenwart.

► Rüdiger Barth, Hauke FriedrichsDeutschland 1946 – Das Wunder beginnt2025, 336 Seiten, Verlag Heyne

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