Zusammenhalt und gesellschaftliches Klima verbessern

Feierliche Stadtmesse zwischen Licht und Schatten an der Eppsteiner St.Laurentius-Kirche.

Die Stadtmesse der Eppsteiner Katholiken wurde wie schon im Vorjahr nicht wie sonst üblich im Eppsteiner Burghof gefeiert, sondern auf den Platz vor der St. Laurentius-Kirche verlegt.

Mit Blick über die Dächer der Altstadt zum eingerüsteten Bergfried nahmen gut 90 Gläubige am sonnigen Sonntagmorgen daran teil. Pater Gaspar Minja wählte das Wunder von der Heilung eines Taubstummen, von dem der Evangelist Markus berichtet, für seine Predigt aus. Mit dem Ausruf „Ephata – öffne dich“ heilte Jesus der Geschichte nach den Kranken am Ufer des Sees Genezareth. Das aramäische Wort Ephata, die Aufforderung Mund, Ohren und Augen zu öffnen, die Welt wahrzunehmen und anderen Menschen offen und aufmerksam zu begegnen, griffen auch die Fürbitten der Gemeindemitglieder auf. Organist Christian Schmitz hatte kurz vor Beginn der Messe mit der 13-jährigen Selma eine anschauliche Darstellung abgesprochen: Die Schülerin stand mit Sonnenbrille und Kopfhörer vertieft in den Blick aufs Handy vor der Gemeinde und öffnete erstaunt Augen, Ohren und Mund, als Schmitz ihr die Utensilien abnahm...

Pater Gaspar erinnerte auch an das Leid der Opfer der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands, das die Menschen vor Schreck stumm gemacht habe. Sie dürften nicht alleine bleiben und brauchen die Solidarität und aktive Hilfe ihrer Mitmenschen. Die Gemeinde hat eine Spende für die Flutopfer über das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes überwiesen.

Nach dem Schlussgebet wandte sich Dagmar Hirz-Weiser, Sprecherin des Pfarrgemeinderates, an die Anwesenden und berichtete über die Entwicklung der Gemeindefusion im Pastoralen Raum Hofheim/Kriftel/Eppstein. In eineinhalb Jahren sollen die Gemeinden zur neuen Großgemeinde St. Elisabeth verschmelzen. In Arbeitsgruppen wurde inzwischen die neue Gottesdienstordnung erarbeitet, die sicherstellen soll, dass im Wechsel an verschiedenen Orten Gottesdienste gefeiert werden können. Dank der Unterstützung der Franziskaner-Padres aus Kelkheim sei für Eppstein gut gesorgt, sagte Hirz-Weiser. Das Gemeinde übergreifende Firmprojekt komme bereits in diesem Jahr zum Tragen. Die Feiern der Erstkommunion sollen im kommenden Jahr zusammengelegt werden. Die Beratungen dafür laufen.

„Die Kirche ist im Wandel. Wir sind alle zukunftsorientiert. Mit offenem Herzen, Augen und Ohren müssen wir uns immer wieder neu orientieren und bewahren, was vor Ort ist“, so Hirz-Weiser. Mit dem Engagement der Hauptamtlichen und vieler ehrenamtlicher Kräfte könne das soziale Leben in den Gemeinden aufrechterhalten werden, auch wenn Angebote vor Ort reduziert werden müssten, appellierte sie an die Gemeindemitglieder. Der Mangel an theologischem Personal im Bistum sei auch eine Folge des gesellschaftlichen Klimas. Hirz-Weiser: „Wir können dazu beitragen, dass sich das ändert.“ Für Eppstein und den Pastoralen Raum gebe es einen Lichtblick, fuhr Hirz-Weiser fort und lud die Anwesenden ein, auf einen Neuzugang und eine gute Zukunft für die Gemeinde anzustoßen: Mit offenen Armen wurde am Sonntag der neue Pastoralreferent Enrico Wagner in Eppstein willkommen geheißen.

Der 26-Jährige Wiesbadener studierte in Mainz Theologie, leistete nach einem Freiwilligendienst im Pilgerbetrieb der Dormitioabtei in Jerusalem seine Pastoralassistenz im Rheingau und wurde im Juli vom Bistum Limburg zum Dienst im Pastoralen Raum Main-Taunus Mitte ausgesandt. Seine Aufgaben liegen in der Jugendarbeit, der Prävention, im Beerdigungsdienst und in der Öffentlichkeitsarbeit. Eine lebendige Gottesdienst-Gestaltungen und eine gute ökumenische Zusammenarbeit seien ihm wichtig, sagte Enrico Wagner.

Angesprochen auf den Personalmangel in der Kirchenarbeit und die immer noch großen Beschränkungen für Frauen in der katholischen Kirche sagte Gemeindereferentin Andrea Höfling, dass sie nicht tauschen und ihren Beruf auch heute wieder ergreifen würde. Das Ansehen der Kirche habe aber sehr gelitten und die Forderungen der Frauenbewegung Maria 2.0 nach echter Aufarbeitung der Missbrauchsvorfälle in der katholischen Kirche und für mehr Gleichberechtigung von Frauen in kirchlichen Ämtern sei hier noch nicht angekommen, hat Höfling beobachtet. Sie persönlich nutze Gelegenheiten, um für diese Anliegen zu werben. Einen Fortschriftt sieht Höfling darin, dass unter dem Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing im Frühjahr eine Frau, die Theologin Beate Gilles, zur Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz gewählt wurde.

Im sonnigen Pfarrgarten kamen die Besucher nach dem Gottesdienst bei Kaffee oder Sekt und einem kleinen Imbiss ins Gespräch. Für Kinder waren Spielstationen auf der Wiese aufgebaut und der Eine-Welt-Kreis bot fair gehandelte Waren zum Verkauf an. jp

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