Höfische Tafel mit heimischem Wildbret und edlen Gewürzen

An der festlich gedeckten Tafel wurde standesgemäß gespeist.Foto: Julia Palmert

Die Mauern von Burg Eppstein ragten schwarz in den dunklen Abendhimmel, nur die Wege waren beleuchtet für die etwa 20 Gäste beim Mittelalteressen des Burgvereins am vergangenen Freitag. Ein Feuerkorb flackerte im Burghof, zwei Wächter der Eppsteiner Rotte gewährten Einlass in die Kemenate.

In einem irdenen Krug hielt Magd Magdalena (Nathalie Wolz) duftendes Rosenwasser bereit, damit die Gäste ihre Hände über einer Schüssel waschen konnten. An zwei langen Tischen, mit Efeu und Blüten geschmückt, nahmen die Gäste Platz. Ramon Olivella, Vorsitzender des Burgvereins und Mundschenk, begrüßte sie: „Endlich sind wir wieder hier beim Mittelalteressen des Burgvereins“. In der kleinen Burg-Küche waren Pfarrer Moritz Mittag und Heike Ulmer von der Emmausgemeinde mit den Vorbereitungen des ersten Ganges beschäftigt. Der begeisterte Koch und seine Helfer unterstützen den Burgverein seit einigen Jahren mit ihrer Kochkunst. Selbst als wegen Corona 2020 die Veranstaltung abgesagt wurde, stellte Mittag sich im Burghof vor die Kamera und kochte für den Youtube-Kanal der Stadt ein Mahl, das er sonst den Gästen in der Kemenate serviert hätte.

Bis die Vorspeise angerichtet war, gab Olivella einen Überblick über die Aktivitäten des Burgvereins. Die neue Burgbeleuchtung mit moderner Technik sei fertiggestellt. Nach siebenjähriger Planung und Umsetzung des rund 200 000 Euro teuren Projektes, das der Burgverein alleine stemmt, leuchten jetzt nur noch neue LED-Lampen. Wegen der aktuellen Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung bleibt die Beleuchtung allerdings derzeit aus und wird nur für kurze Zeit bei Kulturveranstaltungen oder Volksfesten eingeschaltet. „Voraussichtlich werden bei der Öffnung der Adventsfenster Ausnahmen gemacht“, hofft Olivella. Auch wenn der Energieverbrauch dank der neuen Technik um etwa 90 Prozent geringer sei als bei der alten Anlage, will die Stadt aus Solidarität keine Ausnahme machen.

Beim Weihnachtsmarkt am dritten Adventswochenende will der Burgverein an seinem Stand wieder die beliebten Kartofffelpuffer und Getränke anbieten. Bereits beim Wintermarkt von Edeka Baßler am 18. und 19. November verkaufen die Mitstreiter von Olivella Würstchen. Alle Einnahmen fließen in die Projekte des Vereins.

Die Mittelalterdarsteller der Eppsteiner Rotte üben sich sonst im Schwertkampf. An diesem Abend traten sie als Dienerschaft für die Gäste im Hause Eppstein auf – Franco Nungesser im Gewand des Ministerials Heinrich von Wersch, eines Lehensverwalters, Patrick Klein und Sven Pokoj als Knechte. Sie schenkten den Gästen Roten Riesling aus Rheinhessen aus. Er passte hervorragend zur Maronensuppe mit karamellisierten Birnen und gerösteten Haselnüssen.

Vor dem zweiten Gang führte Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith die Gesellschaft in den Burghof und berichtete von den nie endenden Sanierungsarbeiten am Gemäuer: „Die tausendjährige Ruine birgt immer wieder Überraschungen“ und neue Erkenntnisse. Beim Gang durch das Burgmuseum berichtete die Archäologin von den neuesten Untersuchungen über einen wuchtigen, auf dem Felsen gegründeten Wohnturm, von dem nur noch Fundamentreste zeugen, und spannte den Bogen von der Frühzeit der Burg im 11. Jahrhundert über die Zeit der einst mächtigen Herren von Eppstein bis zum schlossartigen Prachtbau im 17. Jahrhundert, als die Burg geteilter Verwaltungssitz der Landgrafen von Hessen und des Kurfürstentums Mainz war.

Zurück in der Kemenate servierte Mundschenk Ramon Olivella den Gästen einen französischen Rotwein. In der Küche wurde Wirsing blanchiert. Rohde-Reith und Nungesser berichteten über archäobotanische Untersuchungen, die Aufschluss geben über die mittelalterliche Küche, in der mit dem Wissen über die Wirkung von Gewürzen und Kräutern gekocht wurde. Kümmel, Fenchel oder Wacholder waren verbreitet, importierte Gewürze wie Pfeffer, Zimt oder Ingwer standen nur auf dem herrschaftlichen Speiseplan. Auch das Jagdrecht hatte nur die Herrschaft, das einfache Volk ernährte sich vorwiegend von Getreidebrei und Früchten des Feldes.

Gastfreundschaft wurde im Mittelalter groß geschrieben, erzählte Nungesser. Ihr Besteck, also Messer und Löffel, brachten die Gäste mit. Die Gabel verbreitete sich erst mit dem Aufkommen der Nudel je nach Region zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, hat Mittelalterfan Nungesser recherchiert. Rohde-Reith projizierte Bilder von höfischen Tafeln an die Wand der Kemenate.

Für den Hauptgang verarbeitete Mittag einen Junghirsch aus heimischen Wäldern, den ein Eppsteiner Jäger dem Burgverein gespendet hat. Das Hirschragout abgeschmeckt mit Piment, Wacholderbeeren, Zimt und Pfeffer, mit würziger Backpflaumensauce, Knöpfle – einer Spätzlevariante – und Wirsinggemüse begeisterte die Gaumen der Besucher. Abgerundet wurde das Mahl mit einem süß-salzigen Cheese-Cake mit Kirschen und Nüsschen. Dazu wurde ein kühler, fruchtiger Gewürz-Traminer kredenzt. „Einfach köstlich und so stimmungsvoll“ lobte Kiki Emmenthal die Veranstaltung und freute sich, dass Ehemann Justo von Hein kurzfristig zwei Plätze für den Abend auf der Burg ergattern konnte. „Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei.“jp

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