Ein Komponist in Eppstein – Forschungen führen in die Burgstadt

Französische Besatzer 1919 in der Staufenstraße. Foto: Stadt- und Burgmuseum Eppstein

Der Komponist und Musiklehrer Joseph Dokowicz lebte vom 1. Oktober 1912 bis 19. August 1914 in Eppstein. Das bezeugt ein altes Meldebuch im Stadtarchiv. Doch wer war Dokowicz?

 

Axel Beer, Professor für Musikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hat über sein Leben geforscht. Er arbeitet an einem Online-Lexikon über Musik und Musiker am Mittelrhein, das bereits über 700 Artikel enthält. Im Stadtarchiv Worms fand er den Hinweis, dass Dokowicz nach Eppstein abgemeldet war. „Nun ist belegt, dass er sich hier mit seiner Frau Antonie, einer geborenen von Konopka, in der Burgstadt aufgehalten hat, und zwar in der Staufenstraße 14“, freut sich Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith. Gewohnt hat er aber nicht in der heutigen Nummer 14, der Villa Mathilde. Denn die hatte damals die Hausnummer 6. Die Besitzer Juliane Rödl und Stefan Gehlhaar können sich noch erinnern, dass die alte Hausnummer 6 lange an der Hauswand zu sehen war. Die damalige Nummer 14 ist heute das Haus Nummer 22 und gehört Stefan Varga, der ebenfalls Musiker und Komponist ist, und der bildenden Künstlerin Sybille Dömel. Der Aufgang zur damaligen Nummer 14 (heute Nummer 22) ist auf einem alten Foto von 1919 zu erkennen, das französische Besatzer zeigt, die in der Staufenstraße einquartiert waren. Da hatte Dokowicz Eppstein aber schon wieder den Rücken gekehrt. Er zog kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in seine Heimatstadt Wollstein im damaligen Posen (heute Wolsztyn/Polen), wie Professor Beer herausfand. „Leider konnte ich dort sein Todesdatum nicht finden, da die Standesamtsregister nur bis 1914 erhalten sind“, bedauert Beer.

In den Besucherbüchern der Burg hat sich der Komponist nicht verewigt. Was aber nicht heißt, dass er nicht Burg Eppstein besuchte. „Denn er wohnte ja gerade zu einer Zeit in Eppstein, als die Burgfestspiele erstmals stattfanden“, so Rohde-Reith. 1913 war ganz Eppstein in Festspiellaune, denn für das „Mittelalterliche Volksfestspiel“ auf der Burg wurden 280 Rollen von Eppsteiner Laienschauspielern übernommen und rund 400 Zuschauer rund um dem Burghof platziert. Auch die zweiten Burgfestspiele 1914 könnten ihn interessiert haben. „Denn das spektakulärste Ereignis im Leben des Musikers Dokowicz war die überregional wahrgenommene Aufführung seiner Oper „Die Zerstörung von Worms“, die er 1897 selbst leitete und an der 80 Laien aus der Wormser Bürgerschaft mitwirkten“, berichtet der Musikwissenschaftler.

Ob Dokowicz sich in Eppstein mit Franz Burkhard, dem Organisator der Burgfestspiele, und dem Autor des Festspielstückes, Franz Tochtermann, der ja Mitglied des Frankfurter Opernchores war, ausgetauscht hat? „Das Wormser Tageblatt berichtet begeistert über das Mitwirken von Laien bei der Opernaufführung des Jahres 1897 und unterstreicht, was sie ‚mit ihren bescheidenen Kräften, wenn sie verständnißvoll geleitet und unterwiesen sind, in hingebungsvollem, ernstem Zusammenwirken zu leisten’ in der Lage waren“, erzählt Beer. Genau das vermochten mit großer Begeisterung auch die Eppsteiner Laiendarsteller bei den ersten Festspielen 1913.

In ihrer Tradition stehen heute die Eppsteiner Burgschauspieler, die im Juli mit ihrem neuen Stück „Madame, es ist angerichtet“ bei den Burgfestspielen zu sehen sind. Vielleicht besuchte Dokowicz damals mit seiner Frau auch das Gasthaus „Zur Sonne“, das ein eigenes Brauhaus hatte. Denn der Komponist stammte aus einer Bierbrauerfamilie und hatte selbst eine Ausbildung zum Brau-techiker absolviert. Möglicherweise wähnte er sich dort auf den Spuren des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, der 1844 Eppstein besuchte und auch in der „Sonne“ eingekehrt sein soll. rr

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