Wildwestmanier: In der Goldbachstraße parkt jeder wie er will

In der Goldbachstraße wird regelmäßig gegenüber von Einfahrten und sogar unmittelbar in der Einmündung geparkt, wie Fotos von Anliegern beweisen.Foto: privat

Eigentlich stuft die Stadt die Goldbachstraße in Vockenhausen als kurze Anliegerstraße ein, also als Straße, in der hauptsächlich Anwohner nach Parkplätzen suchen.

In der Realität sieht das ganz anders aus, erzählt uns ein Anwohner: Kaum ein Tag vergehe, ohne, dass er länger rangieren müsse, um aus seiner Hofeinfahrt heraus oder in seine Einfahrt hinein zu fahren. Längere Diskussionen mit uneinsichtigen Autofahrern seien keine Seltenheit, sagt der Vockenhäuser. Er beobachtet, dass viele Anwohner umliegender Straßen und aus der Hauptstraße auf die Seitenstraße ausweichen, wenn sie einen Parkplatz suchen und dann ohne Rücksicht auf Ausfahrten ein bis zwei Stunden oder gar über Nacht stehen bleiben. „Sogar bei freien Parkplätzen wird aus Faulheit oder anderen Gründen einfach vor einer Ausfahrt oder mitten auf dem Gehweg geparkt, trotz des deutlich sichtbaren Schildes, das darauf hinweist, dass nur in gekennzeichneten Flächen geparkt werden darf“, ärgert sich der Anwohner über solche Wildwestmanieren.

Erschwerend kommen tagsüber die Kunden der Apotheke und deren Fahrdienst hinzu. Nicht selten werde die komplette Zufahrt der Goldbachstraße zugestellt. Fahrzeuge stauen sich bis auf die Hauptstraße. Seit Anfang des Jahres hat der Anwohner zahlreiche E-Mails mit der Stadtverwaltung gewechselt, ohne, dass sich die Situation verbessert habe. Er habe auf Anregung des Ordnungsamts, „sogar deren Job übernommen und Fahrzeuge, die verkehrsbehindernd parken, beim Ordnungsamt angezeigt“, sagt der Vockenhäuser. Gebracht habe das bisher nichts.

Auch der Ankündigung im Mai, die Stadt prüfe, ob sie Zickzacklinien gegenüber von Garagenausfahrten und Hofeinfahrten aufbringen könne, seien noch keine Taten gefolgt, ärgert er sich. „Die Markierungen würden das grundsätzliche Problem der Falschparker nicht lösen, aber sie sind ein wichtiges optisches Signal“, glaubt er.

Bürgermeister Alexander Simon versichert, auch in der Hauptstraße und ihren Seitenstraßen, zu denen die Goldbachstraße zählt, werde der ruhende Verkehr regelmäßig kontrolliert – soweit bei drei Ordnungspolizisten für das rund 70 Kilometer lange kommunale Straßennetz von Regelmäßigkeit die Rede sein kann.

Laut Simon gebe es durchaus Schwerpunkte für Kontrollen in den Ortskernen und den zentralen Straßen, denn überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum wohnen, gebe es ähnliche Konflikte. Systematische oder Schwerpunktkontrollen in einzelnen Straßen brächten aber nur kurzfristige Entlastung, sagt Ordnungsamtschef Stephan Euler. Viele Autofahrer zahlen lieber ein Bußgeld, als weite Wege auf sich zu nehmen.

Auch der neue Bußgeldkatalog, der vom 9. November an gültig ist, werde da wenig bewirken, sind sich Simon und Euler einig: 25 statt 15 Euro für Falschparker, bei Behinderung 50 statt 35 Euro und 55 statt 35 Euro bei unberechtigtem Parken auf einem Schwerbehindertenparkplatz das werde notorische Falschparker nicht abschrecken. Schon wirksamer dürften die Androhung eines Punkts in Flensburg und 100 Euro für das Zuparken von Rettungszufahrten und 80 Euro und einen Punkt für diejenigen, die Rad- und Gehwege länger als eine Stunde blockieren. Allerdings müssten solche Situationen einzeln überprüft werden, damit sie Anfechtungen standhalten. Da bauen viele Falschparker weiterhin darauf, dass sie schon längst wieder weg sind, bevor die Ordnungshüter auftauchen.

Bei ihren Kontrollen in der Goldbachstraße in den vergangenen Wochen hatte die Stadt den Eindruck, dass sich die Situation entspannt habe. Der Anwohner widerspricht vehement: Die Stadt könnte dort ohne Probleme täglich zwischen 20 und 25 Strafzettel verteilen. Gravierend werde die Parksituation allerdings erst nach 17 Uhr bis morgens 8 Uhr. Dann werden Gehwege versperrt oder das Auto einfach auf der Straße abgestellt. Das Argument, dass Rettungsdienst und Feuerwehr im Ernstfall dort nicht durchkommen, habe die Stadt mit dem Hinweis abgetan, „Es sei durchaus üblich, dass Einsatzfahrzeuge nicht direkt vor der Tür halten“.

Die Probleme in der Goldbachstraße habe die Stadt nicht vergessen, betont dagegen der Bürgermeister. Auch er hofft, dass Markierungen den Parkraum klar abgrenzen: „Sobald wir die Mittel dafür haben, wird der Auftrag für die Goldbachstraße vergeben.“ Auf die Ausführung müssten die Anwohner allerdings bis 2022 warten. Der Haushalt der Stadt wurde, wie berichtet, erst jetzt freigegeben. Nun müsse die Stadt noch eine Firma finden, die die ausstehenden Markierungsarbeiten für 2021 übernehmen und geeignete Temperaturen abwarten, denn sie dürfen dann mehrere Tage lang nicht unter 5 Grad Celsius sinken. bpa

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