Westmauer und Burgaufgang gesichert

Der tiefe Riss in der Westmauer der Burg bedroht die standfestigkeit. Provisorisch wurde die Mauer nun mit einer Holzbalken-Konstruktion von außen gesichert. Foto: Beate Schuchard-Palmert

Die gute Nachricht lautet: Die baufällige Westmauer ist durch provisorische Stützen gesichert.

Mitte September will die Stadt die Burg wieder für Besucher öffnen – sobald der Statiker den Burgaufgang für sicher erklärt und die städtischen Arbeiter Eppsteins Schmuckstück von wucherndem Grün befreit haben. Eine neue Plexiglasscheibe an der Kasse trennt dann Kastellan und Besucher voneinander.

Freude kommt im Magistrat, der sich am Dienstag zu einer Ortsbesichtigung an der Mauer eingefunden hat, trotzdem nicht auf: „Bis jetzt haben die Arbeiten schon 88 000 Euro gekostet, die wir eigentlich nicht haben, für die denkmalgerechte Sanierung haben wir noch gar nichts zurückgelegt“, führt Bürgermeister Alexander Simon aus.

Risse in der Mauer des Westzwingers geben Experten Rätsel auf

Die Schäden an der westlichen Zwingermauer, die unmittelbar an die Palasmauer anschließt, wurden erstmals 2018 entdeckt und Rissmarken gesetzt, die im Frühjahr 2019 bestätigten, dass die Mauer sich bewegt. Genaue Messungen ergaben eine Neigung um bis zu 70 Zentimeter nach außen. Außerdem ist der Stützpfeiler am Altangarten gerissen und hat sich nach außen gedreht. Allein die archäologischen Untersuchungen kosteten rund 24 500 Euro, weitere 4000 Euro das 3D-Aufmaß. Die Grabungsarbeiten samt Fundamente für die Stützen kosteten 29 500 Euro, die Fachplanung 10 000 Euro, und die vom Zimmermann gefertigten Stützen mit vier über 7 Meter hohen Leimbindern rund 20 000 Euro, zählte Stefanie Münch vom Bauamt der Stadt auf.

Bislang stehe nur fest, dass die Schäden erst nach den Ausgrabungen 2004/2005 aufgetreten sind. Damals wurde ein Teil der um 1910 mit Aushub aus dem Altangarten aufgefüllten Erde abgetragen. Die Mauer wies danach noch keine Schäden auf.

Zuvor trotzte die um 1420 bis 1440 errichtete Mauer fast 600 Jahre unbeschadet Wind und Wetter. Möglicherweise habe die einseitige Entlastung die Statik der Mauer eher verschlechtert, lautete eine Diagnose der Experten, unter Umständen sei der Fuß der Mauer schlecht auf dem Felsen gegründet, eine andere Überlegung.

Einig sind sich die Fachleute, dass die endgültige Sicherung der Mauer, anders als die jetzt nach dem Prinzip von Buchstützen errichtete Konstruktion, die Ansicht der Burg möglichst nicht beeinträchtigen solle. Es gebe Überlegungen, die Rückseite der Mauer wieder mit Erde zu verfüllen und in diesem Zusammenhang die Mauer möglichst wenig sichtbar im Fels zu verankern, berichtete Bürgermeister Alexander Simon. Er räumte gleichzeitig ein: „Dass die Mauer so einfach gerettet werden kann, ist vermutlich Wunschdenken.“

Eine andere Möglichkeit sei, die Mauer abzureißen und originalgetreu neu aufzubauen. Die Kosten dafür könne er noch nicht abschätzen, sagte Simon, „auf jeden Fall betragen sie ein Vielfaches der Kosten für das Provisorium.“ Deshalb habe die Stadt bei Land und Bund angefragt, ob für die aufwändige Sanierung finanzielle Unterstützung gewährt wird.

Die Denkmalschutzbehörde sei noch nicht involviert. „Bislang ging es nur um Schadensabwendung und eine provisorische Sicherung“, führte Simon aus. Bei der eigentlichen Sanierung wird die Denkmalschutzbehörde mit einbezogen. bpa

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