Das war das Jahr 2025 in Eppstein

Kommunalfinanzen als Herausforderung

Rund 50 Traktoren und Unimogs rollten bei der festlichen Lichterfahrt durch sämtliche Stadtteile, vorbei an tausenden von Menschen, die überall entlang der Strecke die Straßen säumten. Vor der Seniorenresidenz in Eppstein warteten die Bewohner mit glänzenden Augen. In Oberjosbach verteilte ein Nikolaus Geschenke an die Fahrer. Die kamen mit ihren Traktoren aus der ganzen Region von Eschborn bis Limburg. Auf den Straßen war es wegen des Sonntags ruhig – ein Grund, warum der vierte Adventssonntag künftig zum festen Termin für den Corso werden soll. 
            Foto: Stadt Eppstein

Rund 50 Traktoren und Unimogs rollten bei der festlichen Lichterfahrt durch sämtliche Stadtteile, vorbei an tausenden von Menschen, die überall entlang der Strecke die Straßen säumten. Vor der Seniorenresidenz in Eppstein warteten die Bewohner mit glänzenden Augen. In Oberjosbach verteilte ein Nikolaus Geschenke an die Fahrer. Die kamen mit ihren Traktoren aus der ganzen Region von Eschborn bis Limburg. Auf den Straßen war es wegen des Sonntags ruhig – ein Grund, warum der vierte Adventssonntag künftig zum festen Termin für den Corso werden soll.

Foto: Stadt Eppstein

Bürgermeister Alexander Simon gibt in seinem Gastbeitrag für die Neujahrsausgabe einen Rückblick auf 2025:

Im vergangenen Jahr wurde auch in Eppstein das Kriegsende vor 80 Jahren thematisiert: der Zusammenbruch des Deutschen Reiches, der Neuanfang der westlichen Besatzungszonen als Bundesrepublik und die Hoffnung der Menschen, auch hier in Eppstein, auf Besserung, auf einen demokratischen Neuanfang und ein Leben in Frieden. Gleichzeitig mussten viele Probleme bewältigt werden. Trotzdem entwickelte sich aus der Gesellschaft im Ausnahmezustand eine Gesellschaft im Aufbruch, besonders nach der Währungsreform.

Von dieser Aufbruchsstimmung...

... sollten wir uns etwas abschauen. 80 Jahre später leben wir in einer gefestigten Demokratie und in einem sicheren Land. Und doch spüren wir, dass sich etwas verändert.

Wir fragen uns, ob der Frieden nicht in Gefahr ist, ob wir unseren Wohlstand halten können oder warum die Kommunen und Landkreise in finanzieller Schieflage sind? Wir spüren, dass einigen der Wert der demokratischen Grundordnung nichts mehr bedeutet. Dass sie die demokratische Auseinandersetzung, das Zusammentreffen verschiedener Meinungen irritiert. Dass sie, unzufrieden mit dem politischen Geschehen, in Extreme flüchten.

Dem können wir nur durch Zusammenhalt begegnen. Und da hilft es, dass Eppstein mit seinen vielen Vereinen als Orte gelebter Demokratie stark vernetzt ist. Nicht immer muss man einer Meinung sein, nicht immer zufrieden. Aber wenn wir in die frühen Jahre der Bundesrepublik zurückblicken, in denen die Menschen tatkräftig beim Wiederaufbau halfen, dann macht uns das Mut. Man sollte heute wie damals das Ziel vor Augen haben, etwas zum Positiven zu verändern.

Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt die angespannte Haushaltslage. Sie bedeutet finanzielle Einschnitte und eine schmerzhafte Erhöhung der Grundsteuer für jeden, so, wie es der Rechnungshof angemahnt hat. Auch andere Kommunen haben die Marke von 1000 Punkten bereits überschritten, teilweise sind Haushaltsentwürfe in deren Städten mit deutlich über 2000 Punkten zur Diskussion gestellt.

Die Städte und Gemeinden stehen seit längerem vor der schwierigen Aufgabe, einerseits ihre Haushalte nachhaltig zu konsolidieren, anderseits die Pflichtaufgaben sachgerecht zu erfüllen und im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge zeitgemäße Dienstleistungen anzubieten. Immer weitere Aufgabenzuweisungen an die Kommunen und externe Einflüsse verschärfen diese Thematik.

Aufgrund multipler Krisen geopolitischer und wirtschaftlicher Art schrumpft das Wirtschaftswachstum in Deutschland seit dem Jahr 2023. Das Bruttoinlandsprodukt war seit 1950 nur in zehn Jahren rückläufig, dreimal davon in den Jahren ab 2020. In Kombination mit einer hohen Inflation und den größtenteils extern bedingten Anstiegen bei Sozial- und Personalausgaben vergrößerte sich die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben.

Das ist kein alleiniges Problem unserer Stadt. Ein Beteiligungsportal ermöglichte es jedem, aktiv an der Gestaltung der finanziellen Zukunft Eppsteins mitzuwirken. Ich habe erlebt, wieviel Herz, Engagement und Verantwortungsbewusstsein in unserer Bürgerschaft steckt. Das mag uns auch bei schwierigen Entscheidungen und Herausforderungen helfen.

Kritik ist dabei ausdrücklich zugelassen und erwünscht: Ein Verwaltungs-“Bashing“, wie es leider auch vielfach vorkam, darf es aber nicht mehr geben. Durch kluge Rahmenbeschlussfassungen zu Beginn des Jahres 2025 und erweiterte Beschlussfassungen im Dezember 2025 sind weitere Konsolidierungen vorgenommen worden.

Kindergarten in nur zehn Monaten gebaut

Eines der großen Projekte 2025 war der Bau des neuen Kindergartens an der Embsmühle. Im vergangenen Jahr ging alles Schlag auf Schlag: im Januar begannen die Arbeiten, im März 2025 fand der offizielle Spatenstich statt, bereits im April feierten wir Richtfest und am 3. November konnten die Kinder einziehen. Das war für mich ein besonders erfreulicher Tag, zu sehen, wie sich das Gebäude nun mit Leben füllte.

Die Bauzeit hat nur rund zehn Monate betragen. Dazu entstanden Parkplätze und ein multifunktionaler Sportplatz. Die Außenanlagen werden im Frühjahr 2026 fertig.

Auch das war 2025: Jubiläen, Baustellen und starke Einsätze

Dauerbaustelle: Burg Eppstein

Abgeschlossen wurden die Sanierungsarbeiten an der über zwei Meter starken Schildmauer auf der Nordseite von Burg Eppstein. Wasserschäden mussten insbesondere in Höhe der Kemenate beseitigt werden. Befunde und Schadstellen wurden zuvor detailliert aufgenommen. Aufgrund der Schäden wurden mehrere Kubikmeter der bis zu 200 Kilogramm schweren Natursteinblöcke zunächst abgebrochen, gesäubert und anschließend wieder aufgemauert. So ging nach der Sanierung des Bergfrieds ein weiteres großes Projekt auf der Burg zu Ende. Wie bei der altehrwürdigen Burg nicht anders zu erwarten, wird die Sanierungen fortgesetzt: im Mainzer Keller gemeinsam mit dem Burgverein, der die Stadt tatkräftig und auch finanziell unterstützt.

Klimaschutz wichtige Aufgabe

Auch Eppstein steht vor der großen Herausforderung, dem Klimawandel zu begegnen. Seine Auswirkungen sind längst mehr als Warnungen in wissenschaftlichen Berichten, sie erreichen uns längst im Alltag. Immer häufiger müssen wir uns auf Wetterereignisse einstellen, die früher als „Ausnahme“ galten. Daher ist es wichtig, Eppstein beim Starkregenschutz gut aufzustellen. 2024 haben wir für jedes Haus eine Risikobewertung vorgenommen und zwölf Informationsveranstaltungen angeboten. Nach einem weiteren Informationsabend im Januar 2025 wurde ein kommunales Handlungskonzept Starkregenschutz aufgestellt.

Auch der Zeitplan für das Klimaschutzkonzept steht. Es wurden mehrere Bürgerversammlungen angeboten, bei denen Bürgerinnen und Bürger Maßnahmen und Ideen einbringen konnten. In wenigen Tagen wird der Entwurf des Klimaschutzkonzeptes vorgelegt und politisch beraten. Mit großen Schritten sind wir bei der Entwicklung von drei Windvorrangflächen vorangekommen – alle in der Gemarkung Niedernhausen. Dort sollen auf Flächen der Kommunen Niedernhausen, Idstein und Eppstein sieben Windkraftanlagen entstehen. Nach der Markterkundung und einem aufwändigen Verfahren zur Auswahl eines Projektentwicklers erfolgte die Vergabe durch die drei Kommunalvertretungen.

Eppstein ist damit die erste Kommune im Main-Taunus-Kreis, die ein Windparkprojekt initiiert hat und die politischen Gremien sind sich einig: alle arbeiten konstruktiv und vertrauensvoll zusammen. Beschlossen ist längst, dass sich die Bürgerinnen und Bürger sowie Genossenschaften am neuen Windpark beteiligen können. Im Stadtgebiet sind zudem neue Photovoltaikanlagen entstanden: zahlreiche private Dächer wurden nachgerüstet und auch die Stadt hat auf dem Dach der Kita Embsmühle eine weitere PV-Anlage gebaut.

In Betrieb genommen sind die Wärmepumpen im Gebäude des Bauhofes, zu dem auch mehrere Wohnungen gehören. Der Bau einer weiteren Photovoltaik-Anlage ist dort in den nächsten Monaten vorgesehen.

Rund 150 Hauseigentümer folgten dem Angebot, sich kostenfrei von einem Energieberater der Landesenergieagentur einen Klimacheck für das eigne Haus erstellen zu lassen. Eppstein hatte sich um eine Förderung beworben und – weil das erste Projekt sensationell gut verlief – gleich ein zweites Mal teilnehmen dürfen.

Radwegenetz wird ausgebaut

Ein gut ausgebautes Radwegenetz ist ein wichtiger Standortfaktor. Radfahren ist eine der effektivsten Möglichkeiten, klimafreundliche Mobilität zu stärken. So gehen die Planungen für den Radweg zwischen Eppstein und Bremthal und auch für den Weg zwischen Bremthal und Wildsachsen weiter. Beide Planungen werden im Eppsteiner Rathaus koordiniert, obgleich dies Aufgabe des Landes ist, das sämtliche Kosten dafür ersetzt.

Unterwegs in der Stadt

Erfreulich ist, dass einige Gastronomen seit vielen Jahren in Eppstein erfolgreich sind und, dass nach der Sanierung ein traditionsreiches Gasthaus wieder geöffnet hat: Im „Zum Taunus“ in Eppstein, gegründet bereits 1874, gibt es nun asiatische Esskultur. Umso wichtiger war, dass Eppstein am Landesförderprogramm Zukunft Innenstadt teilgenommen hat. Damit wurden Gastronomen unterstützt werden oder auch stadtverschönernde private Bauvorhaben. Die Lauschtour ist dank dieser Förderung entstanden. Sie wurde von der Ehrenamtsinitiative „Eppstein lebt!“ entwickelt und macht es neben den klassischen Stadt- und Burgführungen möglich, sich auf eigne Faust und zu jeder Tageszeit vom Stadtbahnhof bis zur Burg führen zu lassen. Seit 2023 haben rund 1800 Menschen die Lauschtour genutzt.

Der Naturpark Taunus und der Taunusklub bieten regelmäßig Wanderungen in und durch Eppstein an. Viele Gäste von Nah und Fern zieht es nicht nur zu diesen Ereignissen in die Stadt. Zudem wurden Verschönerungsmaßnahmen am historistischen Alten Rathaus in der Burgstraße und im architektonisch ebenfalls interessanten Rathaus II in der Rossertstraße vorgenommen.

Seit den Sommermonaten gilt das neue Verkehrskonzept für Eppsteins Altstadt, das gemeinsam mit den Anliegern über ein Jahr lang erarbeitet wurde. Es trägt zur Verkehrsberuhigung bei.

Hilfe aus Bevölkerung und Vereinen

Mit Hilfe des Fördervereins wurden die Innenräume der Kita „Ringelsocke“ in Ehlhalten neu angelegt. Bereits von der Stadt beauftragt ist die Sanierung des Dachs des knapp 50 Jahre alten Gebäudes. Mit einer energetischen Sanierung hat diese Maßnahme nichts zu tun, wie vereinzelt behauptet wird. Sehr gut angenommen werden auch die beiden neuen Regiomaten und der Eisautomat in Ehlhalten.

So zeigt sich, dass Förderprogramme, ehrenamtliches oder auch unternehmerisches Engagement die Lebensqualität und das Lebensgefühl in den Ortsteilen verbessern können. Daran arbeitet die Stadt auch in diesem Jahr. Oft sind derzeit nur kleine Projekte oder Reparaturmaßnahmen möglich, vieles steht auf dem Prüfstand. Und doch liegt ein Jahr mit herrlichen Momenten bei den Burgfestspielen, Konzerten, Festen und Veranstaltungen in allen Ortsteilen hinter uns. Das ist nur möglich, weil treue Sponsoren die Stadt wieder tatkräftig unterstützt haben. Es ist aber auch nur möglich, weil sich in Eppstein viele Menschen ehrenamtlich engagieren, in Vereinen, bei der Feuerwehr, in der Kommunalpolitik oder in Stiftungen. Oft übernehmen sie Verantwortung und bürden sich viel Arbeit auf. Allen gemeinsam ist: Sie wollen etwas für ihre Stadt tun. Auch wenn vieles manchmal unmöglich scheint, machen sie es möglich.

Starke Feuerwehr am Heiligen Abend

Viele haben in den vergangenen Monaten mit dem erhobenen Zeigefinger auf die ehrenamtliche Feuerwehr geschaut und moniert, dass die Kosten zu hoch seien. Am Heiligen Abend wurden alle rund 180 Aktiven, teilweise in Gottesdiensten oder bereits bei der Bescherung mit der Familie, alarmiert. Nur dem beherzten Eingreifen eines von den Medien als „Bremthaler Weihnachtsengel“ bezeichneten Feuerwehrmannes ist es zu verdanken, dass ein brennender Adventskranz in einem Haus in seiner Nachbarschaft Am Vogelgesang in Bremthal schnell gelöscht wurde. Er entdeckte das Feuer im Haus eines Nachbarn und löschte es, bevor sich ein Vollbrand entwickelte. So mussten am Ende nicht alle Stadtteilwehren ausrücken. Es zeigt aber auch: Eppsteins Feuerwehr ist gut aufgestellt und einsatzstark. Ehrenamtliche, die eben noch Weihnachten feierten, lassen alles stehen und liegen. Mich erfüllt dies mit Stolz und Dankbarkeit.

Rathausspitze neu gewählt

Zwei unterschiedliche Wahlen standen im vergangenen Jahr an. Dank Ihres Vertrauens und der Bestätigung meiner Person als Bürgermeister darf ich mich weiterhin für Eppstein und seine Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Seit Oktober 2009 bin ich im Rathaus tätig, zunächst als Erster Stadtrat, seit 2013 als Bürgermeister. Zur Seite steht mir vom 20. Februar an Andrea Sehr, die von der Stadtverordnetenversammlung mit überwältigender Mehrheit zur Ersten Stadträtin gewählt wurde. Ende Februar nimmt die Erste Stadträtin Sabine Bergold Abschied, die dieses Amt seit 2014 mit großem persönlichen Engagement ausgefüllt hat. Ihr gilt unser herzlicher Dank.

Mut und Tatkraft

Lassen wir uns nicht entmutigen, sondern nach vorn schauen und tatkräftig anpacken, um notwendige Aufgaben in Eppstein zu lösen und Traditionen zu bewahren. Denn trotz der angespannten finanziellen Lage können wir uns doch über eine positive Entwicklung der Stadt freuen. Blicken wir also mit Zuversicht auf das neue Jahr, das uns viele positive Überraschungen bescheren und immer neue Wege aufzeigen möge. Herzlich eingeladen sind alle zum Neujahrsempfang der Stadt am Sonntag, 18. Januar, ab 10.30 Uhr im Bürgerhaus in Eppstein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und glückliches Jahr 2026.

Ihr Alexander Simon

Bürgermeister

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