Ein Saal voller Lichtblicke

Rund 100 Besucher kamen zur Ausstellung und Preisverleihung des Künstlerwettbewerbs und ließen Bilder, Skulpturen und Objekte auf sich wirken.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Fotografien, Gemälde, Skulpturen und Installationen – Noch bis zum kommenden Wochenende sind über 90 Arbeiten zum Thema „Lichtblicke“ im Eppsteiner Bürgersaal zu sehen. 65 Künstler aus dem Main-Taunus-Kreis haben sich beim Künstlerwettbewerb von Kulturkreis und Stadt Eppstein beworben.

Die Jury wählte aus 170 eingereichten Arbeiten die Werke für die Ausstellung aus, berichtete Julia Sonnhalter, stellvertretende Kulturkreisvorsitzende.

Vor rund 100 Besuchern aus dem Main-Taunus-Kreis stellte die Jury am Sonntag die vier Gewinner des Eppsteiner Kunstpreises vor. Am kommenden Sonntag wird der Gewinner des Bürgerpreises verkündet. Bis dahin haben Besucher und Besucherinnen der Ausstellung noch Gelegenheit, ihr Votum abzugeben und eines der Werke zum Publikumsliebling zu erheben. Mit 300 Euro hat der Lions Club Eppstein den Bürgerpreis dotiert.

Die Jury mit Yuriy Ivashkevich, Monika Rohde-Reith, Ulrich Häfner und Ling Wang-Hohmann vergab am Sonntag zwei dritte Preise zu je 250 Euro für die Holzskulptur „Allways look on the bright side of life“ von Karola Müller aus Eppstein und für die interaktive Fotomontage „Lichtblicke“ von Beate Kupka aus Wiesbaden.

400 Euro und den zweiten Preis erhielt die Hochheimerin Claudia Poeschmann für ihr Acryl-Gemälde „Ohne Titel“, in dem sie sich mit den Themen Tod und Veränderung auseinandergesetzt habe. Ihr Gemälde, ganz in Grau und Anthrazit gehalten, zeigte ein weißes, schimmerndes Rechteck im Zentrum mit scheinbar in die Tiefe, zu einem helleren Licht führenden Stufen. Obwohl die Stufen auch durchs Dunkle führten, vermittle ihr Bild, trotz des ernsten Themas, Hoffnung und Harmonie – eben „Lichtblicke“ – und sei darüber hinaus auch technisch sehr gut umgesetzt, urteilte die Jury.

Den ersten Preis und 600 Euro erhielt der Eppsteiner Norbert Röske für seine Installation „Ein Leben voller Lichtblicke“: Alte Fotoalben mit abgegriffenem Leineneinband und verblassten Mustern, hatte er auf Glas platziert – die Installation reizte geradezu, die Alben in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Allerdings hatte der Künstler sie mit einer Kordel verschnürt, damit Privates auch privat bleibe.

Lichtblicke, so der Künstler, seien die vielen Fotos in den Alben, in denen meist die schönen und wichtigen Augenblicke im Leben der Menschen festgehalten wurden. Da der voyeuristische Blick in die privaten Augenblicke verwehrt bleibe, könnten die Betrachter auch darüber spekulieren, ob in den Alben nur schöne oder vielleicht auch schreckliche Momente gezeigt würden.

Besucher beeindruckt von Vielfalt und Qualität der Kunstwerke

Lichtblicke seien die Aufnahmen auch in technischer Hinsicht, weil der Fotoapparat Momente eines Lebens innerhalb von Sekundenbruchteilen ablichte, so Röske, der 2007 schon einmal Preisträger in Eppstein war, außerdem als Ortsgerichtsvorsteher und früherer Stadtverordneter in Vockenhausen bekannt ist. Seit 2009 wird der Künstlerwettbewerb kreisweit ausgeschrieben.

Tiefgründig und kraftvoll sei auch die kleine Skulptur aus Erlenholz von Karola Müller, urteilte die Jury. Aufrecht und den Blick nach oben gerichtet, vermittle der kleine Mann, dessen Äußeres grob geschnitzt ist und einige Macken aufweist, dennoch Hoffnung und Vertrauen. Der Titel „Allways look on the bright side of life“, eine Anspielung auf den Kultfilm „Das Leben des Brian“, ließ auch beim ein oder anderen Betrachter ein Lächeln aufblitzen.

Seine optimistische Ausstrahlung war der Jury ein Preisgeld wert. Ebenso die spielerische Interpretation des Ausstellungsthemas von Beate Kupka, deren interaktive Fotomontage auf den ersten Blick ein dunkelgraues Foto zeigte, eine Straße und ein leeres Straßencafé und dahineilende schwarze Schattengestalten.

Bei näherem Hinsehen entpuppten sich die Schattengestalten als Holzplättchen mit menschlichen Silhouetten, die die Betrachter aufforderten, sie abzunehmen. Darunter kamen „Lichtblicke“ zum Vorschein: bunte Fotoausschnitte eines Rock-Konzerts, eines leckeren Buffets, eines Bücherstapels oder eines Liebes-Hängeschlosses, wie es Verliebte an Brückengeländern in der ganzen Welt hinterlassen.

Die Wahl sei der Jury diesmal sehr schwer gefallen, verriet der Fotograf Uli Häfner, „Wir hatten etliche weitere Werke in der engen Wahl“. Auch viele Besucher honorierten die hohe Qualität und die Vielfalt der ausgestellten Arbeiten.

Zum Beispiel die elf leuchtenden Papierwürfel von Christa Steinmetz mit den Buchstaben des Ausstellungsthemas „Lichtblicke“ oder Steffi Schönenbachs Foto „Zauberspiegel“ mit einer doppelten Spiegelung, die einem ganz gewöhnlichen Raum einen geheimnisvollen Schimmer verleiht. Die Eschborner Künstlerin nimmt schon zum zweiten Mal am Künstlerwettbewerb teil. Sie schätzt Ausstellungen zu einem festen Thema und lobt die Vielfalt, mit der es so viele Künstler aus der Region umgesetzt haben.

Ungewöhnliche Techniken und Materialien gab es auch zu bewundern: Die Scherenschnitte der Japanerin Akiko Kehnen sind unvorstellbar filigran geschnitten: Kraniche, zarte Schmetterlinge und eine lichtdurchflutete Phantasie-Landschaft. Jedes für sich setzt sich außerdem aus unzähligen kleinen ins schwarze Papier geschnittenen Licht- oder Durchblicken zusammen.

Erst mit einigem Abstand bilden die farbigen Flächen des getufteten Wandbehanges mit dem Titel „Bitte“ von Karen Denise Go Siong ein Paar gefalteter Hände.

Marlies Pufahls deutlich vom Feuer gezeichnete Keramik-Skulptur richtet den „Blick nach Oben“, so der Titel, schien aber bei der Jury nicht die gleichen Emotionen geweckt zu haben, wie Karola Müllers kleiner, nach oben blickender Mann aus Erlenholz.

Mit seiner Collage „Arbeit Nr. 5“ macht Karl Gold seinem Namen alle Ehre. Das Bild mit der Ordnungsnummer 1 zeigte den Umriss des afrikanischen Kontinents in Goldfolie.

Ulrike Gaiser schuf mit Marmormehl auf Leinwand und Sumpfkalk auf Holz interessante Strukturen. Ein echter Lichtblick sind auch die drei Bilder von Susanne Messer: „Warten“ mit einem roten Stuhl, auf den das Licht durch einen Türspalt fällt, verschwommene Räume, die den Blick frei geben zum „Morgenlicht“ oder zu einem „Lichtblick“.

Pure Lebensfreude vermittelt Christina Maria Crügers „Vitaminbad“, ein Selbstportrait in Pop Art-Manier, das die Künstlerin in der Badewanne mit der gesamten Apfelernte aus ihrem Garten zeigt. Die Botschaft sei einfach und von ihr selbst erprobt, sagt die 67-Jährige: „Gegen Krankheiten helfen Vitamine!“ Sie halte mit gesunder Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft seit Jahren den Krebs in Schach und habe diverse Operationen gut überstanden.

Sabine Gieshoff, Lehrerin an der Burg-Schule, nannte ihre Landschaft bezeichnenderweise „School’s out“ und malte fröhliche Kinder auf einem Baum. Eva Maria Wiener fügte mit ihren drei Bildern mit dem Titel „Mama“ dem Thema „Lichtblicke“ einen weiteren Aspekt hinzu.

Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 13. November, geöffnet; am Freitag von 15 bis 19 Uhr, Samstag, 11.30 bis 19 Uhr, Sonntag von 11.30 bis 18 Uhr. Um 17.30 Uhr wird der Bürgerpreis verliehen. bpa

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