Musikschulen fordern mehr Anerkennung

Das Musikschulhaus muss geschlossen bleiben – der Unterricht geht online weiter.Foto: Stadt Eppstein

In der Musikschule brodelt es. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird das Musikschulhaus geschlossen, ist Musikunterricht und musikalische Frühförderung in Kitas, Grundschulen und öffentlichen Gebäuden untersagt.

„Dabei sind wir nach mehreren Monaten der Pandemie viel besser aufgestellt als im Frühjahr“, sagt Musikschulleiterin Gesche Wasserstraß. Die Gruppengrößen wurden deutlich verkleinert, Trennwände aufgestellt und Desinfektionsmittel angeschafft. Die Lüftungsanlage funktioniert einwandfrei.

Trotzdem unterrichten die 26 Lehrerinnen und Lehrer zurzeit wieder online. Selbst Gruppenunterricht für die Kleinsten haben die Lehrer Gesche und Alexander Wasserstraß so bearbeitet, dass sie sich mit den Kindern online treffen können. „Das ist aber kein Ersatz für die echte Gruppenarbeit“, betont Wasserstraß. Längst sei wissenschaftlich erwiesen, dass Musizieren die Entwicklung des kindlichen Gehirns enorm fördere. „Das ist mit keinem noch so gut entwickelten Computer-Lernprogramm zu erreichen“, betont die Musikschulleiterin.

Anders als beispielsweise die Volkshochschulen, die explizit vom Versammlungsverbot ausgenommen sind, zählt die Hessische Landesregierung die gut 70 Musikschulen des Landes zu den Freizeiteinrichtungen und nennt sie in der Verordnung in einem Atemzug mit Badeanstalten, Diskotheken und Freizeitparks. Von den 16 Bundesländern verfahren nur Nordrhein-Westfalen und Sachsen ähnlich rigoros, in allen anderen Bundesländern ist der Musikschulbetrieb weiterhin zulässig.

Inzwischen gibt es Petitionen zur Lage der Musikschulen und der freiberuflichen Musiker. Die Musikschule Mollenhauer in Fulda beispielsweise fordert, dass auch in Hessen wieder Einzelunterricht an den Musikschulen erlaubt wird. (https://www.openpetition.de/petition/online/einzelunterricht-fuer-musikschulen-ermoeglichen)

Die Petition weist darauf hin, dass Musikunterricht nur außerhalb von Musikschulen erlaubt sei, die Musikschulen selbst aber schließen müssen. Das bedeutet, dass die Lehrer sich in privaten Wohnungen dem Ansteckungsrisiko aussetzen, die Musikschulen aber mit ihren Hygienekonzepten keinen Einzelunterricht mehr anbieten dürfen, gibt Wasserstraß die Petition wider und weist daraufhin, dass die Eppsteiner Musiklehrer stattdessen online unterrichten.

Das sei auch dringend notwendig, damit die Unterrichtsgebühren weiter gezahlt werden. Denn bisher gab es kein Geld aus der Kurzarbeiterkasse für die freiberuflichen Musiklehrer. Auch die Musikschule falle, so Wasserstraß, vermutlich wegen ihrer gemeinnützigen Trägerschaft und der ehrenamtlichen Leitung, bislang auch aus allen Zuschussmodellen.

Rund 23 000 Euro sei die Musikschule inzwischen im Minus – trotz der jährlichen städtischen Zuschüsse: Eppstein zahlt 20 000, Kelkheim 5000 Euro. Die Lehrergehälter fließen trotzdem weiter. Auch die Umlagen müssen weiterhin bezahlt werden: Jeden Monat 880 Euro, für das knapp 740 Quadratmeter große Gebäude, das die Stadt der Musikschule zur Verfügung stellt,

Aus Sicht der Musikschulen entscheidet die Landesregierung ohne differenzierte Betrachtung der tatsächlichen Infektionsgefahr. Jugendarbeit dürfe betrieben werden, wenn der Bildungsaspekt im Vordergrund stehe, heißt es in der Petition weiter, mit dem Hinweis, dass man einer Musikschule wohl ebenso einen Bildungsaspekt zurechnen dürfe. „Die Musikschulen fangen doch inzwischen vieles an musikalischer Bildung auf, was in der Schule versäumt wird“, hebt Wasserstraß den Bildungsauftrag hervor.

Erste Stadträtin Sabine Bergold weist darauf hin, dass die Umlagen am Jahresende abgerechnet werden und es dann vermutlich eine Rückzahlung geben werde, weil die Musikschule mehrere Wochen geschlossen war. Sie bittet um Verständnis, dass als oberstes Gebot gelte, Kontakte zu beschränken und davon sämtliche öffentliche Gebäude betroffen seien.

Die Musikschulen sieht sie als wichtiges Bindeglied zwischen Kultur und Bildung. Sie sei überzeugt davon, dass sie zu den ersten Einrichtungen zählen, für die die Regeln in Hessen gelockert werden. bpa

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