Am Sonntag, Familientag beim Burgfest, ist es Zeit, Abschied zu nehmen für Eppsteins zweites Burgfräulein, das aus ihrem Ehrenamt scheidet.
Ramon Olivella, der Vorsitzende des Burgvereins, übertrieb augenzwinkernd, als er sagte, „dass Nathalie in der ganzen Welt unterwegs gewesen ist“. Richtig ist: In Hessen hat die Botschafterin des Burgvereins Spuren hinterlassen. Sie hat Kontakte geknüpft, neue Freundschaften geschlossen – und darf stolz darauf sein, dass gleich zehn Hessische Hoheiten ihrer Einladung zur Exthronisierung gefolgt sind. So viele Königinnen auf einen Schlag gab es noch nie auf der Bühne von Burg Eppstein. Die Rosbacher Blütenkönigin Ira I., die Büdesheimer Laternenkönigin Lisanne I., die Büdinger Froschkönigin Tabea Isabelle I., das Eltviller Rosenpaar Julia und Valentin, die Hessische Erdbeerkönigin Marlene I., die Muschenheimer Naturschutzkönigin Carolin I., die Oberurseler Brunnenkönigin Emily I., die Steinauer Märchenkönigin Miriam I., die Steinfurther Rosenkönigin Theresa I und Bürstadts Sonnenbotschafterin Michelle I. – Sie alle erwiesen dem scheidenden Eppsteiner Burgfräulein die Ehre. Olivella betonte dass Nathalie I. ihr Amt „ganz hervorragend und in Würde ausgefüllt“ habe. Eppsteins Erste Stadträtin Andrea Sehr verband die Exthronisierung von Nathalie auch mit einem großen Dank an den Burgverein und seine vielen Helfer. „Das Burgfest ist ein wundervolles Fest mit wunderschöner Tradition.“
Bevor die Krone von Nathalie I. zu Karina I. wanderte und Nathalie mit einem Diadem zur Hohen Burgdame auf Lebenszeit ernannt wurde, wandte sich Nathalie an die vielen Gäste. Sie empfinde „Dankbarkeit und Stolz“, erwähnte und lobte namentlich alle Vorstandsmitglieder des Burgvereins und bekräftigte, „dass meine Amtszeit Früchte getragen hat. Darauf lässt sich bauen. Vor einem Jahr war nur eine Hoheit auf Burg Eppstein. Jetzt gibt es einen stabilen Baum mit vielen Ästen, der weiterwachsen und gedeihen kann.“ Für Andrea Sehr bestand kein Zweifel: „Nathalie, Du hast so viel Herzblut gegeben. Und Du, Patrick, hast sie auf Händen getragen.“
Nachfolgerin Karina I., feierlich vom Hessischen Justizminister Christian Heinz als Burgfräulein zu Eppstein ins Amt erhoben, hat keinen Junker. Sie wird in den folgenden zwölf Monaten von ihrer Hofdame Pauline begleitet – und ganz bestimmt wird auch Vater Guido Ernst einen wohlwollenden Blick auf das Treiben seiner Tochter werfen. Zur Inthronisierung ließ es sich der Bremthaler Ortsvorsteher nicht nehmen, in einer launigen Ansprache auf die gewaltlose Einnahme der Burg durch Bremthal hinzuweisen und als Zeichen des guten Bremthaler Willens einen Versöhnungstrunk mitzubringen. Und da stand es nun: das Fass, prallgefüllt mit einem in Kriftel für diesen feierlichen Anlass gebrannten Apfeltropfen.
Am Sonntag fanden auch etliche Familien mit Kindern den Weg auf die Burg: Am Westaufgang parkten viele Fahrräder und Kinder-Buggys, in der Ablage waren Spielsachen verstaut, vermutlich Fundsachen vom Flohmarkt, der in diesem Jahr nicht ganz so belebt war wie im vorigen Jahr. Möglicherweise lag es daran, das die treibende Kraft, Stefanie Fichtner, aus Eppstein weggezogen ist.
Das Kaspertheater hatte dafür enormen Zulauf. Bei beiden Vorstellungen drängten sich große und kleine Zuschauer in der Juchhe. Gespielt wurde wie schon beim ersten Burgfest die Entstehungssage der Burg mit Ritter Eppo, gespielt von Benjamin Peschke, dem Riesen (Ramon Olivella), Berta von Bremthal (Annette Kapp), dem König (Andrea Sehr), dem Polizisten (Tom Keseberg) und dem Kasper, gespielt von Dirk Büttner – möglicherweise sein letzter Auftritt in Eppstein, bevor er sich am 13. September in Liederbach als Bürgermeister zur Wahl stellt.
Rund 18 Stunden vorher, am Samstag um 18.45 Uhr, eröffnete Bürgermeister Alexander Simon gemeinsam mit dem Burgvereinsvorsitzenden die 54. Auflage des Burgfestes. Simon sprach von einer „Begegnungsburg“, in der auch schon mal Schwerter erhoben werden. Allerdings nur zu friedlichen, und im aktuellen Fall zu ausnahmslos löblichen Zwecken, so Simon: Joachim Souverein und Ehefrau Gudrun wurden vom Burgverein in einer feierlichen Zeremonie zum Ehrenritter und zur Ehrendame geschlagen. Eine mehr als verdiente Auszeichnung, hat sich das in Ehlhalten lebende Ehepaar doch seit vielen Jahren um den Burgverein und die Burg verdient gemacht.
Als jahrelanger erster Kassierer „hast Du das Geld immer zusammengehalten“, sagte Olivella. „Du bist das Gedächtnis des Burgvereins.“ Auch Gudrun Souverein ist seit Jahren eine treibende Kraft des Vereins. Dass sie „in zweiter Reihe geblieben ist“, war stets der Wunsch der zur Ehrendame geschlagenen umtriebigen Frau.
Im Hintergrund agierte auch das Team um Annette Wirth, das in der Kemenate wieder ein gut bestücktes Kuchenbuffet aufbaute. Zur 54. Auflage gab es neue Kaffeetassen und neue Schürzen in rosa mit der Aufschrift „Castle Cake Crew“.
Der Wunsch des Burgvereins, mit der Burg den insgesamt rund 1300 Besuchern am traditionell letzten August-Wochenende eine passende Bühne für ausgelassene Fest- und Feierstunden zu bieten, ist auch diesmal wieder aufgegangen. Mehr noch: Schatzmeister Stefan Sperzel wusste am Sonntagabend nach dem Kassensturz von einem um rund zehn Prozent höheren Umsatz gegenüber dem Vorjahr zu berichten. Gleichwohl könne man die Zahlen nicht eins zu eins vergleichen: Der Eintrittspreis für Erwachsene zum Burgfest wurde von 5 auf 7 Euro angehoben. Ein Grund dafür sind der Rückgang der Einnahmen durch den Essensverkauf in den vergangenen Jahren.
Außerdem gab es 2026 mit dem Container Cube im Burghof eine Neuerung bei der Versorgung. Die Mannschaft von Christian Brandl hat im Burginnenhof nicht nur das Catering für das Essen, sondern auch die Ausgabe der Getränke übernommen. Eine Aufgabe, die das Team sehr gut gemacht habe, wie auch Olivella betonte.
Überhaupt zeigte sich der Vorsitzende angetan von „sehr guter Stimmung auf einem friedlichen Burgfest, auf dem vor allem unsere klassischen Stationen wie Cocktailbar und Weinstand sehr gut besucht waren“.
Großes Lob vom Burgverein gab es auch für die neue Musik. Die Wahl der Wiesbadener Band Couch Potatoes sowie von DJ Alex habe sich als sehr gut erwiesen. Dass am Sonntag zehn Hessische Hoheiten auf die Burg kamen zur Ex- und Inthronisierung von Nathalie I. und Karina I., war auch für Olivella „ein großes Highlight. Mit dem neuen Burgfräulein gehen wir hoffnungsvoll ins nächste Jahr.“raw/bpa / Weitere Fotos auf S. 5




















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