Kriminalität: So wenig Straftaten wie seit 40 Jahren nicht mehr

Fallzahlen und Aufklärungsquote im Vergleich.Quelle: Polizei MTK

Der Main-Taunus-Kreis ist noch sicherer geworden. So lautete die Bilanz von Kriminaldirektor Urban Egerts voraussichtlich letzter Kriminalitätsstatistik. Er geht im Laufe des Jahres in den Ruhestand. Gemeinsam mit Landrat Michael Cyriax fasste er das Ergebnis zusammen.

Prozentual seien 2021 so viele Verbrechen im MTK aufgeklärt worden wie noch nie zuvor. In 64,5 Prozent, also fast zwei Drittel der Fälle, wurden die Täter gefasst. Die Zahl der pro 100 000 Einwohner registrierten Straftaten sank auf das tiefste, jemals erreichte Niveau seit Beginn der Statistik: Mit 3941 liege die Häufigkeitszahl deutlich unter dem hessischen Landesdurchschnitt von 5340. Auch die Zahl der registrierten Straftaten ist mit 9429 noch einmal niedriger als im Jahr zuvor, so niedrig wie seit 1981 nicht mehr.

„Das sind drei klare Zeichen für eine erfolgreiche Polizeiarbeit“, fasste Cyriax zusammen. Egert ergänzt, dass das Ergebnis auch dank der „engen und effizienten Zusammenarbeit mit Kommunen, Präventionsräten und den Bürgerinnen und Bürgern“ zustande gekommen sei. Die Zahlen der Statistik stellten Egert und Cyriax im neuen Gebäude der Kriminalpolizei in Sulzbach vor. Egert zufolge war die Aufklärungsquote 2021 die „mit Abstand höchste jemals im Kreis gemessene“ und noch einmal höher als die bisherige Rekordquote von 2020.

Das herausragende Ergebnis gehe aber nicht nur auf die erfolgreiche Präventions- und Aufklärungsarbeit zurück, es sei auch durch die Corona-Pandemie bedingt. Die Menschen waren häufiger zu Hause als vor der Pandemie. Im Homeoffice und auch während der Urlaubswochen. Auch das sei ein Grund für die weiterhin sinkenden Einbruchszahlen.

Mit 132 Fällen war sie um über 40 Prozent niedriger als 2020 (230). In etwa der Hälfte der Fälle blieb es beim Versuch, 66 Prozent der Einbrüche wurden aufgeklärt. Zählt man die 146 Einbrüche in Dienst- und Büroräumen hinzu, verschiebt sich die Statistik etwas, denn in diesem Sektor verzeichnete die Polizei eine Zunahme um 17 Prozent. Aber auch davon scheiterten mehr als die Hälfte der Einbrüche.

Zur Aufklärung beigetragen habe die 2020 eingerichtete Regionale Tatortgruppe Main-Taunus (RTG), deren Mitarbeiter besonders in der Spurensuche ausgebildet seien, und die bei schweren Straftaten ermittelt.

So führten die Aussagen von zwei Zeugen und die Spuren, die die RTG beim Einbruch in eine Praxis in Vockenhausen sicherstellten, die Kripo im Februar auf die Spur von vier Tätern in Frankfurt. Dank der Beobachtungen der Zeugen und nach Auswertung der Spuren konnte die Polizei den Männern insgesamt 18 Einbrüche in Wohnungen und Geschäftsräume in Hessen und Baden-Württemberg nachweisen, darunter auch den Einbruch in eine Schule in Schwalbach im Januar 2021. Sogar die gestohlenen Tablets wurden damals sichergestellt und der Schule zurückgegeben.

Zugenommen habe während der Pandemie und der Lockdowns die häusliche Gewalt. Die Zahl der Anzeigen war voriges Jahr mit 427 etwas niedriger als 2020 (434) aber immer noch deutlich über dem Niveau der Zeit vor Corona. 2019 waren 326 Fälle gemeldet worden. Da es sich häufig um Beziehungstaten handelt oder sich Opfer und Täter zumindest kennen, wurden sämtliche gemeldeten Fälle aufgeklärt. Drei Viertel der Täter waren männlich. Die Dunkelziffer dürfte in diesem Kriminalitätsfeld allerdings erheblich höher liegen, räumte Polizeisprecher Malte Schäfer ein.

Anders als TV-Krimis und die Krimi-Literatur aus dem Taunus glauben machen wollen, sind schwere Gewaltstraftaten die Ausnahme: Ein Mord, ein versuchter Mord und ein versuchtes Tötungsdelikt führt die Polizeistatistik für 2021 an, alle drei wurden aufgeklärt.

Mit 1227 Fällen ist die Sachbeschädigung das häufigste Delikt im Kreisgebiet mit einem Anteil von 13 Prozent an allen Straftaten im MTK. Etwa 30 Prozent, 373 Fälle, hat die Polizei aufgeklärt. Mit 752 Fällen steht die leichte Körperverletzung, trotz eines Rückgangs um 71 Fälle, weiterhin an zweiter Stelle der Statistik. 712, also fast 95 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt.

Wegen der zahlreichen Drogenkontrollen wurden entsprechend viele Rauschgiftdelikte ermittelt: Mit 668 Fällen stehen sie an dritter Stelle der Polizeistatistik. Außerdem hob die Polizei im vorigen Jahr sieben sogenannte „Indoor“-Plantagen auf, darunter auch eine, die von einem Eppsteiner in einem Haus in Bremthal betrieben wurde.

„Beleidigungen“ steht an vierter Stelle (474 Fälle), Ladendiebstahl auf Platz fünf (403) und der Diebstahl von Fahrrädern an sechster Stelle (371), gefolgt von „Erschleichen von Leistungen“, „Warenbetrug“, „Bedrohung“ und Diebstahl aus Kraftfahrzeugen.

Im Ranking der Kommunen liegt Eppstein mit seiner Häufigkeitszahl (HZ) von 2856 bei 13 620 Einwohnern an zweiter Stelle nach Bad Soden (HZ: 2811) und ist damit die zweitsicherste Stadt laut Statistik. 389 Straftaten wurden in der Burgstadt 2021 registriert, das sind 32 Taten mehr als 2020. 4,1 Prozent der Straftaten im MTK wurden in Eppstein begangen.

Die Aufklärungsquote in der Burgstadt beträgt 65,5 Prozent und 255 geklärte Delikte. Das liegt auch in der Art der Straftaten: Rauschgift wird vor allem bei Kontrollen gefunden, die Zahl der Fälle entspricht der Zahl der Ermittlungen. 214 Tatverdächtige wurden in Eppstein ermittelt, davon sind 178 männlich, der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger liegt bei einem Drittel. Mit 43 Fällen führen Sachbeschädigungen auch in Eppstein die Liste der häufigsten Straftaten an, gefolgt von Rauschgiftdelikten (37), vorsätzlicher, leichter Körperverletzung (29), Diebstahl von Fahrrädern (19) und Warenbetrug (18). Bei der Sachbeschädigung wurden nur 6 Fälle aufgeklärt, beim Fahrraddiebstahl 3.

Ein Schwerpunkt der Arbeit des laufenden Jahres werde im Kampf gegen den Betrug an Senioren liegen. Die Polizei will vorbeugend gegen Betrügereien und Schockanrufe am Telefon arbeiten, aber auch gegen Taschen- und Trickdiebstahl vorgehen. Deshalb sei im vorigen Jahr das Personal zur Verbrechensvorbeugung aufgestockt worden. bpa

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