Klingeln und Hupen für Radweg an der B455

Warten auf den Startschuss für die Fahrrad-Demo an der B455.

Die erste Fahrrad-Demo in der Geschichte Eppsteins am vergangenen Freitag erhielt regen Zulauf: Rund 100 Radlerinnen und Radler versammelten sich am späten Nachmittag an der Blitzeranlage gegenüber der Einmündung zur Landstraße nach Niederjosbach.

Die Teilnehmer aus Vockenhausen und Alt-Eppstein hatten sich zuvor Am Herrngarten getroffen, um, ausgestattet mit Warnwesten der TSG Eppstein, auf der B455 gemeinsam zum Treffpunkt zu radeln. Die stark befahrene Bundesstraße ist auf diesem Abschnitt besonders kurvenreich und uneinsehbar, deshalb eine Zitterpartie für jeden Radfahrer vor allem im Berufsverkehr. Die Demonstration zum Kundgebungsort Amstertal hingegen war durch Polizei und Ordnungsamt bestens abgesichert. Den Corso führte Knut Feix auf seinem Traktor mit dem Motto der Aktion „Radweg jetzt“ an.

Die Teilnehmer an der überparteilichen Initiative der Eppsteiner SPD einte der Wunsch nach einem direkten und sicheren Radweg entlang der B455 – nicht erst in Jahren oder Jahrzehnten, sondern möglichst bald. Da es sich um eine Bundesstraße handelt, ist das Land Hessen und dessen Straßenbauamt Hessen Mobil stellvertretend für den Bund zuständig. Thomas Schäfer, Mitglied der SPD-Stadtverordnetenfraktion und leidenschaftlicher Radfahrer, forderte das Land Hessen bei der Kundgebung auf, jetzt tätig zu werden und den Straßen begleitenden Radweg nach Bremthal in absehbarer Zeit auszubauen. Die Radler bekräftigten ihren Appell mit Corona konformem Klingeln und Hupen.

Die Diskussionen um den Radweg entlang der B455 begannen schon Anfang der 1980er Jahr zu einer Zeit, als das Freizeitradeln im Taunus noch nicht so stark verbreitet war oder die Bereitschaft, mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zur Schule zu pendeln. Seit dem ist der Bedarf gestiegen. „Bedingt durch die Zunahme der E-Bikes wird die Problematik immer größer“, stellte Schäfer fest.

Das Land Hessen hat dem bereits Rechnung getragen und den Radweg in den regionalen Flächennutzungsplan 2010 aufgenommen, wie der Sprecher des ADFC Dr. Holger Küst auf der Kundgebung informierte. Doch eine Aufnahme

in die Liste der zu bauenden Radwege ließe seither auf sich warten, es müsse noch mehr investiert werden, damit auch dieses Projekt zeitnah realisiert werden könne. Im Juni kritisierte die SPD im Landtag beispielsweise, dass Hessenmobil von den bis 2022 geplanten 59 Radwegen bisher erst acht gebaut habe.

Dass der Radweg keine Priorität hat, zeigt auch das Radverkehrskonzpept des Main-Taunus-Kreises von 2019, mit dem Vermerk, dass die Ausführung des 1,68 km langen Radweges vom Bahnhof Eppstein zum Bahnhof Bremthal „langfristig“ erfolge. Die Verbindung ist nicht nur ein lokales Vorhaben, sondern eine Teilstrecke der Verbindung Kelkheim-Wiesbaden. Bis zum Eppsteiner Bahnhof ist die „Radverkehrsanlage“ laut Hessenmobil fertig.

Um das Projekt dennoch voranzutreiben, ist die Stadt Eppstein vor zwei Jahren selbst aktiv geworden.

Demo will Radwegbau forcieren

Die Stadt hat damals für das erste Teilstück zwischen dem Herrngarten in Alt-Eppstein und dem Amstertal eine Vorplanung vorgelegt. Der Radweg – im Vorentwurfsstadium mit einer Breite von 2,50 Meter ausgelegt – soll zwischen Bahntunnel und Daisbach durch den Wald geführt werden und auf der Höhe des Amstertals den Bach queren.

Umso mehr bedauerten die Demo-Organisatoren, dass weder Bürgermeister oder hauptamtliche Stadträtin noch der Eppsteiner CDU-Landtagsabgeordnete Christian Heinz den Weg zur Demo ins Amstertal fanden.

Schäfer will gehört haben, dass das Teilstück in ein bis zwei Jahren gebaut werden soll. Eine konkrete Planung für die weiteren Teilstücke nach Bremthal fehle noch. „Wenn der Radweg hier im Amstertal enden soll, dann wäre das ein Schildbürgerstreich“, so Schäfer. Am Amstertal zweigt ein Radweg durch den Wald nach Langenhain und Wildsachsen ab. Um Bremthal auf dem kürzesten Weg zu erreichen, bliebe nur der gefährliche Ritt über die B455. Deshalb startete Schäfer am Montag eine Petition an den Landtag und sammelte bis Redaktionsschluss am Dienstag bereits 76 Unterschriften. Für die Fortführung des Radwegs gibt es für jedes der vier Teilstücke nach Bremthal West mehrere Varianten entlang der Straße vor und hinter dem Bahndamm. Der Magistrat hat die Vorschläge für den Streckenverlauf inzwischen bei Hessen Mobil eingereicht, aber bisher keine Rückmeldung erhalten.

Fast alle Grundstücke, die für den Rad- und Gehweg benötigt werden, sind im Besitz der Stadt, lediglich der Erwerb eines Dienstweges der Deutschen Bahn stehe noch aus, berichtete Bürgermeister Alexander Simon. „Wir sind froh, dass wir im vergangenen Jahr erreichen konnten, dass Hessen Mobil die Kostenträgerschaft anerkannt hat“, sagte er im Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung, „das war ein wichtiger Erfolg.“ Darüber hinaus hat die Behörde noch keine Mittel für den Ausbau zugesagt, auch nicht für das erste Teilstück.

„Bevor gebaut werden kann, wird es erst einmal eine naturschutzrechtliche Prüfung durch die untere Naturschutzbehörde des Main-Taunus-Kreises geben, eine Bürgerbeteiligung und höchstwahrscheinlich einen Planfeststellungsbeschluss“, so Simon. Gut möglich, dass bis dahin noch eine Menge Wasser den Daisbach hinunter fließt.mi

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