Jugendlicher auf dem Bahnsteig überfallen – alle schauten weg

Am Gleis 2 des Eppsteiner Bahnhofs wurden in den vergangenen Tagen mehrmals Jugendliche Opfer anderer Jugendlicher.Foto: jp

Am helllichten Tag wurde ein 17-Jähriger aus Vockenhausen am Mittwoch vergangener Woche am Eppsteiner Bahnhof von einem jugendlich wirkenden Täter ausgeraubt. Der Geschädigte gab zu Protokoll, der Täter habe ihn auf dem Gleis gegen 15.15 Uhr um Wechselgeld gebeten.

Nachdem er dieser Bitte nicht nachkam, soll ihn der 1,80 Meter große und etwa 17 Jahre alte Täter festgehalten und Geld gefordert haben. Der junge Eppsteiner, der eigentlich mit der nächsten S-Bahn Richtung Hofheim fahren wollte, rannte stattdessen in Richtung der Bahnschranken, wo ihn der Unbekannte einholte, bedrohte und schlug. Der Geschädigte gab dem etwa Gleichaltrigen daraufhin das wenige Geld, das er bei sich trug. Der Räuber stieg in eine S-Bahn ein und verschwand Richtung Frankfurt.

Er soll lange schwarze Haare und einen dunkleren Teint gehabt haben. Zudem sei er mit einem dunklen Oberteil, einer grau-schwarzen Jogginghose von „Nike“, schwarzen Schuhen mit roten Streifen von „Hugo“ und einer Umhängetasche bekleidet gewesen

Ein anderer Überfall ereignete sich am Montag. Drei elfjährige Jungs aus Eppstein waren kurz vor 15 Uhr am Bahnhof, wo zwei etwa 15-Jährige auf sie zugingen und Geld forderten. Dabei soll einer der Räuber einen Elfjährigen in den Schwitzkasten genommen haben. Nachdem das Duo einen zweistelligen Bargeldbetrag erbeutet hatte und beim Versuch, eine Umhängetasche zu stehlen, scheiterte, flüchteten die drei Opfer mit ihren Fahrrädern und alarmierten die Polizei, die aber keine Verdächtigen mehr ausmachen konnte. Die beiden Täter sollen etwa 1,70 Meter groß gewesen sein und einen dunklen Teint haben. Einer trug der Beschreibung nach ein dunkles T-Shirt von „Nike“ und eine beigefarbene Tasche. Der Zweite sei schlank gewesen und trug eine dunkle Basecap mit einem „Gucci“-Lable und eine dunkelblaue Jogginghose.

Auffällig seien die Parallelen in beiden Fällen, bestätigt die Hofheimer Kripo: Ähnliches Vorgehen, Ähnlichkeiten zwischen den Tätern und der gleiche Tatort, zumal Eppstein eigentlich nicht zu den Kriminalitätsschwerpunkten im MTK zählt. Die Polizei sucht deshalb Zeugen, insbesondere den Mann, den der 17-jährige Überfallene um Hilfe gebeten hatte.

Aber auch andere Beobachtungen können hilfreich sein, um die Tat und das Umfeld des oder der Täter einzugrenzen, betont die Kripo und nennt Beispiele: Auffällige Gruppen oder Personen, auf die die Beschreibungen passen, die an den beiden Nachmittagen in Eppstein, in der S-Bahn oder an anderen Orten entlang der Strecke beobachtet wurden. Vor allem aber bittet die Polizei Passanten, die Zeugen eines solchen Überfalls werden, dass sie Zivilcourage zeigen und unmittelbar den Notruf 110 wählen, um die Polizei zu alarmieren.

„Es soll sich keiner selbst in Gefahr begeben und eingreifen“, betont Polizeirat Thomas Trapke von der Kripo Hofheim. Aber es sei auffällig, dass Menschen sich in solchen akuten Notfällen abwenden, ganz anders als nach schweren Unfällen oder anderen Unglücksfällen wo viele sofort das Handy zücken und Aufnahmen machen, obwohl dies verboten sei.

Für den 17-Jährigen, um den sich keiner der anderen Fahrgäste kümmerte, sei diese Erfahrung fast noch schrecklicher als der Überfall selbst, erzählt seine Mutter, die uns gebeten hat, dass wir darüber schreiben, wie erschüttert die Familie sei, dass keiner auf die Hilferufe des Jugendlichen reagierte: „Die anderen sind in den ersten Zug Richtung Frankfurt eingestiegen und haben noch nicht einmal dann die Polizei alarmiert, als sie selbst in Sicherheit vor dem Täter waren“, sagt die Mutter.

Ihr Sohn war an diesem Nachmittag auf dem Weg zu einem Freund, der in Hofheim wohnt. Seit dem Überfall gehe er fast nicht mehr aus dem Haus. Sie hofft, dass doch noch einer der Augenzeugen so viel Courage hat, seine Beobachtungen bei der Polizei zu melden.

Die Kriminalpolizei in Hofheim bittet Zeuginnen oder Zeugen, sich unter der Telefonnummer (0 61 92) 20 79-0 zu melden. „Jede noch so kleine Beobachtung kann wichtig sein“, betont Thomas Trapke.bpa

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