Hinweistafeln erinnern an „Ein starkes Stück Gemeinschaft“

Bernhard und Berthold Gruber, Lothar Racky, Alexander Simon, Martina Smolorz, Rainer Morgenstern und Stefanie Reitter (v.li.) enthüllen vor der Ortsbeiratssitzung die neuen Tafeln. Foto: bpa

Bernhard und Berthold Gruber, Lothar Racky, Alexander Simon, Martina Smolorz, Rainer Morgenstern und Stefanie Reitter (v.li.) enthüllen vor der Ortsbeiratssitzung die neuen Tafeln. Foto: bpa

Die Enthüllung der beiden neuen Info-Tafeln am Dorfplatz in Ehlhalten war vor allem für Stadtrat Berthold Gruber und Ortsvorsteherin Martina Smolorz ein Grund zum Feiern.

Ein Dreiviertel Jahr lang, so die beiden, haben sie Fotos ausgesucht und etliche wieder beiseite gelegt, darüber diskutiert, welche Ereignisse unbedingt auf den Tafeln beschrieben werden sollten und wie kurz die Infos sein dürfen, um dennoch verständlich zu sein. Fast 800 Jahre Geschichte auf drei schmalen Tafeln, denn im Silberbachtal steht eine weitere, die die Geschichte des Köhlerhandwerks und des Kohlemeilerfestes in Ehlhalten erzählt – „das war eine echte Herausforderung“, waren sich die beiden bei der Enthüllung am vergangenen Mittwoch einig.

Zusammen mit Bürgermeister Alexander Simon luden sie vor der Ortsbeiratssitzung an der Pfarrscheune zu einem feierlichen Umtrunk ein und vergaßen dabei auch nicht, Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith für ihre fachliche und redaktionelle Unterstützung und der namentlich nicht erwähnten Erblasserin zu danken, aus deren Nachlass die Stadt die drei neuen Hinweisschilder in Ehlhalten finanziert hat.

Smolorz, die seit einigen Monaten ein Archiv für Ehlhalten aufbaut, freute sich über den „kleinen Baustein zur Ehlhaltener Historie“. Sie habe bereits beobachtet, dass die Menschen stehen bleiben, um die Schilder zu lesen. Das Design mit vielen Fotos und Karten spreche die Passanten an. In kurzen Sätzen wird Ehlhaltens Geschichte erzählt, von der ersten urkundlichen Erwähnung 1233 über die wechselnden Herrschaften bis in die Neuzeit. Im Mittelalter gab es sogar zeitweise ein geteiltes Dorf, ist der Tafel zu entnehmen: Der westliche Teil gehörte zum Kurfürstentum Mainz, der östliche den Herren von Eppstein. Erwähnenswert: Den ersten Telefonanschluss und eine Wasserleitung gab es 1906.

Beim Ursprung des Namens „Ehlhalten“ durfte, nach Ansicht der beiden Chronisten, neben den möglichen mittelhochdeutschen Wurzeln die Sage vom Schneider nicht fehlen: Ihm sei beim Schneidern die Elle aus dem Fenster gefallen und sein Ruf „Elle halten“ soll dem Dorf seinen Namen gegeben haben. Die Geschichte sei zu schön, findet Gruber, deshalb schlüpfte er bei der 775-Jahrfeier 2008 persönlich in die Rolle des Schneiders und spielte die Szene beim nächtlichen Festumzug.

Es sei wichtig, dass die Menschen die Geschichte ihrer Heimat kennen und erfahren, was den Ort geprägt hat, ist Smolorz überzeugt und zählt auf, dass die Menschen früher vom Handwerk und von der kargen Landwirtschaft gelebt haben, wie sich die ersten Vereine gebildet haben und wie wichtig der Zusammenhalt war, um zu überleben. Dass es die Dattenbachhalle, Tennisplatz, Pfarrscheune und ein Bistro gebe, aber auch das Kohlemeilerfest, das seit dem 750. Jubiläum 1983 gefeiert werde, und der kleine Weihnachtsmarkt, der zur 775-Jahr-Feier ins Leben gerufen wurde, seien diesem Gemeinschaftssinn zu verdanken, sagte sie.

Die erste Tafel am Dorfplatz stehe deshalb unter dem Motto Ehlhalten „ein starkes Stück Gemeinschaft“. Fotos aus den 1930er Jahren zeigen die Menschen in der Langstraße vor der Kirche, bei der Heuernte oder 1946 beim Kerbeumzug. Auch einschneidende Ereignisse wie die letzte Gemeinderatssitzung vor der Eingemeindung nach Eppstein zum 1. Januar 1977 sind dokumentiert, ebenso wie die rasante Einwohnerentwicklung seit Erschließung der ersten Neubaugebiete Ende der 1960er Jahre.

Die zweite Tafel erinnert an Ehlhaltens Sehenswürdigkeiten – zu denen auch die zahlreichen Mühlen gehörten, wie die nicht mehr erhaltene Neumühle, die Silbermühle, die während der Dorferneuerung umgebaut wurde, oder die Hessenmühle im Dattenbachtal außerhalb des Ortes. Die Tafel zeigt Kirche und Pfarrscheune und verrät, warum der Heilige Wendelinus in Ehlhalten besonders verehrt wird. Ein eigenes Rathaus erhielt Ehlhalten erstmals 1960. Im Untergeschoss war die Feuerwehr untergebracht. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde das Gebäude umgebaut und im Erdgeschoss das Bistro „Altes Spritzenhaus“ im Jahr 2000 eröffnet – das jüngste und inzwischen einzige Gasthaus in Ehlhalten.

Einige Abbildungen erinnern an die Blütezeit der anderen Gasthäuser. So ist das auf einem historischen Foto abgebildete stattliche Fachwerk des Gasthauses „Zum Taunus“ an der Ecke Schloßborner Straße/Silberbachstraße seit Jahrzehnten unter Putz versteckt. bpa

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