Am vergangenen Freitag gähnte nur noch ein großes Loch am Fußgängerweg zum Bahnhof.
Die Diskussion über den Zustand und die Zukunft der Brücke wurde in Eppstein seit Jahren emotional geführt. Für viele Eppsteiner ist sie ein Teil ihrer Heimatstadt, ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Bahnhof und Altstadt. Deshalb fasste Bürgermeister Alexander Simon die Geschichte der Brücke und ihres Endes noch einmal zusammen:
Wie gesetzlich vorgeschrieben beseitigten die Arbeiter sämtliche Aufbauten wie das Geländer, die „Rutschkanten“, trennten soweit möglich sogar die Eisenstäbe der Bewehrung vom Beton, separierten sie und entsorgten sie getrennt. Danach galt es, die Brücke unmittelbar neben einem Privathaus zu entfernen. Der Abstand betrug lediglich 15 Zentimeter. Brücke und Treppenanlagen wurden in Teile geschnitten und herausgehoben und danach die Seitenteile der Brücke entfernt. Der Träger wurde schon fünf Tage nach Beginn durchtrennt. Innerhalb von fünf Tagen war die Brücke über die Bundesstraße beseitigt. Danach musste noch der Betonpfeiler am Schwarzbach und das Widerlager Richtung Bahnhof vorsichtig beseitigt werden. Das Bachbett musste, laut Auflage der Unteren Naturschutzbehörde, zusätzlich gesichert werden. Mitte voriger Woche hoben Kräne den restlichen Teil der Brücke in Richtung Straße, um diesen dort zu zerkleinern. Der nahegelegene Weg zum Stadtbahnhof musste noch abgesichert werden. Mit Erschütterungsmessgeräten wurden die Arbeiten überprüft. Ende voriger Woche waren die Arbeiten beendet.
„Die Brücke ist nun Geschichte“, sagte Bürgermeister Alexander Simon. Die Auftragssumme für den Rückbau der Brücke lag bei knapp 370 000 Euro, enthalten sind anteilige Kosten an der Verkehrssicherung und Umleitung.
Historie: Brücke im Jahr 1961 gebaut
Die Fußgängerbrücke über die Bundesstraße 455 und den Schwarzbach wurde im Zuge des Neubaus der Ortsumgehung gebaut und im Jahr 1961 fertiggestellt. Bereits 1982/1983 wurde sie umfangreich saniert und erhielt auf der Oberseite eine elastische, rissüberbrückende Beschichtung und auf der Unterseite eine Spritzbetonschicht.
2020 wurde eine Schadendiagnose beauftragt, bei der die Bewehrungsüberdeckung, die Karbonatisierungstiefe, also wie weit CO2 eingedrungen ist, die Druckfestigkeit des Betons, die Abreißfestigkeit und der Chloridgehalt gemessen und im Labor ermittelt wurden. Bei der späteren Hauptprüfung zur Untersuchung und Kontrolle der Brücke wiesen äußere Anzeichen darauf hin, dass die Bewehrung durch Korrosion geschädigt war. Dadurch verringerte sich die Tragfähigkeit der Brücke deutlich. Beim Abriss kamen jetzt tatsächlich zum Teil stark korrodierte Eisenstäbe zum Vorschein.
Die Einschätzung nach der Untersuchung lautete, dass „eine höhere Belastung als durch einzelne Fußgänger zu einem Einsturz der Brücke führen“ könne. Zur Sicherheit von Autofahrern und Fußgängern wurde die Brücke Ende November 2022 für den Fußgängerverkehr gesperrt. Im Januar wurde eine objektbezogene Schadenanalyse beauftragt.
Schadenanalyse
Zur Begutachtung der Bewehrung wurden sechs Stellen geöffnet, um den Zustand der Bewehrung visuell einschätzen zu können. An einer Stelle wurde Lochfraßkorrosion am Bewehrungsstahl festgestellt, bei dem ein Querschnittsverlust von 40 Prozent ermittelt wurde. Weiterhin waren die Rollenlager erheblich korrodiert. Ein erhöhter Chloridgehalt, bei dem unter Vorhandensein von Wasser mit chloridinduzierter Korrosion der Bewehrung zu rechnen ist, wurde an 23 von 60 der geprüften Messstellen ermittelt. Wasser konnte durch die zahlreich vorhandenen Risse und Abplatzungen in den Beton eindringen und führte im Zusammenwirken mit Chloriden zur partiellen Auflösung des Bewehrungsstahls.
Dadurch war die Tragfähigkeit der Stahlbetonkonstruktion eingeschränkt. Ob Tragfähigkeitsreserven vorhanden oder ob die Tragfähigkeit schon seinerzeit nicht mehr vorhanden waren, konnte aufgrund fehlender statischer Berechnungen und fehlender Bewehrungszeichnungen nicht ermittelt werden
Rückbau 2023 beschlossen
Die politischen Gremien waren in alle wesentlichen Entscheidungen im Zusammenhang mit der Fußgängerbrücke frühzeitig eingebunden. Sämtliche Gremien bis hin zur Stadtverordnetenversammlung im Juli 2023 beschlossen einstimmig, dass die Brücke abgerissen wird. In der Folge wurde das Konzept erarbeitet und die Haushaltsmittel bereitgestellt.EZ


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