Nächste Woche ist die Ruhe vorbei: Dann begrüßt Natur- und Umweltpädagogin Natalie Bach die ersten Kinder zum Frühlingserwachen auf ihrem Gelände: Für die dritten Klassen der Comenius-Schule beginnt am Dienstag ihr praxisnaher Sachkunde-Unterricht ganz offiziell in der Naturschule als außerschulischer Lernort.
„Wir orientieren uns dabei am Jahreslauf und nicht am Schuljahr“, sagt Bach. So lernen die Kinder, was im Laufe eines Gartenjahrs zu tun ist: säen, setzen und pflanzen im Frühjahr, um nach den Sommerferien im nächsten Schuljahr zu ernten. „Vom Schaf zum Schal“ hieß ein anderes Projekt, bei dem die Drittklässler des Vorjahres die geschorene Wolle wuschen, kardierten und kämmten. Später wurden aus Naturwolle die ersten Maschen gehäkelt und gestrickt. „Nur das Spinnen fehlt noch auf unserer Liste“, sagt Natalie Bach. Dafür sucht sie eine Spinnerin, die bereit ist, den Kindern, dieses Handwerk zu zeigen.
Seit einem Jahr arbeitet sie fest mit der Comenius-Schule zusammen. Jeweils mit den dritten Klassen, die bis zu den Sommerferien noch drei ganze Schultage mit dem praktischen Unterricht auf der Farm verbringen. „Anfangs konnte sich keiner vorstellen, wie ich 25 Kinder bändigen wollte“, erinnert sie sich: „Es hat geklappt!“. Wichtig sei, die Aufmerksamkeit der Kinder auf etwas Neues zu lenken. Dann greife sie zum Gartenwerkzeug oder gehe auf Entdeckungsreise mit der Lupe in die Insektenwelt oder arbeite mit dem Kamishibai-Theater, bei dem Geschichten mit Bildkarten dargestellt werden.
Die drei Monate Winterpause hat Bach genutzt, ihr neues Jahreskonzept zu entwerfen. Denn auch für die Lehrerinnen und Lehrer soll immer etwas Neues dabei sein. „Sei ein Held für unsere zukünftige Welt“, lautet das Motto für dieses Jahr. Themen sind neben dem Garten auch gesunde Ernährung und nachhaltiger Konsum. Die Kinder erforschen, wo und wie ihre Lebensmittel produziert werden.
Für die Pflanzen im Garten der Eppstein Farm arbeitet Natalie Bach mit örtlichen Gruppen zusammen: „Den Termin für die Samen- und Pflanzentauschbörse im April auf dem Wochenmarkt habe ich schon im Kalender notiert“, sagt sie und bringt auch getrocknete Samen aus dem eigenen Garten mit.
Das erste Jahr sei super verlaufen, sagt Bach rückblickend. Etliche Projekte wurden umgesetzt oder gestartet, auch dank des BUND, unter dessen Trägerschaft die Eppstein Farm und das Jugendangebot steht.
„Nur eins habe ich nicht geschafft“, sagt sie nachdenklich: „Mir fehlen immer noch Helfer“, stellt sie fast verwundert fest. Die Farm versteht sie als einen Ort der Begegnung für Kinder, Familien und Erwachsene und träumt davon, irgendwann einen wöchentlichen Gartentreff zu installieren oder auch Kurse für Erwachsene anzubieten.
Denn nicht nur für Schulklassen und Kindergärten steht die Eppstein Farm offen: „Während der Gartensaison kommen auch viele Erwachsene vorbei“, sagt sie. Dabei habe sie festgestellt, dass es schon viel Fachwissen in Eppstein gibt. „Es wäre toll, wenn das auf der Farm weitergegeben würde“.
Wer Interesse an einer Mitarbeit hat und sei es nur für ein paar Stunden Gartenarbeit oder zur Fütterung der Tiere, der kann sich über kindtiernatur[at]outlook[dot]de bei ihr melden.
In der Regel ist die Eppstein Farm während der Saison, die nach den Osterferien beginnt, bis nach den Herbstferien samstags von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Dann wird im Garten gearbeitet, werden die Ställe ausgemistet. Kinder können ihren „Kaninchenführerschein“ absolvieren und Pflanzen und Kräuter kennenlernen. Schon jetzt können Gartenbegeisterte sich den 31. Mai vormerken, dann feiert die Eppstein Farm einen Erlebnistag. Als besonderes Event organisiert Bachs Tochter Anne wieder ein Schneckenrennen.bpa

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