Deutsch-Kurzhaar-Hündin Tarya begleitet ihn auf seinen Streifzügen durch das Revier und auf der Jagd. Das Eppsteiner Revier sei bei seiner Bewerbung seine erste Wahl gewesen, sagt der 30-Jährige, der seine erste praktische Erfahrung als Betriebsassistent im Forstamt Michelstadt machte, sich für drei Revierförstereien bewarb – und die Zusage für Eppstein erhielt. Möglicherweise der Beginn einer Lebensaufgabe.
Ihm sei bewusst, sagt Murray nachdenklich, dass er quasi einen alteingesessenen Familienbetrieb übernehme. Denn Vorgänger Peter Lepke, der Anfang 2025 unerwartet mit 64 Jahren starb, war Förster in dritter Generation in Eppstein.
Das noch von Lepke erstellte Forsteinrichtungswerk mit den Zielen für die nächsten zehn Jahre werde ihm dabei helfen, sich einzuarbeiten, ist Murray überzeugt. „Ansonsten habe ich vermutlich die nächsten 37 Jahre lang Zeit, den Wald kennenzulernen und Aufbauarbeit für die nächste Generation zu leisten“, sagt er schmunzelnd. Sein Sohn, hofft er, werde hier Wurzeln schlagen.
Der gebürtige Frankfurter suchte ein heimatnahes Revier, denn seine Frau, die als Psychogin beruflich nicht ortsgebunden ist, stammt aus dem Taunus. Der Eppsteiner Wald habe ihm sofort gefallen, sagt Murray: „Ein schöner Mischwald mit hohem Laubholzanteil und vielen Eichen.“
In den kommenden Monaten will er den Wald kennenlernen, auch die besonders geschädigten Flächen. Das Käfermonitoring sei wichtig in den wenigen verbliebenen Fichtenbeständen. Auch der Eichenprachtkäfer müsse beobachtet werden.
Über den Zustand der Bäume könne er noch nicht viel sagen, da er sich erst einen Überblick über sein rund 613 Hektar großes Revier verschaffen müsse. Interims-Försterin Katharina Herweh stehe ihm dabei zur Seite. Zusammen mit ihr werde er in den kommenden Monaten den Wirtschaftsplan für 2027 erarbeiten und der Stadt vorlegen. Der Ertrag stehe für ihn nicht im Vordergrund. Der Wald sei witterungsabhängig, deshalb sei die wichtigste Aufgabe, den Wald für die nächste Generation zu erhalten und junge Kulturen zu schützen.
Dass es viele unterschiedliche Lagen und unterschiedliche Baumbestände in den einzelnen Stadtteilen gibt, habe er bereits festgestellt. Neben dem Stadtwald gibt es in Eppstein außerdem noch 835 Hektar Staatswald und 179 Hektar Privatwald – alles in allem über 1630 Hektar Waldfläche: Etwa zwei Drittel der Eppsteiner Gemarkung sind mit Wald bedeckt.
Das vorrangige Ziel müsse sein, diese Vielfalt zu erhalten, sagt der neue Förster. In der Regel verjünge sich der Wald dann von selbst. Manchmal, vor allem auf Kahlflächen, müsse die Brombeere zurückgedrängt werden, damit junge Bäume die Chance haben, zu wachsen.
Einen Nadelholzanteil will er erhalten und nachpflanzen: „Schon aus Wirtschaftlichkeit und um Importhölzer zu vermeiden.“ Vor seinem Forstwirtschaftsstudium habe er Schreiner gelernt und sehe die Notwendigkeit, heimisches Bau- und Möbelholz zu produzieren.
Die Eiche sei eine seiner liebsten Baumarten. Trauben- und Stileichen gebe es in Eppstein viele, die nicht heimische Roteiche glücklicherweise nur selten. Sie wächst zwar schneller als deutsche Eichen, sei aber weder ökologisch noch wirtschaftlich besonders wertvoll.
Auch die grundsätzlichen Ziele der Stadt, die als Waldbesitzerin die Bewirtschaftungsziele vorgibt, seien ihm sympathisch: An erster Stelle stehe der Schutz des Waldes, an zweiter die Erholungsfunktion und erst an dritter Stelle die Holznutzung. Das sei im Odenwald mit hohem Privatwaldanteil und geringerer Siedlungsdichte häufig anders.
Auch die Erholungsfunktion sei wichtig, sagt Murray, der selbst ein Zertifikat für Waldpädagogik hat. Als eine seiner ersten Aktionen in Eppstein unterstützte er deshalb die Kollegen vom Forstamt Königstein bei den Walderlebnistagen im Eppsteiner Wald für Schulen aus dem gesamten Einzugsgebiet des Forstamts, dem auch das Eppsteiner Revier angehört.
Das Bewusstsein für den Wald sei bei vielen Menschen in den vergangenen Jahren gewachsen. Er habe von den Pflanzaktionen der vergangenen Jahre gehört und sei wie sein Vorgänger bereit, solche Aktionen vorzubereiten – „aber erst“, so der neue Förster, „wenn ich mir den Wald genau angeschaut habe“. bpa

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