Erste Burgführung nach der Sanierung gut besucht

Bei der ersten Burgführung nach mehr als zwei Jahren auf der wiederöffneten Burg drängten sich die Teilnehmer vor dem Bettelbub.Foto: Jochen Haupt

Bei strahlend blauem Himmel, sonnigem Wetter und immer noch warmen Temperaturen drängten sich über 60 Besucher und Besucherinnen am vergangenen Freitag vor dem Burgtor.

Sie waren der Einladung von Bürgermeister Alexander Simon und Museumsleiterin Monika Rohde-Reith zu einer Führung zur Wiedereröffnung von Burg Eppstein gefolgt. Auch Burgführer Ulrich Geffers, vielen bekannt als Ritter Ulrich, war dabei. Pünktlich um 16 Uhr wurden die Besucher begrüßt und ein Gutschein für ein Getränk ausgegeben, der in der Juchhe eingelöst werden konnte. Dort bewirteten die Burgschauspieler die Besucher.

Der Museumsleiterin sah man die Freude über die Führung an, als sie verkündete, dass 2022 ein besonderes Jubiläumsjahr sei: 900 Jahre sind seit der ersten urkundlichen Erwähnung der Burg 1122 vergangen. Die Besucher betraten die Burg über den Westeingang und der erste Stopp war beim Haus des Kastellans. Da Leander Kulisch sich gerade im Urlaub befand, übernahm seine Mutter die Begrüßung der ersten offiziellen Burgbesucher seit über zwei Jahren und nahm zur Wiederaufnahme des Regelbetriebes von Bürgermeister Simon einen großen Blumenstrauß entgegen.

Richtung „Bettelbub“ wurde darauf hingewiesen, dass die Burg nun vollständig mit den Hinweisschildern für Besucher, den „19 Points of Interest“ auf Deutsch und Englisch durch den Burgverein ausgestattet worden sei. An diesem Tag konnte sogar ein Blick in das ehemalige Verlies geworfen werden, was für viele der anwesenden Eppsteiner eine echte Premiere war. Im Burghof angekommen, erzählte Monika Rohde-Reith wie gewohnt lebendig aus der Geschichte der Herren von Eppstein und der Burg. Da fehlte weder die bekannte Geschichte von der Rippe des Riesens, noch die Sage von Ritter Eppo und seiner Berta über die Gründung der Burg.

Während Rohde-Reith immer wieder weit zurück in die Geschichte der Burg abschweifte, führte Alexander Simon die Besucher in die Neuzeit: Seit März 2020 waren die Tore der Burg verschlossen. Zunächst Corona bedingt, doch wenige Monate später entdeckten die Archäologen einen tiefen Riss im Mauerwerk des Westzwingers und ließen den Westaufgang sperren. Kaum ein Jahr später, kurz vor der geplanten Wiedereröffnung der Burg, erhielt Simon einen Anruf, dass Steine vom Bergfried in den Innenhof gefallen waren. Die Sache wurde damals mit diversen Experten sofort untersucht und dabei festgestellt, dass bei der Turmsanierung in den 1970er Jahren offenbar ein Mörtel benutzt worden war, der sich nicht mit dem Natursteinmauerwerk vertrug. Die Burg blieb zu. Der Bergfried wurde schließlich eingerüstet, was bei seiner runden und ovalen Form ebenfalls eine Herausforderung war.

67 Wochen blieb das Gerüst stehen. Jetzt sind die Sanierungsarbeiten am Turm so gut wie abgeschlossen und das Gerüst abgebaut. Da die Einrüstung wesentlich länger dauerte als geplant, nutzte die Stadt die Zeit für weitere Projekte. So wurde auch die Wetterfahne von 1906 erneuert. Das Budget von knapp 280 000 Euro wurde trotzdem nicht überschritten.

Auf der Burg stehen jedoch weitere Baumaßnahmen an: Die Erneuerung der Nordmauer hinter dem Bergfried sei wegen Feuchtigkeit als nächstes Projekt geplant, so Simon. Der Bürgermeister erwähnte auch die neue Burgbeleuchtung, die auf LED-Technik umgestellt worden sei, so dass die Burg nun punktuell wesentlich gezielter erstrahlen kann. Er verschwieg aber auch nicht, dass dies momentan aufgrund der Energiespar-Vorgaben der Regierung nicht möglich sei. Simon zeigte sich aber zuversichtlich, dass es Ausnahmen in der Advents- und Weihnachtszeit geben werde. Monika Rohde-Reith freute sich über Funde bei Ausgrabungen während der Sanierungsarbeiten. So fand man kleine Scheiben aus dem 10. Jahrhundert, Kacheln und Knochen. Die Museumsleiterin sprach stolz von ihrem persönlichen „Pompeji“.

Nach der einstündigen Führung konnten die Besucher den Bergfried besteigen oder das Museum besuchen. Ritter Ulrich stand ebenfalls für Fragen zur Verfügung. Die meisten Besucher zog es jedoch in den kühlen Raum des neuen Juchhe-Baus. Dort ließen es sich auch die beiden Eppsteiner Helga Terzka, die gute Seele in der Kleiderkammer der Burgschauspieler, und Burglauf-Gründer Claus Hilles gut gehen. Beide wollten unbedingt bei der Wiedereröffnung der Burg dabei sein und genossen das Erfrischungsgetränk, das ihnen die Burgschauspieler ausschenkten. sr

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