BUND und Kulturkreis lockten Besucher in Eppsteiner Gärten

Im Garten von Familie Jährling in Vockenhausen: Yvonne Winter, Dagmar Beck, Anna, Angela und Else Jährling und Gaby Schmitt.Foto: Caren Lewinsky

Die Besucher der offenen Gärten konnten sich am Wochenende zum Beginn der Sommerferien auf ein abwechslungsreiches Kunstprogramm und eine Abkühlung in Eppsteiner Gärten freuen. Die Gärten der teilnehmenden Familien waren mit Schildern vom BUND „Wir machen mit“ gekennzeichnet.

In der Lindenkopfstraße in Ehlhalten fand der Ankömmling seinen Weg durch die Garage der Hartmanns, dahinter eine Treppe, die zu einer Fantasiewelt hinabführte. Glasmobile, die in der Sonne glitzerten, Tiergesichter schauten aus den Bäumen und Aufstelltische mit schönen Kunstwerken ließen den Garten farbenprächtig und unwirklich erscheinen. Auf der schattigen Terrasse saßen Karin und Wolfgang Hartmann mit Cäcilie Daus-Speicher. Die Hartmanns sind im BUND aktiv. Am Samstag zählten sie 22 Gartenbesucher aus Wiesbaden, Camberg, Bad Schwalbach und natürlich aus Eppstein, am Sonntag weitere 20 Besucherinnen und Besucher.

Vor drei Jahren hatte der BUND Gärten bewertet und gab Anregungen, wie sie naturgerechter gestaltet werden können. Ende Juli waren wenige Blüten zu sehen, „die Aktion hätte früher stattfinden sollen“, bedauerte Karin Hartmann, dann hätte es im Garten noch geblüht.

Durch Corona entstand die Idee der offenen Gärten. Weil ein Garten allein aber zu wenig sei, kam Karin Hartmann die Idee für eine Kunstaustellung. Der BUND holte sich die Fotogruppe Eppstein im Kulturkreis und den Künstlertreff, der jeden letzten Mittwoch im Monat in der Eppsteiner Wunderbar zusammenkommt, mit ins Boot. Cäcilie Daus-Speicher vom Künstlerfreff malt erst seit kurzem. Einmal im Monat übe sie in einem Malatelier, besäße weder Pinsel, Farbe noch Staffelei. Ihre schönen Tiergesichter und das Gesicht eines Kindes lassen den Betrachter auf weitere Kunstwerke hoffen. Einige hingen bereits in der Wunderbar, wie beispielsweise ihr Löwe.

Ute Rutenbeck bot eine große Sammlung von Tiffany-Glasarbeiten an. Mit ihrer Freundin Caroline Niedlich schafft sie die wunderbare Dinge. Dazu wird farbiges Glas geschnitten und gelötet. Aus dem Gras lugten gläserne Blumen, Wichtel, Teelichter und Tiere. Bärbel Vogel beeindruckte mit ihrer Serviettentechnik, womit sie seit über 20 Jahren die unterschiedlichsten Materialien dekoriert. So verwertet sie ausgediente Dinge weiter. Beim sogenannten Upcycling verzierte sie beispielsweise einen alten Gartenschlauch mit Blumen und Gießkännchen mit Serviettentechnik und verwandelte ihn in einen sonnig-gelben Türkranz.

In Vockenhausen stellte Barbara Krämer ihre Kunstwerke vor. Im Mittelpunkt ihres Gartens lockten die Blüten des Schmetterlingsflieders zahlreiche Schmetterline an. Ein Mobile aus Verschlusskappen von Silvesterraketen und verschiedenste Bilder dekorierten Gartenhäuschen und den benachbarten Garten. Zu sehen gab es den farbenprächtigen Röhrenwurm und weitere Unterwasserfotografien von Jürgen Damm, der zurzeit 77 Bilder im Justizzentrum Wiesbaden ausstellt. Seine Fotografien, aufgenommen mit einem Spezial-Fotoapparat mit Belichtung von beiden Seiten, seien kaum bearbeitet. Würde das Licht von vorne kommen, wie bei einer normalen Kamera, „würden nur die Schwebeteilchen im Wasser belichtet und die Tiere dahinter wären nicht zu erkennen“, erklärte Damm. Auch Ines Garrido-Kiesow, Stephanie Robitschko und Karin Steffens Naturfotografien machten Lust auf mehr.

Nicht weit entfernt, eine steile Straße aufwärts, gab es den märchenhaften Garten der Jährlings zu bestaunen. Es blüht und summt. Die Mitorganisatorin vom Kulurkreis Eppstein, Yvonne Winterer, schaute vorbei und ließ sich den tragbaren Malkoffer auf Stativ der Künstlerin Gaby Schmitts erklären. In ihm finden Farben und das Bild, mit Öl gemalt in einer Art zweitem Deckel genügend Raum zum Trocknen. Es waren vor Ort gemalte Natureindrücke aus dem Garten der Jährlings, die die Kunstliebhaber bewunderten. Die von Schmitts in der Eppsteiner Altstadt mitgestaltete Bank steht in der Verbindungsgasse zwischen Burgstraße und Hintergasse.

Dagmar Beck stellte ihre aus Ton gefertigten Keramikunikate aus. Über eine gewundene Treppe gelangten die Besucherinnen und Besucher zur Terrasse und zum Garteneingang. Dort erläuterte Raimund Mühlhaus seine interessanten Fotografien, die trotz der Sommerhitze zum Verweilen einluden.

Im Hessenring stellten Oliver und Tochter Sarah Arzt ihre Gemälde und eine Tuschezeichnung im eigenen Garten aus. Sarahs Wappen der vier Häuser von Hogwarts dürften bei Jung und Alt Anklang finden.

Eine Abkühlung gab es in der Eppsteiner Altstadt bei Familie Lenz. Nach dem erfolgreichen Erklimmen der „Venentreppe“ zum Woogberg hinauf, erwartete den Natur- und Kunstliebhaber ein Guss nach traditioneller Kneipp-Art. Pfarrer Sebastian Kneipp, der just an diesem Tag 200 Jahre alt geworden wäre, wusste Peter Lenz, heilte sich selbst von der Tuberkulose mit Bädern in der kalten Donau. Bis zu seinem Tod mit 76 Jahren habe er in Bad Wörishofen sein bis heute anerkanntes, ganzheitliches Naturheilverfahren entwickelt. Erst als Spinner verlacht und sogar als Kurpfuscher angeklagt, erfuhr sein Werk 2015 sogar die Ehrung als immaterielles Unesco-Weltkulturerbe. Das Ehepaar Lenz und Schwager Rainer bieten als Kneipp-Gesundheitstrainer ein ganzheitliches Gesundheitsprogramm an. Anja Lenz ist Diplom-Ingenieurin für Haushalts- und Ernährungstechnik und zudem Trainerin mit B-Lizenz für Step Aerobic und Pilates. Bewegung und Ernährung sind ihre Schwerpunktthemen. Rainer Lenz als praktischer Arzt, Facharzt für psychosomatische Medizin und Diplom-Kneipp-Arzt bringt sein Wissen in der Ordnungstherapie ein. Peter Lenz, gelernter Zimmerer und Architekt, ergänzt die beiden im Outdoorbereich als Wald- und Naturtherapeut und Kursleiter für intuitives Bogenschießen. Die Ehepartner sind beide aktive Marathonläufer.

Der BUND hat an die 50 Gartenbesuchern naturfreundliche Gärten gezeigt. Vorsitzender Klaus Stephan führte an beiden Tagen Fahrradfahrerinnen und -fahrer zu allen neun Gärten und freute sich trotz der Sommerhitze über viele Blüten an denen zahlreiche Insekten entdeckt werden konnten. Mit Kunst gelockt, haben alle etwas für sich mitgenommen. Der eine ein erstandenes Kunstwerk, die andere eine Anregung für eigenes künstlerisches Schaffen oder den eigenen Garten und der Nächste etwas für seine Gesundheit – oder alles auf einmal.ccl

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