Der Bürgermeister blickt zurück

Juli: Die ersten Fördermittel aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ werden an Vereine, Kirchen und Gastwirte ausgeschüttet.

Liebe Eppsteinerinnen und Eppsteiner,

im vergangenen Jahr hat sich für uns auf einmal alles verändert.

Für die Nachkriegs-Generationen ging mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine eine Zeit zu Ende, in der man Kriege meist nur aus den Nachrichten oder aus Erzählungen der Geflüchteten kannte. Plötzlich war Krieg ganz nahe und diejenigen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, fühlten sich plötzlich an diese schreckliche Zeit erinnert. Die Bilder und Berichte über Kriegsgräuel verstören.

Im März kamen die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine in Eppstein an. Einige konnten privat unterkommen, rund 200 Geflüchtete wurden in der als Notunterkunft vom Main-Taunus-Kreis eingerichteten ehemaligen Sparkassenakademie untergebracht. Sofort standen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer parat, die halfen, organisierten, betreuten. Ihnen gilt mein herzliches Dankeschön. Nach Auflösung der Unterkunft in der ehemaligen Sparkassenakademie musste für die Menschen eine neue Bleibe gesucht werden und es gelang, einigen Wohnraum in Eppstein zu organisieren.

Was künftig mit dem Areal der ehemaligen Sparkassenakademie geschehen wird, ist offen. Wir wollen mit Ruhe und Bedacht an dieses städtebaulich exponierte Thema herangehen. Kommunalpolitische Entscheidungsträgerkönnen gute Ideen und Vorschläge entwickeln. Für ein erfolgreiches Wirken ist hier eine frühzei-tige Beteiligung, Einbeziehung und Mitwirkungsmöglichkeit der Bürgerschaft unerlässlich. .

Und auch die Corona-Pandemie gab es im Jahr 2022. Einige Menschen, die sich montags am Rathaus in Vockenhausen trafen und sich selbst gerne als einfache Spaziergänger sahen, ihren Unmut gegen Schutzmaßnahmen zum Ausdruck brachten und in Ansprachen mit abenteuerlichen und abwegigen Gruselgeschichten aufwarteten – die stille Mehrheit sah nach dem zweiten Corona-Winter frohen Mutes den wiederauflebenden Veranstaltungen und Treffen entgegen.

900 Jahre Ersterwähnung der Burg: Im Jubiläumsjahr drei große Projekte beendet – Eppstein ist „Herzenssache“

Testzentren in Eppstein wurden eingerichtet, im Rathaus in Vockenhausen gab es regelmäßige Impfangebote, die von vielen wahrgenommen wurden.

Wir lernen immer besser, mit dem Virus zu leben. So konnten wir ohne Lockdown ein herrliches Veranstaltungsjahr in Eppstein genießen. Sogar die Burgfestspiele waren trotz letzter Arbeiten am Bergfried möglich und bescherten uns wunderbare Sommerabende auf der Burg. Zur großen Freude der Burgschauspieler wurde die Juchhe pünktlich zum Festspiel-Auftakt in Betrieb genommen. Auch das 50. Burgfest des Burgvereins konnten wir wieder richtig feiern. Statt eines Burgfestes „light“ wie noch im Jahr zuvor, lud der Burgverein an drei Tagen zum Fest. Unvergessen der farbenprächtige Umzug der Eppsteiner Vereine zur Burg hinauf.

Endlich, seit der Schließung im März 2020, konnte die Burg im September wieder offiziell öffnen. Das Gerüst am Bergfried war abgebaut, und der 25 Meter hohe Turm mit rund 28 Tonnen Steinen und 12 Tonnen Mörtel gesichert. In der neu hoch gezogenen Mauerkrone wurde im Frühjahr eine Zeitkapsel eingemauert. Und noch ein großes Projekt wurde auf der Burg neben Juchhe und Bergfried im vergangenen Jahr beendet: Das neue Beleuchtungskonzept, mit knapp 200 000 Euro das größte Projekt des Burgvereins, wurde abgeschlossen. 900 Jahre nach ihrer urkundlichen Ersterwähnung wurde die Burg wieder beliebtes Ausflugsziel und Besuchermagnet. So passt es, dass im Jubiläumsjahr drei große Projekte auf der Burg abgeschlossen wurden.

Bis zu 90 Prozent Einsparung des Stromverbrauchs sind dank der LED-Leuchten möglich. Genießen können wir die wie in silbriges Mondlicht getauchte Burg zunächst nicht jeden Abend. Wegen der bundesweiten Energie-Sparmaßnahmen musste sie zeitweise unbeleuchtet bleiben.

Noch vor Ostern wurde eine weitere Baumaßnahme beendet: Die letzten 150 Meter der Gimbacher Straße wurden ganz im Zeitplan erneuert, so dass die Zufahrt zum Kaisertempel und zum Restaurant wieder frei gegeben wurde. In der Kindertagesstätte in Niederjosbach wurde das Untergeschoss umgebaut. Jetzt ist Platz für eine weitere Gruppe. Die Anzahl der Betreuungsplätze wurde um 15 auf 90 Plätze erhöht.

Da darüber hinaus weitere Kindergartenplätze im Stadtgebiet dringend benötigt werden, wurde das Bauleitplanverfahren für das Areal An der Embsmühle in Vockenhausen weiter vorangetrieben. Nach zwei offiziellen Bürgerbeteiligungsphasen und mehreren Gesprächsterminen vor Ort und einer Anliegerversammlung im Rathaus, hält die Kommunalpolitik einstimmig an der Idee fest, eine neue Kinderbetreuungseinrichtung mit vier Kindergartengruppen und bis zu drei Krippengruppen zu bauen, auch wenn dies auf anhaltende Kritik der Nachbarschaft stößt.

Nur noch einige wenige Bushaltestellen müssen in den nächsten Jahren barrierefrei ausgebaut werden, so, wie es die Bundesgesetze vorschreiben. 31 Haltestellen sind inzwischen umgerüstet. In diesem Jahr ist Niederjosbach mit drei Haltestellen an der Reihe. Im Wohngebiet Amtmannswiesen II lebt es sich gut: das können diejenigen bestätigen, die sich dort mit ihrer Familie den Traum vom eigenen Haus verwirklicht haben. Über zehn Jahre dauerte es, vom Beginn der Planänderung im Jahr 2012 bis zum Ausbau der Straße im Frühjahr 2022. 14 Grundstücke für junge Familien sind dort entstanden – gegen die Bedenken einer Minderheit.

Mit massiver Kritik und Ablehnung sieht die Stadt sich auch bei der Idee konfrontiert, in Ehlhalten am Steinberg die vier Sackgassen um eine Häuserreihe zu erweitern und so rund acht neue Grundstücke zu entwickeln.

Fortschritte machen die Radwegeverbindungen, zunächst jedoch nur auf dem Papier. Die Stadt hat für das zuständige Land Hessen die Planungen für den Radweg von Eppstein nach Bremthal ebenso wie die Planung für den Radweg von Bremthal nach Wildsachsen übernommen – gegen Erstattung des Kostenaufwandes. So präsentierte die Stadt 2022 erste Entwürfe der Wegeverbindung von Bremthal entlang der Wildsächser Straße nach Wildsachsen. Über ein Jahr lang wird die Trassenführung auf mögliche negative Umwelteinflüsse untersucht. Eine Ladestation für Elektrofahrräder mit vier Lademöglichkeiten wurde am Gottfriedplatz installiert. Die Abstellmöglichkeiten am Stadtbahnhof mit innenliegenden Ladestationen sind längst vermietet.

Eppsteins Feuerwehr war im vergangenen Jahr wieder jederzeit einsatzbereit. Ich bin froh und dankbar, dass knapp 200 Eppsteinerinnen und Eppsteiner im aktiven Dienst im Brand- und Katastrophenschutz stehen. Viele Kinder sind in der Kinderfeuerwehr und viele Jugendliche in der Jugendfeuerwehr aktiv. Im Feuerwehrhaus in Bremthal wurden Sanierungsarbeiten Anfang 2022 beendet. Im Herbst haben Modernisierungsarbeiten am Feuerwehrhaus in Ehlhalten begonnen.

Auch in diesem Sommer trockneten die Waldböden stark aus. Maßnahmen zur Nachpflanzung werden uns auch im kommenden Jahr begleiten. Nach dem Verlust der alten Eiche in Bremthal will eine Arbeitsgruppe einen Vorschlag für die Gestaltung des Umfeldes des gefällten Naturdenkmals im Königsbachtal ausarbeiten. Leider musste ein weiteres Naturdenkmal, die Brautfichte oder Lenztanne im Wellbachtal, ein Baum, der eine Höhe von 36 Metern hatte, auf 15 Meter gekürzt werden. Auch ihr hat die Trockenheit stark zugesetzt. Der Stamm bleibt als Habitat für Insekten stehen.

In Sachen Hochwasserschutz geht es endlich voran. Der Abwasserverband Main-Taunus greift die Pläne für Regenrückhaltebecken im Einzugsgebiet des Schwarzbachs wieder auf, nachdem das Land Hessen seine Förderrichtlinien geändert hat. Für Neuanlage und Instandsetzung vorhandener Mulden sind auch im vorigen Jahr kommunale Mittel für Regenrückhaltung ausgegeben worden.

Was mich sehr gefreut hat: Zur Belebung der Eppsteiner Altstadt haben wir rund 15 000 Euro aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ ausgeschüttet. Der Geldsegen wurde für viele kleine Projekte genutzt: ob für Stühle zur Außenbewirtung der Gastronomie, die Beleuchtung der Talkirche oder Zuschüsse für „die Juchhe“, den Neufville-Turm und das Burg-Museum sowie eine neue, zur Rossertstraße hin ausgerichtete große Uhr am Feuerwehrhaus. In der Gruppe „Eppstein lebt!“ sind viele Eppsteinerinnen und Eppsteiner ehrenamtlich engagiert. Auch Initiativen wie die Zertifizierung der „Venentreppe“ von der Rossertstraße zum Woogberg durch den Kneipp Landesverband tragen dazu bei, denn die Treppe ist nun Teil eines offiziellen Wanderwegs und erinnert daran, dass Eppstein einst als Luftkurort viele Gäste anzog.

Auf eine Zeit, in der die Schmelzmühle in Vockenhausen ein Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde war, weist jetzt am Stadtbahnhof die Hommage des Künstlers Kai Wolf an Ella Bergmann-Michel und Robert Michel hin. Möglich wurde es durch Spenden der Reinhard und Sonja Ernst-Stiftung, unterstützt von der Bürgerstiftung Eppstein. So erfuhr das berühmte Künstlerpaar zum 125. Geburtstag von Robert Michel eine ganz persönliche öffentliche Würdigung. Und noch eine Erinnerung stand an: 1922 wurde die expressionistische Villa Paderstein auf Hof Häusel gebaut. Dort wurde am 9. November eine Plakette für die jüdische Familie Paderstein enthüllt, die gerade noch im September 1938 nach Brasilien fliehen konnte.

Künstlerische „Lichtblicke“ ermöglichten der Künstlerwettbewerb des Kulturkreises und die faszinierende Umsetzung des Themas in unterschiedlichsten Ansätzen. Die Musikschule feierte den Auftakt ihres Jubiläums „50plus“ mit zahlreichen Konzerten.

Eine Eppsteinerin, die sich besonders um ihre Heimatstadt verdient macht, ist Dr. Marga Weber, die zur Ehrenbürgerin ernannt worden ist. Sie hat als Vorsitzende und jetzt als Ehrenvorsitzende des Verschönerungsvereins viel für das Erscheinungsbild Eppsteins und seiner Sehenswürdigkeiten getan und noch heute jeden malerischen Winkel im Blick. Sie lebt vor, dass jeder überall anpacken kann, und sei es, darauf zu achten, dass Wege, Aussichtstempel oder Ruhebänke nicht verschmutzt werden. Das große Engagement für unsere Stadt zeigt, dass Eppstein „Herzenssache“ ist. Die vielen Vereine und Institutionen fördern den Zusammenhalt. Weiter auf Seite 11

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