Der Bürgermeister blickt zurück

Am Freitag, 13. März, wurden die Burgtore geschlossen – der erste Lockdown beginnt.Foto: Stadt Eppstein

Lieber Eppsteinerinnen und Eppsteiner,

 

zu Anfang des denkwürdigen Jahres 2020 trafen wir uns beim Neujahrsempfang, wir sammelten Impulse und Ideen, bedankten uns für das ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt und starteten die Aktion 1000 Bäume für den Stadtwald.

Viele haben für diese in Kooperation mit der Eppsteiner Bürgerstiftung ins Leben gerufenen Aktion gespendet und in diesem Jahr werden die Pflanzungen veranlasst.

Der Fastnachts-Umzug in Niederjosbach wurde noch ausgelassen gefeiert. Einen Tag zuvor gab es in Volkmarsen einen feigen Anschlag, bei dem ein Auto in die Fassenachtsgesellschaft gelenkt wurde und viele Menschen verletzte. Über Nacht wurde das Sicherheitskonzept für den Umzug mit mehreren Tausend Menschen in unserer Stadt in Zusammenarbeit mit dem GCC Niederjosbach und der Polizei überarbeitet.

Das Jahr begann mit vielen Begegnungen bei Sitzungen, Proben, Gottesdiensten und Veranstaltungen. Doch dann kam es anders.

Ausnahmezustand und erster Lockdown

Ab Mitte März änderte sich auch das Leben in Eppstein. Wer hätte nach dem ersten Bekanntwerden einer neuen Atemwegserkrankung Anfang des Jahres daran gedacht, dass das Virus eine weltweite Pandemie auslösen, unzählige Menschenleben kosten und zahlreiche Schicksale bestimmen würde? Am 18. März titelt die Eppsteiner Zeitung: „Abgesagt-geschlossen-verboten“. Das traf es. Wegen der Corona-Pandemie mussten Rathäuser, das Bürgerbüro, die Schulen und Kindergärten, die Geschäfte und Restaurants geschlossen werden. Sitzungen, Proben, Treffen, ja sogar Gottesdienste wurden abgesagt. Spielplätze und Sportstätten durften nicht mehr genutzt werden. Ein harter Schlag für das öffentliche Leben.

2020: Jahr der Einschränkungen, unerwarteten Baustellen und digitalen Fantasie

Gerade die Gemeinschaft macht doch Eppstein aus, die vielfältige Vereinswelt, die Kirchengemeinden. Kindern und Jugendlichen fehlten die Treffen mit Freunden, das Zusammenkommen im Kindergarten und in der Schule. Aber: Bereits diese erste Phase zeigte auch, dass wir in Eppstein zusammenhalten. Schnell wurden Einkaufsdienste organisiert, der Verein Industrie Handel Handwerk (IHH) schuf neue Gutscheine für Restaurantbetreiber, die „Eppstein-Herzen“, um deren Liquidität zu sichern – ein guter Erfolg. Nachbarn trafen sich zum Singen im Vorgarten, es gab Sportkurse auf der Straße.

Plötzlich waren online-Proben und Meetings die einzige Möglichkeit, um zu kommunizieren. Wegen der geschlossenen Kindergärten wurden den Eltern die Gebühren erlassen. Das Konzept hierzu, das fast im gesamten Main-Taunus-Kreis angewendet wurde, ist im Eppsteiner Rathaus von der Ersten Stadträtin Sabine Bergold und ihrem Team erarbeitet worden.

Alternatives Kulturprogramm

Als auch die Burgfestspiele abgesagt werden mussten, wurde ein alternatives Kulturprogramm initiiert. Auf dem neu gestarteten Youtube-Kanal wurden die „Meilensteine der Eppsteiner Geschichte“ gezeigt, Führungen auf der Burg und im Museum sind jetzt in kleinen Filmsequenzen online abrufbar. Die Eppsteiner Burgschauspieler wechselten von der Burgbühne ins Filmgenre. Ende des Sommers waren Kabarett und Kino unter besonderen Regeln im Burghof möglich. Für viele der erste Besuch auf der Burg seit Monaten.

Wahrzeichen werden saniert

Doch die altehrwürdige Ruine machte uns nicht nur wegen der Besucherregelungen in Corona-Zeiten Sorge. Direkt über dem Westaufgang verschlechterte sich der Zustand des Mauerwerks zunehmend. Der Riss wurde immer größer.

So blieb das Burgtor verschlossen, die Sicherung der Mauer hatte Priorität. Parallel dazu fanden im Halsgraben Hangsicherungsarbeiten statt, denn auch dort hatten sich Felsbrocken gelöst, ebenso hinter dem Verlagshaus der Eppsteiner Zeitung.

Kurz vor der geplanten Wiedereröffnung der Burg stellte sich heraus, dass Steine aus dem Mauerwerk des 25 Meter hohen Bergfrieds bröckelten. Eine Sanierungsmaßnahme steht bevor, die die Stadt bis weit in das Jahr 2021 beschäftigen wird, wahrscheinlich sogar darüber hinaus. Bis sich die Burgtore wieder öffnen, bleibt uns der Blick von außen auf die märchenhaft ausgeleuchtete Burg. Denn zum Jahresende wurde die alte Burgbeleuchtung dank des Eppsteiner Burgvereins zum größten Teil durch LED-Beleuchtung ersetzt. Die Umstellung der Beleuchtung in der inneren Burg folgt demnächst. Auch eine andere Sehenswürdigkeit in Eppstein rückte in den Fokus näherer Untersuchungen: Der Neufville-Turm, Eppsteins „zweite Burg“ im Bergpark Villa Anna, wurde entkernt, und es stellte sich zur Freude der Anfang 2020 gegründeten „Neufvilleturm-Stiftung“ heraus, dass die Bauschäden weniger schlimm sind als gedacht.

Ein wenig Normalität im Sommer

Im Mai öffneten nach und nach die Spielplätze, Sportstätten, Kindergärten, der Wochenmarkt, die Bibliotheken, Geschäfte und Restaurants. Wir mussten uns alle an strenge Auflagen gewöhnen. Überall wurden Sicherheitskonzepte erstellt und Masken genäht. Feiern, Konfirmationen und Kommunionen mussten dennoch verschoben und im Spätsommer und Frühherbst mit Abstand in Außenbereichen nachgeholt werden. Auch die parlamentarische Sitzungsrunde wurde unter strengen Auflagen wieder begonnen.

Das Leben im Freien schuf ein wenig Normalität. Man konnte sich unter Auflagen zum Sport treffen, draußen sitzen oder den neuen Fitness Parcours für Jung und Alt nutzen, den der Verein Miteinander-Füreinander als Treffpunkt für alle Generationen hinter dem Rathaus in Vockenhausen am Dattenbach mit Unterstützung der Bürgerstiftung installiert hat.

Die SG Bremthal hat im Sommer einen neuen Kunstrasenplatz erhalten, eine wichtige Investition für Jung und Alt. Auch wenn in diesem Jahr nahezu alle Vereinsfeste ausfielen – freuen wir uns umso mehr auf das Wiedererwachen des öffentlichen Lebens mit seinem ausgeprägten Vereinsleben.

Neue Hilfsdienste und starke Feuerwehr

Zwei wichtige Institutionen haben im vergangenen Jahr in Eppstein Einzug gehalten: Der Main-Taunus-Kreis hat die Rettungswache an der B 455 am Ortseingang von Eppstein dem Malteser Hilfsdienst übergeben. Dort wurde jetzt noch ein weiteres Einsatzfahrzeug für Corona-Patienten stationiert. Auch die Diakoniestation in der Müllerwies wurde eingeweiht. Dort ist die Niedernhausener Diakonie eingezogen. Es freut mich persönlich ganz besonders, diese beiden Hilfsdienste nun vor Ort verankert zu sehen.

Auf Eppsteins Feuerwehr ist weiterhin Verlass. Bei einem lokalen Starkregen galt es viele Einsatzstellen abzuarbeiten. Bei zwei leider tödlichen Verkehrsunfällen waren die ehrenamtlichen Einsatzkräfte mit viel Leid und Schmerz konfrontiert. Beim Brand in der Seniorenwohnanlage in der Altstadt zeigte sich, wie schnell Hilfe geleistet werden kann: Nur wenige Minuten nach dem Notruf startete der Löschangriff und das Gebäude wurde evakuiert. Jede Helfende Hand und jeder Euro ist von Nöten. Sie können unsere Feuerwehr auch durch eine Vereinsmitgliedschaft unterstützen. Die Kosten sind überschaubar – bitte informieren Sie sich.

Viele junge Familien – neue Kindergärten

Mit 50 Plätzen im provisorischen Container-Kindergarten am Eppenhainer Weg und mit 20 Plätzen im Naturkindergarten, der im vergangenen Frühjahr bezogen wurde, hat die Stadt auf den Zuzug vieler junger Familien und die Familienplanung der Eppsteiner reagiert. Eine wichtige Entscheidung wurde von der Stadtverordnetenversammlung im Herbst einstimmig getroffen: als Standort für den Neubau eines Kindergartens wurde ein städtisches Grundstück An der Embsmühle ausgewählt. Aktuell finden hierzu Gespräch mit den Sportfreunden Vockenhausen, dem TSV Vockenhausen und dem Vereinsring Vockenhausen statt. Die Anlieger wurden in einer Anliegerversammlung informiert und sind in den Prozess weiter eingebunden.

Geduld während der Bauarbeiten

Im Stadtgebiet wurde viel gebaut. Die Straßendecken im Hessenring in Bremthal und in der Nonnenwaldstraße in Ehlhalten wurden erneuert. Die Verlegung der Leerrohre für Glasfaserleitungen ist fast abgeschlossen. In Eppstein selbst wird das Projekt in diesem Jahr aller Voraussicht nach starten. Ich danke allen Anwohnern für ihre Geduld während der Bauarbeiten.

Viele Bürgerinnen und Bürger waren im Home Office, da kann eine Baustelle vor der Tür schon die Arbeit beeinträchtigen. Aber wir haben es fast geschafft. Das gilt auch für die Bewohner der Niederjosbacher Straße in Bremthal, hier wurden Wasser- und Kanalleitungen durch die Stadt erneuert. Der Main-Taunus-Kreis saniert aktuell die Straße. Wie bereits in den vergangenen Monaten im Valterweg, in der Waldallee und am Gewerbegebiet West, baut die Stadt weitere barrierefreie Bushaltestellen und lässt den Fußgängerüberweg in der Niederjosbacher Straße ebenfalls barrierefrei gestalten.

Der Austausch der Wasser- und anderer Ver- und Entsorgungsleitungen steht den Anwohnern der Gimbacher Straße bevor. Keine ganz leichte Maßnahme in der engen und steilen Straße, die keine direkte Umleitungsmöglichkeit bietet. Der Kaisertempel ist in dieser Zeit nicht mit dem Auto für Besucher erreichbar.

Das Jahr 2020 brachte Anliegern bei Straßenbauarbeiten aber auch eine erhebliche Erleichterung: Die Straßenbeiträge wurden abgeschafft. Fast vollendet ist die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik. Aktuell werden Lampen in Niederjosbach ausgetauscht.

Am Stadtbahnhof wurde eine multifunktionale Solar-Sitzbank mit USB-Ladeplätzen und Induktionsladeflächen aufgestellt.

Das Carsharing-Angebot wurde weiter ausgebaut. Neben dem am Rathaus in Vockenhausen zur Verfügung stehenden Elektroauto, gibt es seit wenigen Tagen ein weiteres Carsharing-Elektrofahrzeug an der Wohnanlage Müllerwies. Zudem besteht vom 13. Januar an die Möglichkeit, Pedelecs kostenlos auszuprobieren, denn die Stadt nimmt am Programm „Radfahren neu entdecken“ des Landes Hessen teil.

Auch das neue Jahr mit Vorsicht und Zurückhaltung angehen

Der zweite Lockdown

Auch wenn Eppstein im Vergleich zu anderen Städten im Main-Taunus-Kreis immer noch relativ niedrige Infektionszahlen zu verzeichnen hatte, bedeutete der November doch einen erneuten Einschnitt. Es kam zum weiteren Lockdown.

Bedauerlicherweise gab es nun den ersten Todesfall im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung in Eppstein zu beklagen. Gastronomie und Sportstätten mussten wieder schließen, es wurden auch Veranstaltungen wie Martinsumzüge und der Weihnachtsmarkt abgesagt.

Um den Glanz der Adventsfenster in diesem Jahr in ganz Eppstein aufleuchten zu lassen, haben sich an jedem Adventswochenende in allen Stadtteilen Fenster geöffnet.

So war es den Eppsteinern zwar nicht vergönnt, die Eröffnung der Fenster gemeinsam in weihnachtlicher Atmosphäre zu begehen, aber die hübschen Motive sollten in dieser kontaktarmen Zeit weihnachtliche Vorfreude in alle Stadtteile bringen.

Unter #eppsteinkannlecker hat die Stadt dafür geworben, bei örtlichen Gastronomen zu bestellen und das Essen zu posten. So entdeckte mancher Gast, welch vielseitiges Angebot Eppsteins Gastronomie zu bieten hat.

Zusammenhalt in Eppstein

In diesem denkwürdigen Jahr ist mir bewusst geworden, wie groß der Zusammenhalt in unserer Stadt ist. Wie sehr sich die Arztpraxen engagiert haben, damit die Patientinnen und Patienten gut durch diese Krise kommen. Wie sehr Hilfsdienste, Feuerwehr und diejenigen, die nicht zu Hausen bleiben konnten, sondern zu den Menschen direkt Kontakt aufnehmen mussten, dazu beigetragen haben, dass unser Leben weiter ging. Sei es in den Supermärkten und Geschäften, in den Schulen und Kindergärten, in der Verwaltung und in den Betrieben, bei Zustellern und Lieferdiensten. Manch einer hatte dabei ein mulmiges Gefühl.

Die Verantwortlichen im Rathaus waren bei der Frage von Genehmigungen für Treffen und Veranstaltungen besonders zurückhaltend.

Dies hat gelegentlich zu Kritik geführt, weil vieles in Eppstein dem Anschein nach strenger gehandhabt wurde, als andernorts.

Danke für Ihre Vorsicht

Ich möchte Ihnen allen danken, für Ihre Vorsicht, Ihren Verzicht und Ihr verantwortungsvolles Handeln. Sie haben dazu beigetragen, dass die Lage in Eppstein relativ stabil blieb, und das bleibt sie nur, wenn weiterhin alle vernünftig handeln. Gerade wird uns die Dramatik der Corona-Pandemie erneut bewusst. Wir werden alle aufgerufen sein, Vorsicht und Zurückhaltung auch im neu begonnen Jahr walten zu lassen.

Die Impfzentren sind mit Hochdruck und Präzision aufgebaut. Die ersten Menschen im Main-Taunus-Kreis sind bereits geimpft. Wir beginnen dieses Jahr nicht so unbeschwert wie die Jahre zuvor. Aber wir sind inzwischen besser auf die Pandemie vorbereitet und haben dazugelernt. Wir wissen, es wartet auf uns eine logistische und gesellschaftliche Kraftanstrengung. Wir werden sie meistern und wollen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Lassen Sie uns weiterhin zusammenhalten in Eppstein, uns umeinander kümmern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten und hoffnungsvollen Start in das Jahr 2021. Bleiben Sie gesund und zuversichtlich!

 

Ihr

Alexander Simon, Bürgermeister

Weitere Artikelbilder:

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
5 + 7 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.

Neueste Kommentare

Kommentiert am 20.01.2021
Teppichmeister Mahboob verknüpft Kunst und …
Kommentiert am 23.09.2020
Sportfreunde: "Abtreten des Parkstreifens …
Kommentiert am 21.09.2020
Sportfreunde: "Abtreten des Parkstreifens …
Kommentiert am 18.09.2020
Sportfreunde: "Abtreten des Parkstreifens …
Kommentiert am 14.09.2020
Hauptstraße Tempo 30


X