33 Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut – mit einigen Tücken

Inzwischen ist die Bushaltestelle in Höhe Zeilring 32 fertig und das Halteschild so versetzt, dass die Zufahrt zum Mähen der Wiese möglich ist.

Inzwischen ist die Bushaltestelle in Höhe Zeilring 32 fertig und das Halteschild so versetzt, dass die Zufahrt zum Mähen der Wiese möglich ist.

Seit 2009 im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnunterführung an der Bahnstraße Niederjosbach die erste barrierefreie Bushaltestelle in Eppstein gebaut wurde, hat die Stadt die meisten Bushaltestellen im Stadtgebiet barrierefrei umgebaut, bislang 33. 

Drei, so Bürgermeister Alexander Simon, fehlen noch. Die Kosten pro Haltestelle fallen unterschiedlich aus: Die 2020 komplett neu gebaute Haltestelle an der Bundesstraße 455 für das Gewerbegebiet Am Quarzitbruch kostete die Stadt rund 250 000 Euro. Obwohl die Vorgaben, wie eine barrierefreie Bushaltestelle aussehen muss, einheitlich sind, fallen die Umbaukosten für jede Bushaltestelle unterschiedlich hoch aus, denn topographisch ist Eppstein eine Herausforderung. Teilweise müssen bis zu 20 Prozent Steigung überwunden werden.

Einige Haltestellen, etwa an der Freiherr-vom-Stein-Schule, konnten deshalb noch gar nicht umgebaut werden. Am aktuellen Standort sei ein Umbau der Schulbushaltestelle nicht möglich, teilte der Magistrat mit. Zuständig ist ohnehin der Main-Taunus-Kreis, der einen Ausbau in Eigenregie anstrebt, allerdings ohne sich auf einen Zeitpunkt festzulegen.

17 Bushaltestellen wurden seit 2009 im Zusammenhang mit Sanierungs- oder Erschließungsarbeiten an den Straßen barrierefrei ausgebaut. Der Magistrat zählt sie in seiner Vorlage für die nächste Stadtverordnetenversammlung auf: So wurden beispielsweise im Rahmen der grundhaften Erneuerung der Hauptstraße 2015 sechs Haltestellen umgestaltet, beim Ausbau der Niederjosbacher Straße 2021 zwei weitere.

Knapp 300 000 Euro zahlte die Stadt beispielsweise für den Umbau der Haltestellen am Hessenring, im Valterweg und an der oberen Waldallee. Sie gehören zu den 16 Bushaltestellen, die die Stadt seit 2017 eigenständig umgebaut hat, also ohne gleichzeitige Straßensanierung. Die Baukosten für diese 16 Bushaltestellen haben insgesamt über 1,17 Millionen Euro betragen, von Hessen Mobil erhielt die Stadt 788 600 Euro, also gut 70 Prozent der Kosten. Den Rest zahlte die Stadt.

Nicht immer waren die Anwohner glücklich über den Umbau eines einfachen Bushaltes zu einer mindestens zwei Meter breiten und bis zu 22 Meter langen Rampe mit einem 22 Zentimeter hohen Bordstein. Zum Beispiel Am Zeilring in Niederjosbach. Dort hat die Stadt gerade zwei Baustellen umbauen lassen. Grundstücksbesitzer Herrmann Ernst hatte gegen den Umbau der oberen Haltestelle Einspruch erhoben. Außer einer alten Hofreite im Ortskern gehört ihm ein brachliegendes Baugrundstück im Zeilring 32, das er mit seinem Traktor erreichen muss, um die Wiese zu mähen. Er habe telefonisch lange mit der zuständigen Mitarbeiterin gesprochen und darum gebeten, die Bushaltestelle um einige Meter zu versetzen oder kürzer zu bauen, damit ihm eine ausreichend große Zufahrt bleibt – zum Beispiel für eine Doppelgarage bei einer künftigen Bebauung. Vergeblich. Die Bushaltestelle erstreckt sich nun fast in voller Länge vor seinem Grundstück. Offiziell wurde sein Einspruch in den Unterlagen nicht aufgenommen. Laut Bürgermeister Alexander Simon, habe das zuständige Tiefbauamt sich mit allen Anliegern geeinigt.

Nicht einmal fünf Meter Zufahrt sind Ernst nach dem Umbau am Rand des Grundstücks geblieben. Bei einer Bebauung dieser Baulücke könne er nur noch sehr eingeschränkt planen, ärgert sich der Niedernhausener. Hohe Bordsteine und Haltestellenschild sind außerdem ein Hindernis für Baumaschinen.

Andere Anwohner, wie Gerhard Naschold und Dirk Könekamp wunderten sich, warum am Zeilring gleich zwei große Bushaltestellen für viel Geld barrierefrei ausgebaut wurden, samt abgesenkter Überquerungshilfen – trotz der vielen Grundstückseinfahrten. „So viel Geld für fast keine Fahrgäste“, sagen sie. Die Haltestellen, so ihre Beobachtung, dienten in erster Linie den Busfahrern für ihre Pausen am Ende einer Linienfahrt.

Es gebe klare Richtlinien für den Umbau, die das zuständige Ingenieurbüro angewendet habe, antwortete Bürgermeister Alexander Simon auf unsere Anfrage und auch das sei klar, schon wegen der Zuschüsse: Wenn, dann müssten alle Haltestellen ausgebaut werden.

Die untere Bushaltestelle unmittelbar nach der Einfahrt von der Eppsteiner Straße aus ist für Autofahrer schwer einsehbar. Die Überquerungshilfe für Rollstuhlfahrer, kritisieren die beiden Anwohner, wurde an der engsten und steilsten Stelle des Bürgersteiges gebaut, so dass für Rollstuhlfahrer kaum Platz zum Wenden bleibt. Gustav Ickstadt aus der Kirchgasse, der mit seinem elektrischen Rollstuhl gerade auf dem Weg zu seinem Hausarzt im Zeilring war, winkte ab: Er überquere den Zeilring erst weiter oben, wo die Straße für ihn besser einsehbar sei. Ohnehin sei Niederjosbach nicht sehr rollstuhlgerecht. Veranstaltungen im Vereinssaal könne er schon seit Jahren nicht mehr besuchen, weil es keinen Aufzug gibt.

In der Kirchgasse sei oft kein Durchkommen wegen der vielen parkenden Fahrzeuge. Der offizielle Fußweg entlang der Eppsteiner Straße ist an der schmalsten Stelle gerade mal 75 Zentimeter breit – zu schmal für seinen Rollstuhl oder einen Kinderwagen. Die zahlreichen, oft auf dem Gehweg parkenden Autos verstärkten das Problem, sagte Ickstadt, an manchen Stellen auch Laternenmasten oder Mülleimer. Auch das Pflaster werde nach dem Winter schnell zum Stolperstein, weil der Frost einzelne Steine anhebt.

Aus Sicht des Magistrats habe Eppstein den Ausbau der Barrierefreiheit der Bushaltestellen bislang gut gemeistert. Die Stadt hatte ohnehin keine Wahl: Nach dem Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen gebe es, so der Magistrat, eine Verpflichtung, die Barrierefreiheit auch im öffentlichen Personennahverkehr herzustellen, um ihnen damit die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.bpa

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