Allerdings täuschen die seltenen Minustemperaturen kaum über die Folgen der steigenden Durchschnittstemperaturen hinweg. Zusammen mit über 30 Jahren sinkenden durchschnittlichen Niederschlagsmengen machen sie dem Wald zu schaffen.
Die Bestandsaufnahme für den hessischen Wald vom vergangenen Jahr lässt sich auch auf den Stadtwald übertragen: Die Kronenverlichtung insbesondere bei älteren Laubbäumen wie Buche und Eiche hat sich kaum verbessert. Zwar verzeichneten die Forstgutachter nach einer fünfmonatigen Trockenperiode im vorigen Sommer danach anhaltende Niederschläge. Verglichen mit den Jahren seit 2018 war das Jahr 2024 niederschlagsreich, blieb aber unter dem langjährigen Mittel. Unterm Strich reichte der Regen also nur aus, um die Folgen der Dürrejahre abzumildern. Höhere Temperaturen bei insgesamt geringen Niederschlägen führten dazu, so das Land, dass die Oberböden der Wälder im Vegetationsjahr 2024/25 stark austrockneten.
Auch im Eppsteiner Stadtwald sind die Folgen der Klimaveränderung laut Försterin Katharina Herweh deutlich zu sehen, insbesondere bei den älteren Buchenbeständen im Nonnenwald bei Ehlhalten. Die Absterberate bei älteren Buchen sei insgesamt erhöht, hat Herweh beobachtet. Einige werden deshalb im Laufe des Jahres geerntet, andere dürfen als Habitatbäume stehen bleiben und natürlich absterben. Jüngere Buchen scheinen das veränderte Klima besser zu vertragen, die stünden, so Herweh, insgesamt gut da. Im Nonnenwald seien Kiefern aufgeforstet worden, weil die sich dort als trockenresistent erwiesen haben.
Starke Schäden an Eichen seien insbesondere an den steilen und felsigen Lagen am Staufen zu beobachten. Dort seien in diesem Jahr einige Holzernte-Einsätze geplant, ebenso im Wald bei Bremthal Richtung Eppstein.
Im Bauwald müsse sie erst eine Erhebung machen, sagt Herweh. So viel könne sie schon sagen: „Der Eichenprachtkäfer ist da!“ Ob sich die Eichen weiterhin gegen den Schädling wehren können, hänge auch von den Niederschlägen der kommenden Monate ab. Die noch stehenden Fichten zeigten durchweg in allen Altersstufen hohe Kronenverlichtung und starke Schäden durch Trockenstress, Windwurf und Borkenkäferbefall.
Im forstlichen Umweltmonitoring für den Waldzustandsbericht des Landes Hessens stellen die Gutachter fest, dass die CO2-Emmissionen dringend gesenkt werden müssen, um den menschengemachten Klimawandel abzumildern und damit den Zustand des Waldes zu stabilisieren.
Bei ihrer Zustandserhebung in den hessischen Wäldern gehen die Gutachter systematisch vor und betrachten die einzelnen Hauptbaumarten wie Buche, Eiche, Fichte und Kiefer in verschiedenen Altersstufen und nach einem festen acht mal acht Kilometer großen Raster – insgesamt 3240 Bäume aller Arten und Altersstufen in ganz Hessen. Sie bestimmen Absterberaten für die einzelnen Baumarten und die Ausfallraten über alle Arten hinweg, die nach dem starken Anstieg 2019 auf bis zu 6 Prozent tendenziell wieder rückläufig und auf 1,9 Prozent gesunken sind.
Grundsätzlich habe sich der Zustand der Bäume in den vergangenen zwei Jahren nur geringfügig verbessert, lautet das Fazit des Waldzustandsberichts für Hessen.bpa

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