Wähler mischen Listen neu

Burg und Fachwerk im Spiegel einer Schaufensterscheibe. Gespiegelt werden auch Vater und Sohn, die auf eine Bestellung warten. Warten müssen auch die Eppsteiner noch auf die Neu-Eröffnung des Burg-Cafés. Der Vertrag mit der Biobäckerei Kaiser ist zwar abgeschlossen. Der Verkauf beginnt jedoch erst nach Ostern. Foto: Julia Palmert

Nicht nur für die Stadtverordnetenversammlung, auch bei der Wahl der fünf Eppsteiner Ortsbeiräte haben die Eppsteiner ausgiebig die Möglichkeit genutzt, durch Panaschieren und Kumulieren, die von den Parteien gesetzten Listen durcheinanderzuwirbeln. Als stärkste Fraktion geht in allen Stadtteilen die CDU aus der Wahl hervor, auch wenn sie künftig nur noch in Ehlhalten die absolute Mehrheit innehat. Der fünfte Ortsbeiratssitz in Niederjosbach ging verloren, möglicherweise der Tatsache geschuldet, dass dort diesmal auch die Grünen und somit fünf Parteien antraten.

Grüne legen zu, viele neue Gesichter in allen Ortsbeiräten

Die Maskenaffaire in die CDU-Bundestagabgeordnete verstrickt zu sein scheinen, hat sich offensichtlich nicht auf das Wahlverhalten in Eppstein ausgewirkt. Als stärkste Fraktion in allen fünf Stadtteilen dürfte die CDU auch künftig den Ortsvorsteher oder die Ortsvorsteherin stellen. So ist es bislang Usus. Auffällig ist die unterschiedlich hohe Wahlbeteiligung, die in Ehlhalten den Spitzenwert von 66,4 erreichte und in Alt-Eppstein mit 50,7 deutlich unter dem Stadtdurchschnitt von 58,4 liegt

Lediglich bei den Grünen gab es bei den Ortsbeiratswahlen fast keine Veränderung der Kandidatenreihenfolge, allerdings legten sie in den meisten Ortsbeiräten, für die sie kandidierten, deutlich zu. Mit einer Ausnahme: In Vockenhausen schrumpfte ihr Stimmenanteil auf 16,3 Prozent. Es bleibt bei einem Sitz für Achim von Hein, dem einzigen Grünen-Vertreter, den seine Wähler um eine Position nach vorn kumuliert haben. 

Die CDU freute sich in Vockenhausen um einen Stimmenzuwachs auf 45,5 Prozent und behält vier Sitze. Neu sind allerdings einige Fraktionsmitglieder: Ortsvorsteher Henning Quitzau behielt seinen Spitzenplatz, die darauffolgenden Listenplätze verschoben sich zum Teil deutlich – Quitzau vermutet, dass vor allem jüngere Wähler die politischen Newcomer gewählt haben. Das sei „hervorragend“, so Quitzau, genau wie die Wahlbeteiligung in Vockenhausen mit 61 Prozent. Insgesamt mache sich der gute Onlinewahlkampf des CDU-Nachwuchses bezahlt. Die in ihrem Heimatort aufgewachsene und bekannte Beatrix Hefter wurde von den Wählern vom 7. auf den 2. Platz gesetzt, Anastasios Hatjevangelu, 22-jähriger Auszubildender bei der Stadt, von 6 auf 3. Kristine Zabel rutschte von 3 auf 4.   

Verschiebungen in der Sitzverteilung gab es bei SPD und FDP: Die SPD verlor 2,9 Prozent ihrer Stimmen. 12,1 Prozent reichten nur noch für einen Sitz im Gremium. Den erhält als Überraschungssiegerin die 59-jährige kaufmännische Angestellte Katja Ludwig, die deutlich den langjährigen Mandatsträger Marcus Berggötz und den auf Platz 1 gesetzten Reinhardt Taube in den Schatten stellte. 

Die FDP verbesserte ihr Ergebnis, kommt auf 5,9 Prozent und erhält einen Sitz, über den sich die FDP-Vorsitzende Bärbel Oetken freut. Das Wahlergebnis sei Bestätigung der Konzentration der Liberalen auf Kernthemen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit, sagt sie. 

In Bremthal blickt Ortsvorsteher Guido Ernst zufrieden auf einen leichten Stimmenzuwachs auf nun 46,2 Prozent und sieht darin die Bestätigung „unserer Arbeit“ – und einen persönlichen Erfolg, schließlich gaben ihm die Wähler mit Abstand die meisten Einzelstimmen. Ob Unterstützung für Vereine oder Hintergrundarbeit in vielen kleinen Projekten, die die CDU in den vergangenen fünf Jahren angestoßen habe: „Die Menschen honorieren, wenn man sich auch privat einsetzt“, sagt Ernst und weist auf Andreas Geis hin. Der Liederkranzvorsitzende wurde vom 6. auf den 4. Platz in die Fraktion kumuliert. 

Die stärksten Gewinne, von 9,2 auf 15,9 Prozent, verzeichneten die Grünen. Trotzdem bleibt es bei einem Sitz für Andreas Naujoks. Die SPD büßt 0,7 Prozentpunkte ein und kommt auf 19,5 Prozent. Innerhalb der Liste verschiebt sich jedoch einiges: Der langjährige SPD-Recke Peter Lange wird von Platz 4 auf 1 gesetzt, Politneuling Lisa Heidenreich von 3 auf 2, Spitzenkandidat Hans-Jörg Schmidt rutscht auf Platz 3. Die FDP sackt auf 7,9 Prozent ab, behält aber ihren Sitz, für den Bärbel Friedemann kandidiert hat. Am stärksten verliert die FWG – Minus 5,8 Prozent – und kommt auf 10,6 Prozent. Der Erdrutsch wird aber aufgefangen: Die FWG behält ihren Sitz, den Magnus Fischer übernehmen wird. 

Auch in Niederjosbach mussten sich diesmal fünf Parteien die Wählerstimmen teilen. Die Grünen, die 2016 nicht für den Ortsbeirat kandidiert hatten, traten mit neuer Riege an und erhielten auf Anhieb 13,9 Prozent und zwei Sitze. Bitter für die SPD: Sie büßt 13 Prozent der Stimmen ein, stürzt auf 12 Prozent ab und verliert einen Sitz, den Jürgen Baesler übernimmt. Der 73-Jährige erklärt den extremen Absturz seiner Partei in Niederjosbach auch mit dem „herausragenden und bislang einzigartigen“ Wahlerfolg von 2016, der, so Baesler, „damals der Diskussion um die Obergassenbebauung geschuldet war“. 

Ein solches Ergebnis habe er dennoch nicht erwartet, sagt Baesler und führt es darauf zurück, dass die SPD ihre Kandidaten und ihre Themen im Ort nicht bekannt machen konnte. Schließlich setze sich die SPD für ganz konkrete Verbesserungen ein und habe mit der 28-jährigen Jessica Weber auch ein junges Gesicht präsentiert, die im Vereinsleben aktiv sei und Erfahrung aus dem Kreistag mitbringe. Umso mehr sei er enttäuscht, so Baesler, „dass die Grünen im Vergleich so gut abgeschnitten haben“. 

Für die Ökopartei zieht Marco Klein in den Ortsbeirat. Der 25-jährige Newcomer übernahm die Wahlleitung in einem der Niederjosbacher Wahllokale und freute sich, dass „so viele Niederjosbacher kumuliert und panaschiert haben“ und für sich persönlich über den Wählerauftrag, sich für die Dorfgemeinschaft von Niederjosbach einzusetzen. 

Die CDU verliert nicht nur knapp 3 Prozent, sondern auch einen Sitz, bleibt aber mit 46,3 Prozent und vier Sitzen, die stärkste Fraktion. Ortsvorsteherin Andrea Sehr erhielt mit Abstand das beste Einzelergebnis und will auch wieder für das Amt kandidieren. Die folgenden Plätze nehmen der Arzt Christoph Striedter und Manfred Karl ein. Neu in den Ortsbeirat zieht Franziska Schaller, die mit Thomas Michel den Listenplatz tauscht. 

Dass die FWG sich auf 18,3 Prozent verbessert hat, nennt ein anderer politischer Gegner humorvoll den „Dr.-Friedhelm-Fischer-Effekt“. Der 78-jährige Internist, den viele Eppsteiner noch aus seiner Hausarztpraxis kennen, überholte auf der Liste aus dem Stand den langjährigen FWG-Vertreter Bernd Fuchs. Zudem reichte der Stimmenzuwachs um 3,6 Prozent für einen zweiten Sitz im Ortsbeirat.     bpa

CDU behält absolute Mehrheit in Ehlhalten

In Alt-Eppstein bleibt die Sitzverteilung bestehen: Die CDU behält drei Sitze, Grüne und FWG je zwei und SPD und FDP je einen Sitz. Umso spannender sind die Details: Die Grünen erhielten 6 Prozent Stimmenzuwachs und kommen auf 23,6 Prozent, alle anderen Parteien verlieren: Die CDU kommt nur noch auf 30,3 Prozent, die SPD auf 13,9, die FDP auf 7,2 Prozent. Die FWG kommt mit einem leichten Minus auf knapp 25 Prozent.

Besonders auffällig sind die starken Veränderungen innerhalb der Listen: Überraschung bei der CDU. Dort klettert Politneuling Eva Waitzendorfer-Braun auf Platz 1, Dirk Büttner von 5 auf 2 und Albert Marthaler von 4 auf 3. Spitzenkandidat Bruno Domes landet auf Platz 4, der bisherige Ortsvorsteher Norbert Ruff auf Platz 5.  

Neuling Waitzendorfer-Braun erklärt sich das Wahlergebnis durch den Bekanntheitsgrad der Kandidaten. Ihren Überraschungserfolg führt sie darauf zurück, „dass ich Freitags fast immer auf dem Wochenmarkt bin. Dort kommt man einfach mit sehr vielen Menschen ins Gespräch – selbst in Corona-Zeiten.“ Dirk Büttner ist in Burgverein und TSG aktiv, Albert Marthaler war viele Jahre TSG-Vorsitzender und ein beliebter Burgschauspieler. Bruno Domes leitet zwar seit vielen Jahren die Berufsgenossenschaftliche Bildungsstätte, ist aber offensichtlich für viele Eppsteiner ein Unbekannter. Norbert Ruff war zwar Ortsvorsteher, hat sich aber als solcher anscheinend nicht allzu sehr profiliert. 

Vom Bekanntheitsgrad profitierte offensichtlich auch TSG-Chef Peter Keller, der für die SPD kandidierte, mit über 400 die meisten Einzelstimmen von allen Kandidaten erhielt und anstelle des bisherigen SPD-Vertreters Recep Uzun in den Ortsbeirat gewählt wurde. Bei der FDP überholte Thomas Uber Gerd Haß. Spannend war das Wahlergebnis auch für die FWG: Dort zogen die beiden Neulinge, Florian Albers und Linda Kliese-Dürrich, an Oliver Seifert und Thomas Dürrich vorbei. Vater Dürrich nahm es gelassen: „Der Erfolg bleibt in der Familie.“ Und für die FWG sei das nur die Bestätigung, dass es richtig war, „den Generationswechsel einzuläuten“, sagt Dürrich. So habe FWG-Urgestein Heinz Sparwasser bewusst an letzter Position kandidiert. Nur die beiden Grünen-Kandidaten Renate und Martin Alberst nahmen die Wähler wie die Partei sie gesetzt hatte.

Ehlhaltens designierte neue Ortsvorsteherin  Martina Smolorz ist mit dem Wahlergebnis von 58,3 Prozent für die CDU „sehr zufrieden“. Das ist zwar ein halber Prozentpunkt weniger als 2016, aber das beste Ergebnis für die CDU bei den Ortsbeiratswahlen und deutlich mehr als in der Stadtverordnetenversammlung mit 42,5 Prozent. Obwohl es nahezu unmöglich gewesen sei, einen personenbezogenen Wahlkampf zu betreiben, „haben die Menschen sehr personenbezogen gewählt“, sagt Smolorz mit Blick auf die CDU-Liste, auf der Joachim Racky den Platz mit Tobias Mager tauschte und Christof Müller vom 9. auf den 4. Platz kumuliert wurde. Ihr gutes Einzelergebnis versteht Smolorz als Bestätigung ihres unermüdlichen Engagements im Ort. Sie will anstelle von Michael Kilb für das Amt der Ortsvorsteherin kandidieren, der aus beruflichen Gründen kürzer tritt. 

SPD und FWG profitieren in Ehlhalten davon, dass die Grünen diesmal keine Liste aufgestellt haben. Das bedeutete plus 7,8 Prozent und fast ein Viertel aller Wählerstimmen für die Sozialdemokraten. Trotzdem bleibt es bei zwei Sitzen für Marion Kütemeyer und Christa Petrich. Ein Anstieg auf 16,8 Prozent verzeichnen die Freien Wähler – laut Wahlproporz bedeutet das einen zweiten Sitz, den Stefanie Reitter nach Peter Mohr einnimmt. Auch der FDP fehlte es an Kandidaten, um in Ehlhalten eine eigene Liste aufzustellen.    bpa

CDU hat Stadtverordneten-Fraktion konstituiert 

Die CDU hat ihre neue Fraktion bereits konstituiert – in einstimmiger Wahl – wie Vorsitzender Christian Heinz betont. Landtagsmitglied Christian Heinz bleibt Fraktionsvorsitzender, Dirk Büttner sein Stellvertreter. Neue Fraktionsgeschäftsführerin ist Franziska Sehr, Beisitzer sind Martina Smolorz und Reiner Morgenstern. Bei den Kandidaten für den Magistrat setzt die CDU auf Kontinuität und schlägt die bisherigen ehrenamtlichen Stadträte Elmar Alhäuser, Berthold Gruber, Josef Bähner und Horst Winterer zur Wiederwahl vor. 

Als größte Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung will die CDU wieder den Stadtverordnetenvorsteher stellen und nomiert dafür erneut Bernhard Heinz. Der 73-Jährige hat das Ehrenamt seit 39 Jahren inne.

 

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