… gegen die geplante Erhöhung des Elternbeitrags für private Kindertagespflege an den Main-Taunus-Kreis – Mit 2,20 statt 2,40 pro Stunde fällt die Erhöhung zum 1. Juli nun moderater aus als befürchtet. Für die fünf Frauen, die in Eppstein je fünf Betreuungsplätze für Kinder bis drei Jahre anbieten, sind solche Begrenzung der Beiträge an den Kreis existenziell. Denn zu den Kosten für den Main-Taunus-Kreis fallen für die Eltern individuell vereinbarte weitere Kosten für die Betreuung an. „Wir sind alles Selbstständige“, sagt Bernadeta Mücke, Tagesmutter aus Vockenhausen, „sind also außerdem Bürokraft, Hausmeister, Hauswirtschafter und füllen bei Bedarf zusätzliche Beobachtungsbögen aus.“
Der Main-Taunus-Kreis legt laut Mücke großen Wert auf die Ausbildung der Tagespflegepersonen. Wer sich im Kreis selbstständig machen will mit einer Betreuungsgruppe, absolviert eine pädagogische Ausbildung, rund 180 Unterrichtsstunden, die sich, teils berufsbegleitend, über zwei Jahre hinziehen. Gesundheitscheck und Polizeiliches Führungszeugnis müssen regelmäßig nachgewiesen werden und jährlich mindestens 20 Stunden für Fortbildungen und Erste-Hilfe-Kurse.
So kommt zu den ab Juli 2,20 Euro an den Kreis eine individuelle Summe für die jeweilige Tagesmutter hinzu. Berndeta Mücke geht von maximal 2,30 Euro inklusive Essensgeld bei ihren Eppsteiner Kolleginnen aus. „Wer beispielsweise keine zusätzlichen Kosten durch Miete oder Hauskredite hat, hat geringere Nebenkosten und kann den Zusatzbeitrag niedrig halten“, führt Mücke aus. Bei einer Betreuungszeit von 6 Stunden pro Woche, das wären 26 Stunden pro Monat, müssten die Eltern demnach 57 Euro an das Jugendamt des MTK und 60 Euro an die Tagespflegeperson zahlen. Üblich sind durchaus Betreuungszeiten von sechs bis sieben Stunden an mehreren Wochentagen.
Bernadeta Mücke gehört zu den Tagespflegepersonen, die Platz im eigenen Haus haben. Wer Räume mieten muss, muss hoffen, dass der Vermieter damit einverstanden ist, dass die Räume als Nutzraum deklariert werden müssen – damit sei nicht jeder einverstanden, weiß Mücke.
2010 hat die damals junge Mutter die ersten zwei Kinder aufgenommen – noch während die gebürtige Polin in der Ausbildung zur Tagesmutter war. Sohn Alex war gerade zwei Jahre alt und wuchs zusammen mit den anderen Kindern auf. „Das funktionierte gut“, sagt Mücke, „später war er für die Kleineren wie ein großer Bruder“.
Sie selbst komme aus einer großen Familie mit vielen Cousins und Cousinen und sei die älteste von vier Geschwistern. Früher habe sie Handball gespielt. Seit sechs Jahren ist sie Trainerin bei der TSG Eppstein. Von den fünf Kindern, die sie betreut, sind nicht alle jeden Tag zu den gleichen Zeiten da. „Bei uns gibt es keine festen Zeitmodule wie in einer Krippe, sondern Betreuungszeiten nach Bedarf und dem Tagesablauf der jeweiligen Kollegin.“ An dem Tag, als die Eppsteiner Zeitung die kleine Gruppe besucht, ist der zweijährige Arian allein da, zwei Kinder wurden krank gemeldet.
Wenn vier oder fünf Kinder gleichzeitig in den großzügig und hell gestalteten Räumen ihrer Tagesbetreuung im Souterrain ihres Hauses in Vockenhausen herumwuseln, helfe ihr eine feste Tagesstruktur dabei, dass sich keines der Kleinen vernachlässigt fühlt.
Die 52-Jährige ist schon morgens gegen 5.30 Uhr auf den Beinen, um den Tag vorzubereiten. Die Zutaten fürs Mittagessen holt sie am Vortag, meistens etwas, was die Kinder sich wünschen: Gemüse oder Salat, Fleisch vom ortsansässigen Metzger oder Fisch. Zum Frühstück gibt es für die Kinder Brot, Joghurt, Käse, Obst und geschnittenes, rohes Gemüse. Gegen 7.30 Uhr steht der erste Zögling vor der Tür.
Als ihre Stimmbänder einmal angegriffen waren und sie nicht laut sprechen konnte, habe sie sich angewöhnt, die Kinder mit einem heiteren Singsang zu rufen, wenn es Zeit fürs Essen oder den Mittagsschlaf ist. „Das funktioniert gut, die Kinder merken, jetzt ist etwas Neues angesagt.“ Außerdem habe sie damals festgestellt: „Je lauter ich werde, desto mehr versuchen auch die Kinder sich gegenseitig zu übertönen.“ Wenn sie leise singt, werden auch die Kinder ruhig.
Nach dem Frühstück geht es raus in den Hof, im Sommer in den Garten – oder auf einen der beiden nahe gelegenen Spielplätze. Zum Spielplatz am Rathaus I geht sie entweder mit dem Bollerwagen – „wenn ich, wie jetzt Krabbelkinder in der Gruppe habe“, sagt sie – oder mit einem Gestell, in dem bis zu drei Kinder hintereinander gehen können. Bei den Kindern heißt das Gerät das „Krokodil“. Für kleine Wildfänge gibt es zur Sicherheit an der Hauptstraße auch ein Geschirr.
Wenn es später zu Hause ans Händewaschen geht, wissen die Kinder, dass das Essen vorbereitet wird. Die Älteren helfen später beim Abräumen. Während der kurzen Spielzeit danach ist Windeln wechseln angesagt, danach Mittagsschlaf. Die Tür bleibt währenddessen offen, wer wach ist, kommt und holt sich einen kleinen Snack und etwas zum Spielen. Arian beispielsweise liebt Knete, Krabbelkind Aaron malt gern. Klebebilder aus gerissenen Papierstückchen sind eine beliebte Beschäftigung, ebenso das Malen mit Fingerfarben. Kinderlieder und Fingerspiele gehören ebenso zum Tagesablauf wie Bilderbücherlesen, Kinder-Yoga und einfache Bewegungsübungen im „Toberaum“ – in dem die Kinder auch hüpfen, klettern und rennen dürfen. Aktuell betreut die Tagesmutter fünf Jungs, Arian, Aaron, Anton, Daniel und Julian, „die alle viel Bewegung brauchen“, sagt sie und zeigt auf Laufrad, Hüpfepferde, Wippe, Mini-Klettergerüst und Bällebad.
Bernadeta Mücke kam während ihres Studiums für Verwaltungsmarketing nach Deutschland, um in den Semesterferien zu arbeiten. Dabei lernte sie ihren späteren Ehemann, einen Eppsteiner, kennen. Das junge Paar wohnte zunächst in der Altstadt, suchte aber nach einem Haus mit genügend Platz für eine Kindertagesgruppe und wurde 2013 in Vockenhausen in einer Seitenstraße der Freiherr-vom-Ickstadt-Straße fündig.
Wie damals läuft die Werbung für die derzeit fünf Tagesmütter meistens noch über Mundpropaganda. „Als ich anfing waren wir in Eppstein noch mindestens 15 Tagespflegepersonen“, erinnert sich Mücke, aktuell bieten außer ihr und Iryna Petkovksi in Vockenhausen noch Esther Ernst und Beate Kammler in Bremthal und Sabine Pearson in Niederjosbach Tagespflege für unter dreijährige Kinder an. Neu auf der Liste der Tagesmütter ist Daniela Schwenk aus Ehlhalten, die mit ihrer Tagesgruppe im nächsten Jahr starten will. Petra Geci kommt als Kinderfrau zu Familien nach Hause.
In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder in Eppstein deutlich gestiegen: Neben der 2005 als erste Krippe gegründeten, mittlerweile in Niederjosbach beheimateten und vom DRK betriebenen Zwergenburg gibt es inzwischen in Alt-Eppstein die Krippe in der evangelischen Kita „Unterm Regenbogen“ und die neue Einrichtung An der Embsmühle der Glückskinder GmbH, dem neuen Domizil der früheren Wichtelstube. Außerdem gibt es in der städtischen Kita Auf dem Vogelgesang eine Gruppe für zweijährige Kinder. Informationen zur Kindertagespflege gibt es auf dem Infoportal der Stadt.
Anfragen für Tagespflegepersonen seien rückläufig, sagt Mücke und hofft auf Zuzug junger Familien nach Eppstein. Im jüngsten Bericht des Magistrats zu den Betreuungsplätzen geht die Stadt aktuell von knapp 220 Kindern im Krippenalter aus, voriges Jahr waren es noch knapp 260. Ihnen stehen 110 Plätze in Kindertagesstätten zur Verfügung und weitere 25 bei den fünf Tagesmüttern, also insgesamt 135 Plätze. Laut offizieller Planung benötigen knapp die Hälfte der Eltern Tagesbetreuung für Kleinkinder. So ergibt sich laut Erster Stadträtin Andrea Sehr ein Überhang von 28 Plätzen – bei sinkenden Geburtenzahlen seit 2022.bpa



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