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Stadt bietet zinslose Stundung der Gewerbesteuer an

Wenn das öffentliche Leben eingeschränkt wird, bedeutet das für die Verwaltungsspitze zunächst einmal vor allem mehr Arbeit: Arbeitsplätze in der Verwaltung müssen neu strukturiert und Homeoffice-Plätze eingerichtet werden.

Parallel dazu treffen täglich neue Verordnungen ein und müssen umgesetzt werden. Mit rund 170 Mitarbeitern, die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten mit gerechnet, ist die Stadtverwaltung der größte Arbeitgeber Eppsteins. Die Bauhofmitarbeiter fangen derzeit morgens zeitversetzt an, damit sich nicht zu viele Mitarbeiter auf einmal treffen. Während die städtischen Gärtner sich noch immer um Blumeninseln kümmern, sind die Ordnungspolizisten unterwegs, um darauf zu achten, dass Anordnungen tatsächlich eingehalten werden.

Auch das Wasserwerk ist so aufgestellt, dass selbst im Krankheitsfall die Versorgung gesichert ist. Der Wasserverbrauch sei seit Beginn der Kontaktbeschränkungen um rund zehn Prozent gestiegen, berichtet Bürgermeister Alexander Simon. Er führt als mögliche Gründe die gestiegene Zahl an Homeoffice-Plätzen an – „oder das häufige Händewaschen“.

Das alles wird unter erschwerten Bedingungen organisiert, denn Eppsteins Erste Stadträtin Sabine Bergold ist seit über einer Woche in häuslicher Quarantäne und arbeitet von zu Hause aus. Sie hatte zuvor Kontakt mit Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger, der am Corona-Virus erkrankt ist und im Krankenhaus lag. Ihr selbst gehe es sehr gut, beteuert Bergold: „Mein Mann und ich haben zum Glück die Möglichkeit, uns zu Hause in getrennten Räumen aufhalten zu können. Deshalb findet mein Leben derzeit im ausgebauten Dach unseres Hauses statt.“ Am Donnerstag sei sie wieder im Rathaus. Aber auch dann werden sich Bürgermeister Alexander Simon und Bergold nicht persönlich treffen.

„Wir richten es so ein, dass sich von den jeweiligen Fachabteilungen nie alle gleichzeitig im Büro aufhalten, damit die Verwaltung, auch wenn sich jemand anstecken sollte, aufrecht erhalten wird“, sagt Simon, der seit voriger Woche auch für Sicherheit und Ordnung zuständig ist. Die Kontaktbegrenzung gelte auch für die Rathausspitze. Die politischen Sitzungen wurden verschoben, der Magistrat erhält Unterlagen per E-Mail und tagt in wöchentlichen Telefonkonferenzen, und wenn, wie derzeit nahezu täglich, schnelle Entscheidungen notwendig sind, „muss die im Zweifelsfall der Bürgermeister treffen“, führt Simon aus. Gemeinsam mit Kämmerin Bergold entschied Simon jetzt, dass die Stadt ihren Unternehmen als Soforthilfe schnell und unbürokratisch die Möglichkeit einräumt, städtische Steuerforderungen bis zum 31. Dezember zinsfrei zu stunden. Das betreffe insbesondere die Gewerbesteuer und in begründeten Fällen auch die Grundsteuer der Unternehmen und Gewerbetreibenden, sagte Simon: Die Stadt wolle damit ein wichtiges Signal an alle Eppsteiner Unternehmen senden, die unter der Auswirkung der Corona-Krise leiden. Das Antragsformular gibt es auf der Internetseite www.eppstein.de zum Herunterladen.

Wer Fragen dazu hat, kann sich an die Rathausspitze wenden. Simon appelliert seinerseits an die Eppsteiner, die Unternehmen zu unterstützen. „Für viele geht es jetzt wirklich um die Existenz“, ist er sich der Tragweite der Krise bewusst.

Sehr gut angenommen werde das Angebot der ambulanten Seniorenarbeit. Der Aufruf von Juliane Rödl für eine Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen werde sehr gut angenommen. Sowohl von Hilfsbedürftigen, aber auch von Helfern. Erreichbar ist Rödl montags, mittwochs und freitags telefonisch unter 5 77 39 03. Es gebe bereits für jeden Stadtteil eine Handvoll Helfer. Zurzeit seien Einkaufsdienste besonders gefragt. „Ich freue mich aber besonders darüber, dass einige der Helfer schon ihre Bereitschaft erklärt haben, sich auch nach der Krise weiter zu engagieren“, sagt Simon und fügt hinzu: „Insofern bietet jede Krise auch eine Chance, dass etwas Neues entsteht.“bpa

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