Noch viele Hürden fürs Projekt „Forellenhof als Klassenzimmer“

Oliver Krauß (stehend) freut sich über das große Interesse der Marktbesucher an dem Projekt „Forellenhof als Klassenzimmer“. Foto: jp

Unterschriften für zwei Petitionen sammelten Oliver Krauß und seine Mitstreiter am vergangenen Freitag an ihrem Stand auf dem Wochenmarkt: Für das Aktionsbündnis gegen eine einjährige Vollsperrung der L 3011 bei der Sanierung der sogenannten Klärwerkskurve bei Lorsbach und für das Projekt „Forellenhof als Klassenzimmer“ seines Vereins „Lebensqualität Taunus-Forelle“.

Während viele Wochenmarktbesucher bereits von der geplante Vollsperrung bei Lorsbach gehört hatten, ist das Forellenhof-Projekt des Lorsbachers in Eppstein noch weitgehend unbekannt.

Oliver Krauß, Jäger und Angler aus Lorsbach, ist Mitglied des Vereins, der eine umweltschonende Forellenzucht in Eppstein aufbauen möchte. Mit der relativ kleinen Anlage mit insgesamt sechs Becken in Leichtbauweise, vier Rundbecken und zwei Langbecken, sei keine gewinnbringende Zucht möglich, sagt Krauß. Sein Verein sieht den Nutzen der Anlage im Rahmen des Projekts „Bauernhof als Klassenzimmer“ der Landesregierung. Sie sei als Unterrichtsort im Freien gedacht. „Eine gute Idee“, lobt Schulleiter Christoph Krüger von der Freiherr-vom-Stein-Schule. Er hat erst kürzlich von dem Projekt gehört und ermutigt die Gruppe. Ähnlich hätten sich auch andere Schulen im Kreis geäußert, so Krauß.

Einen Platz für die regionale Forellenzucht hat der Verein gefunden: Kurz hinter dem Ortsschild Eppstein Richtung Lorsbach in den Wiesen des Schwarzbachs noch vor der Bahnbrücke. Mit den Grundstückseigentümern habe der Verein bereits gesprochen: Die Stadt und eine Erbengemeinschaft haben laut Krauß keine Einwände gegen den Plan erhoben, auch Anrainer wie die Bahn oder der Abwasserverband hätten keine Bedenken. Der Wasserverbrauch für die Fischzucht sei im Vergleich zu anderer Tierhaltung minimal, sagt Krauß. „Wir entnehmen dem Bach für die sechs Durchflussbecken selbst bei Niedrigwasser im Hochsommer nur geringe Wassermengen, die nahezu zu 100 Prozent wieder in den Bach eingeleitet werden.

Geplant sei eine kleine Zuchtanlage für heimische Bachforellen. Krauß weist darauf hin, dass die Forellenzucht im Taunus Tradition habe. Historische Quellen belegen, dass vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein rund um Eppstein fünf Seen aufgestaut waren – teils um durch Fischerei die Ernährung der Burgbewohner zu sichern, teils als Wehranlagen gegen feindliche Truppen. Davon zeugen heute noch Reste von Wasserüberläufen.

„Jedes Kind sollte wisse, wo sein Essen herkommt und welche Anstrengungen zur Erzeugung hochwertiger Lebensmittel notwendig sind“, sagt Krauß. „Von der Überfischung der Meere wird viel berichtet, aber selten davon, wie wir nachhaltige Fischzucht betreiben könnten mit kleinen lokalen oder regionalen Erzeugern.“ Dieses wertvolle Wissen wolle der Verein bewahren und weitergeben.

Bürgermeister Alexander Simon hält die Idee der Regionalität grundsätzlich für gut, spricht aber auch von „hohen baurechtlichen und naturschutzrechtlichen Hürden“, die es zu überwinden gelte. Er schlägt deshalb ein Gespräch zwischen dem Verein als künftigem Betreiber und den zuständigen Behörden im Main-Taunus-Kreis vor. Damit stößt er bei Krauß auf offene Ohren. Der Verein habe einen Entwurf für die Anlage beim Kreis eingereicht und um fachliche Beratung gebeten, „um zu klären, welche Auflagen wir für eine solche Anlage erfüllen müssen“, sagt Krauß. Termine seien aber bis jetzt nicht zustande gekommen, sondern eine pauschale Mitteilung, dass keine Genehmigung in Aussicht gestellt werden könne .

Pressesprecher Johannes Latsch bestätigt: „Es gab Kontakt mit der Initiative, aber ein entsprechender Antrag liegt der Unteren Wasserbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde bislang nicht vor.“ Latsch weist darauf hin, dass Aspekte des Wasserrechts, des Bauplanungsrechts und des Naturschutzrechts berücksichtigt werden müssten.

Diese Details, so Krauß, wolle der Verein in einem Gespräch klären und hat deshalb, um für sein Projekt Aufmerksamkeit – und Gehör beim Landrat – zu finden, eine Petition gestartet unter: https://www.openpetition.de/petition/online/pro-forellenhof-als-klassenzimmer.bpa

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