Wir haben mit der zuständigen Dezernentin, Erste Stadträtin Andrea Sehr, über einige Zuschriften gesprochen, die wir in jüngster Zeit erhalten haben: zum Beispiel einen Beschwerdebrief aus der Altstadt darüber, dass der Sperrmüll im Oktober erst mit einer Woche Verspätung abgeholt wurde und auch Rest- und Biomüll tagelang vor der Haustür standen, bevor die Müllabfuhr kam.
Andrea Sehr weist darauf hin, dass das Abfuhrunternehmen in den vergangenen Monaten Schwierigkeiten hatte, die Abholtermine einzuhalten. Dazu habe es etliche Gespräche mit dem Unternehmen gegeben, sagt Sehr. Es gab Probleme in der Logistik und in der Erreichbarkeit. Die seien laut Abfuhrunternehmen jetzt beseitigt, berichtet Sehr von den Gesprächen.
Unter anderem wurde vereinbart, dass zusätzlich zu den großen Müllfahrzeugen auch ein kleineres eingesetzt wird für enge Straßen im Stadtgebiet wie die Hinter- oder Untergasse in der Altstadt oder im Hasenborn in Vockenhausen, damit dort zuverlässig geleert wird. Das funktioniere noch immer nicht optimal, sagt Sehr, aber insgesamt sei die Situation besser geworden.
Die Suche nach einem neuen Abfuhrunternehmen, wie er von erbosten Eppsteinern gefordert wurde, sei aktuell nicht möglich, sagt Sehr. Solange der Vertrag mit dem Kelkheimer Unternehmen nicht ausläuft, mache eine neue Ausschreibung keinen Sinn. Umso wichtiger sei es, dass die Verwaltung erfährt, wenn der Müll weiterhin zu spät oder gar nicht abgeholt wird.
Eine E-Mail an abgaben[at]eppstein[dot]de lande direkt beim zuständigen Mitarbeiter.
Auch die Vereinbarungen zur Abfuhr des Gelben Sacks sind weiterhin bindend. Im Frühjahr war die bisherige Kulanz-Regelung mit dem Entsorgungsunternehmen abgelaufen, dass in Eppstein sowohl Gelbe Säcke als auch Gelbe Tonnen geleert werden. Die Gelben Tonnen hatten sich viele Eppsteiner vor einigen Jahren privat angeschafft, weil der Verpackungsmüll darin hygienischer lagert. Diese „Misch-Regelung“ hat das Duale System Deutschlands (DSD) nun strikt untersagt, weil die aktuelle Rahmenvereinbarung mit dem DSD dies nicht vorsehe.
Vor einigen Wochen machte die Stadt darauf aufmerksam, dass die Bürger ihren Müll nicht in Plastiksäcken auf der Straße abstellen sollen, weil dies Ratten anziehen könne. Die Ironie ist unserem Leser Hartmut Schwadtke aufgefallen: „Erst Gelbe Tonnen abschaffen, dann vor Ratten warnen?“, fragt er in seinem Leserbrief.
Wir nahmen den Brief zum Anlass nachzufragen, ob weitere Gespräche zum Thema Gelbe Tonne geplant seien. Tatsächlich stehen Ende des Jahres Gespräche mit anderen Kommunen im Kreis über eine neue Rahmenvereinbarung mit dem Dualen System Deutschland an. Grundsätzlich sieht das DSD nur zwei Regelungen vor: entweder werden in einer Stadt nur Gelbe Tonnen geleert oder nur Gelbe Säcke. Ein Mischsystem wie bis zum Frühjahr in Eppstein und in einigen anderen MTK-Kommunen lehnt das DSD ab.
Allenfalls bestehe die Möglichkeit, in einer neuen Vereinbarung für die Abfuhr Gelber Tonnen, „gebietsscharf“ umrissene Zonen festzulegen, so das DSD. In diesen Straßen würden dann weiterhin nur Säcke abgeholt. Eine neue Rahmenvereinbarung könne frühestens 2027 abgeschlossen werden.
Jede Abweichung, betont Sehr, müsse juristisch genau geprüft werden. „Es gibt bei uns Straßen, in denen die Anwohner einfach keinen Platz für eine weitere Tonne haben“, sagt Sehr, „und selbst wenn wir das Platzproblem zum Beispiel in der Altstadt lösen, müssen wir damit rechnen, dass die zusätzlichen Kosten für die Leerung an die Verbraucher abgegeben werden.“ Die Kosten würden zum Beispiel auf die Waren im Supermarkt umgerechnet.
Sie selbst sei zu Hause auch betroffen und sammle ihren Verpackungsmüll weiterhin in ihrer Gelben Tonne und lege die Gelben Säcke erst am Abfuhrtag in aller Frühe, also vor 7 Uhr, raus.
Tatsächlich lasse sich das Problem kurzfristig nur dadurch lösen, dass jeder selbst mitdenkt. Verpackungsmüll, vor allem bei Lebensmitteln, sollte möglichst vermieden werden und die Gelben Säcke nicht allzu lange im Freien lagern. bpa

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