Erst die Gelben Tonnen abschaffen, dann vor Ratten warnen?

Die städtische Meldung „Ratten: Vorbeugen statt teuer bekämpfen“ (s. EZ 42/76 vom 15. Oktober 2026, Seite 2) wirft bei Leser Hartmut Schwadtke die Frage auf: „Erst die Gelben Tonnen abschaffen, dann vor Ratten warnen?“

Mit einer gewissen Verwunderung, aber auch einem Schmunzeln habe ich den Artikel „Ratten: Vorbeugen statt teuer bekämpfen“ gelesen.

Darin wird den Bürgerinnen und Bürgern empfohlen, Abfälle ausschließlich in Tonnen oder Müllcontainern zu entsorgen und Müllsäcke nicht neben den  Abfallbehältern abzustellen. Schließlich sollen Ratten möglichst keinen  Zugang zu Nahrungsquellen erhalten.

So weit, so vernünftig.

Nur stellt sich mir eine Frage: War da nicht vor wenigen Monaten etwas?

Richtig! Erst Anfang dieses Jahres wurde die Leerung privater Gelber Tonnen eingestellt. Stattdessen sollen die Bürger ihre Verpackungsabfälle wieder in Gelben Säcken bereitstellen.

Bereits im Januar hatte ich in einem Leserbrief auf die hygienischen Nachteile dieser Entscheidung hingewiesen. Gelbe Säcke können aufreißen, werden von Tieren beschädigt und verteilen ihren Inhalt nicht selten auf Straßen und Grünflächen. Verschließbare Tonnen bieten hier zweifellos einen besseren Schutz.

Nun erfahren wir also, wie wichtig geschlossene Abfallbehälter für die Vermeidung von Rattenbefall sind. Natürlich ist nicht jeder Gelbe Sack eine Einladung an Ratten. Aber Verpackungen enthalten durchaus Lebensmittelreste, und aufgerissene Säcke tragen sicherlich nicht zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse bei. Es entbehrt deshalb nicht einer gewissen Komik, wenn den Bürgern zunächst die Nutzung einer bewährten, verschließbaren Abfalltonne genommen wird, um sie wenige Monate später über die Bedeutung geschlossener Abfallbehälter  aufzuklären.

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn sich die Verantwortlichen einmal darüber verständigen würden, was denn nun gelten soll.

Denn eines dürfte unstrittig sein: Ratten interessieren sich herzlich wenig für die vertraglichen Vereinbarungen zwischen Stadt, Entsorger und Dualem System. Sie interessieren sich für zugänglichen Müll.

Hartmut Schwadtke

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