Altbekannte Argumente für und gegen eine Einbahnstraße

Blick vom Bergfried auf die Altstadt und westliche Burgstraße.    Foto: EZ-Archiv

 

Die Verkehrsbelastung in der Eppsteiner Altstadt ist ein Dauerthema: Viele Fahrzeuge sind zu laut und zu schnell, darin sind sich die meisten Anwohner einig.

In der jüngsten Sitzung des Eppsteiner Ortsbeirats beschäftigten sich gleich zwei Tagesordnungspunkte mit dem Thema: Die Stadt legte das Ergebnis der Geschwindigkeitsmessungen für den Zeitraum vom 22. Januar bis zum 6. August anhand der Anzeigetafeln mit Smileys vor und hatte zwei Vertreterinnen der Initiative „Eppstein lebt“ eingeladen, die die Diskussion über eine Einbahnstraßenregelung für die Burgstraße beleben wollen.

Bürgermeister Alexander Simon wies darauf hin, dass Smiley-Tafeln Autofahrer vorrangig dazu bewegen sollen, langsam zu fahren. Die Messwerte dienten nur zur Orientierung. Die Auswertung ergab, dass sich im Schnitt gut 54 Prozent der Fahrzeuge an das vorgegebene Tempo 20 hielten, knapp 43 zu schnell, aber noch innerhalb der Grenzwerte und etwa 3 Prozent der Fahrzeuge erheblich zu schnell fuhren. Der Eindruck, dass viele Autos zu schnell unterwegs seien, werde nicht bestätigt, schloss Simon aus den Zahlen. Allerdings lassen die Zahlen den Schluss zu, dass die meisten Autos zu laut sind, selbst wenn sie sich an das Tempolimit halten.

Weniger Lärm und weniger Verkehr wollen Dorothea Lindenberg und Gabriele Erschens-Walldorf mit ihrer Initiative für eine Einbahnstraßenregelung erreichen. Die Idee sei nicht neu, räumte Lindenberg ein, und wurde schon vor rund acht Jahren in einem Altstadt-Forum intensiv diskutiert, ebenso eine Reihe von anderen Möglichkeiten. Bislang sei jede neue Idee gescheitert, weil es immer entschiedene Gegner gab.

Die beiden wollen insbesondere den nachmittäglichen Berufsverkehr aus der östlichen Burgstraße heraushalten. Viele Anwohner der oberen Bergstraße und ihrer Seitenstraßen nutzen die Burgstraße nachmittags als Abkürzung. Die Initiative schlägt deshalb eine Einbahnregelung in der Burgstraße von West nach Ost vor, von der Einmündung der Poststraße an bis zur Firma Eppstein Foils. Ausnahmen könne man beispielsweise für Feuerwehr und Rettungsdienste zulassen.

Die beiden Initiatorinnen wollen mit ihrem Vorschlag dazu ermutigen, „nicht nur theoretisch zu spekulieren, sondern einfach einmal etwas Neues auszuprobieren“, auch wenn die neue Lösung andere Nachteile mit sich bringe. Das Thema sei ein Dauerbrenner in der Altstadt, sagte Lindenberg und bat um „wohlwollende Betrachtung“ ihres Vorschlags.

Von der Feuerwehr, vertreten durch Stadtbrandinspektor Mario Mezga und Gerätewart Sven Steinmetz, kam sofort ein Veto. Mezga bezweifelte, dass die Feuerwehr, auch bei einer Sonderregelung für Einsatzfahrzeuge, gegen die Einbahnrichtung schnell genug ausrücken könne. Abgesehen davon, müssten auch einige der Aktiven der Einsatzabteilung dann künftig den Umweg über die Umgehungsstraße B455 nehmen. Dadurch würde sich ihr Weg zum Gerätehaus in der Rossertstraße verlängern. Die Erfahrung zeige außerdem, dass Einbahnstraßen zum Schnellfahren und Falschparken verleiten, da nicht mit Gegenverkehr gerechnet werden müsse, lautete ein weiteres Gegenargument der Feuerwehr.

Das gab auch FWG-Ortsbeirat Heinz Sparwasser zu bedenken und erinnerte daran, dass die Burgstraße in einem Verkehrsgutachten von 1987 als Hauptverkehrsstraße eingestuft wurde. Das Überfahren der Bordsteine wurde seinerzeit wegen der schmalen Straßenbreite billigend in Kauf genommen. Erschens-Walldorf hielt dagegen, dass die Autos vor 40 Jahren deutlich kleiner, schmaler und leichter waren als heute.

Feuerwehr-Gerätewart Sven Steinmetz schlug statt einer Einbahnstraße vor, eine verkehrsberuhigte Zone einzurichten, in der Autos und Fußgänger gleichberechtigt sind, und dadurch das Langsamfahren zu erzwingen.

Thomas Uber von der FDP forderte ein Gutachten, dass über die tatsächlichen Verkehrsströme Auskunft gibt. Die Grünen könnten sich eine Probephase vorstellen, befürchten aber, dass viele Autofahrer die Umstellung zunächst gar nicht wahrnehmen würden.

In einer Sitzungsunterbrechung kamen auch Anwohner zu Wort und machten deutlich, dass der Verkehrslärm ihr drängendstes Problem ist. Sie wünschten sich Schikanen wie Blumenkübel oder Schwellen, um die Autofahrer abzubremsen oder zur gegenseitigen Rücksichtnahme zu veranlassen. Eine Anwohnerin beklagte sich, dass sie trotz des Durchfahrtverbots in der Burgstraße zwischen 22 und 6 Uhr wegen des Autoverkehrs keine Nacht durchschlafen könne. Sie forderte, permanente Blitzer aufzustellen.

Lindenberg gab zu Bedenken, „ob Kübel, Schwellen, Blitzer oder Einbahnstraße, es gibt keine Lösung, die alle zufrieden stellt!“. Davon dürfe man sich aber nicht abschrecken lassen, einmal etwas Neues auszuprobieren.

Beschlossen wurde im Ortsbeirat noch nichts. Die Fraktionen wollten zunächst intern beraten. Einig waren sich alle Fraktionen, dass die mobilen Geschwindigkeitsanzeiger der Stadt möglichst in beide Richtungen aufgestellt werden sollten und auch der mobile Blitzer häufiger in Alt-Eppstein stationiert werden müsse.bpa

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