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Das Gemeindebild ist fertig, aber immer noch nicht angekommen

Das sogenannte „sechste Joch“ zeigt das Gemeindezentrum mit dem Glockenturm und eine Gruppe junger Frauen.Foto: Simone Pawlitzky

In drei Jahren entstanden 10 647 Einzelbilder – der Künstler Stefan Budian nennt sie „Bildzustände“– die während des Malens fotografiert und in Filmen visualisiert wurden. Sieben Filme, die die Entwicklung eines Bildes zeigen, sind als multimediales Werk entstanden.

Vergangenen Sonntag wurde nun der letzte Film, der letzte Abschnitt oder wie es in Anlehnung an die Bogenabschnitte eines gotischen Kathedralbaus genannt wurde, das siebte und letzte Joch in der Emmausgemeinde vorgestellt.

Drei Jahre sind vergangen. Drei Jahre, in denen der Künstler Stefan Budian aus Mainz mit dem Projekt Gemeindebild beschäftigt war. In dieser Zeit hat er die evangelische Gemeinde in Bremthal begleitet, fuhr beispielsweise mit der Gruppe „Schritte im Leben“ zu einem Ausflug nach Schloss Oranienstein mit, besuchte weitere Gemeindegruppen, Gottesdienste und Feste, zuletzt das Sommerfest der Stiftung. Er trat von außen an die Gemeinde heran, beobachtete sie und reflektierte das Erlebte jeweils in einem Bild.

Im Ostermontaggottesdienst 2015 begann Stefan Budian mit Staffelei, Holzplatte als Maluntergrund, Farbe, Kamera und Stativ ausgestattet, das Gemeindebild zu malen. Es entstanden zunächst nur Striche, Linien und Formen. Ein Wesen wurde sichtbar, doch es wurde gleich mit weiteren Strichen übermalt, etwas Neues entstand. Immer wieder hielt Stefan Budian das Gemalte mit der Kamera fest. Schicht um Schicht entwickelte sich das Gemeindebild, jede einzelne Szene auch als Teil eines Filmprojekts.

Als die erste Entwicklung am 21. November 2015 beim ersten Joch der Gemeinde vorgestellt wurde, hatte Budian 1530 Bilder, in ihrer Sequenz zu einem Film zusammengefasst. Bereichert wurde der Film durch Musik, die der Künstler selbst zusammenstellte und mit Geräuschen aus dem Gemeindeleben ergänzte. So ist das Läuten der Emmaus-Glocken, der Gesang der Gemeinde im Gottesdienst, oder das Fegen mit dem Besen beim Putzfestival, zu hören.

Am vergangenen Sonntag schaute sich die Gemeinde nun den letzten Entwicklungsabschnitt eines langen Prozesses an, „ein besonderer Punkt, an dem das Ganze zu einem Ende gekommen ist.“ So begann der Film damit, dass die leuchtenden Farben allmählich verschwanden und das Bild fast weiß erschien. Kurz erschien eine Usie, ein abstraktes Wesen aus der Bildsprache des Künstlers, und gleichzeitig ein Wort aus dem Altgriechischen, das soviel wie Seele bedeute.

Allmählich entsteht wieder etwas Neues, ein See lässt sich erahnen, Wassergeräusche sind zu hören. Im nächsten Moment scheinen jedoch die Kehrgeräusche eines Besens alles wieder wegzufegen.

Zuletzt entstehen auf der linken und rechten Seite Gebäude, eine Mauer wird zur Mitte hin immer niedriger und gibt den Blick frei auf eine weitläufige Landschaft, auf der rechten Seite der Glockenturm der Emmaus-Gemeinde. Im Vordergrund ist das zentrale Motiv des letzten und obersten Bildes, die Beweinung Jesu Christi, umgeben von Mitgliedern der Gemeinde: Mitglieder, die während des Sommerfestes der Stiftung mithalfen, wie Dr. Susanne Schürner-Ritter am Grill, Iris Schmeckthal beim Küchendienst oder Jörg Ritter, ein Getränk haltend, im Gespräch. Sie hat der Mainzer Künstler in ihren Positionen, in Momentaufnahmen während des Stifterfestes, im Gemeindebild festgehalten.

„Wir grillen in der Gemeinde, wir feiern und beweinen und wir wissen es nicht voneinander. So ist die Gemeinde, so ist das Leben, Vielschichtigkeit zur gleichen Zeit“, bemerkte Pfarrer Moritz Mittag und fuhr fort, „wir können an alle Zeitpunkte denken und in das eigene Leben zurückschauen. Beim Gemeindebild kann ich ebenfalls nachschauen.“ Denn auch wenn dem fertigen Ölbild die vielen darunter verborgenen Bilder nicht mehr anzusehen sind, „weiß ich, was drin ist.“

Schließlich ist das Gemeindebild auch ein Stifterbild. Das Ehepaar Dr. Susanne Schürner-Ritter und Jörg Ritter finanzierte das Projekt und stiftete das Gemeindebild der Gemeinde. So wird das „Endbild“, das fertige Ölbild, in der Gemeinde bleiben, kündigte Stefan Budian an. Das Bild selbst brachte er noch nicht mit. Die letzten Schichten müssen noch trocknen. Nicht nur, dass Ölfarbe Zeit zum Trocknen brauche, auch die Übergabe des Bildes an die Gemeinde soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Wie und in welchem Rahmen, werde noch entschieden.

Weitere Informationen und die Filme zum Gemeindebild gibt es auf der Webseite www.stefanbudian.de. Postkarten aus den ersten Jochen sowie Drucke aus allen Jochen können ebenfalls auf der Webseite bestellt werden. pw

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