„Kulturwandel“ soll Arbeit in der Verwaltung attraktiver machen

Sabine Bergold (li.) nimmt stellvertretend für ihre Mitarbeiter die Einstiegsurkunde von Christine Hahner entgegen.Foto: Stadt Eppstein

Die Stadverwaltung nimmt an einem Prozess zum Kulturwandel der Arbeit der Initiative Neue Qualität Arbeit (INQA) teil. Der erste Schritt, eine rund sechsmonatige Bestandsaufnahme, ist bereits abgeschlossen.

Eine Projektgruppe mit elf Mitarbeitern aus allen Sparten, von Kita bis Bauhof, Beschäftigungsvertretung oder Verwaltungsleitung hat die Fragebögen, die zuvor von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anonym beantwortet wurden, zusammen mit Auditorin Christine Hahner von der bcb GmbH ausgewertet. Damit sollten die Probleme erst einmal bewusst werden, sagte Hahner, die den Prozess im Auftrag der Demografieagentur für Wirtschaft begleitet und an den regelmäßigen Treffen der Gruppe teilnimmt. Aus den Ergebnissen leitete die Projektgruppe, so Erste Stadträtin Sabine Bergold, vier Handlungsfelder ab, die in Arbeitsgruppen unter die Lupe genommen werden. Sie ist gleichzeitig als Personaldezernentin Mitglied der Projektgruppe. Die Themen sind „Führung“, „Chancengleichheit und Diversity“, „Gesundheit“ und „Wissen und Kompetenz“.

Ein externes Kuratorium, unter anderem mit Vertretern des Bundessozialministeriums, hat die Themen für gut befunden und die Stadt in das Programm aufgenommen. Auditorin Hahner überreichte vor einigen Tagen die Einstiegsurkunde. In den kommenden zwei Jahren prüfen die Beschäftigen gemeinsam mit der Verwaltungsleitung in den Arbeitsgruppen die internen Abläufe und Vorgehensweisen. Ziel sei es, so Hahner, die Strukturen in der Verwaltung zu verbessern und die Abläufe transparenter zu gestalten. Am Ende, so Hahner, komme das auch den Kunden, also den Bürgerinnen und Bürgern zugute, „denn motivierte Mitarbeiter arbeiten auch effektiver.“ Einige gute Ansätze gebe es bereits in der Verwaltung: So wurde eine Anlaufstelle für Beschwerden eingerichtet. Neue Mitarbeiter bekommen einen Paten oder eine Patin zur Seite gestellt, der in der Einarbeitungsphase hilft. Außerdem biete die Stadt bereits Workshops zu Resilienz oder Zeitmanagement an.

Zu Kritik und möglichen Verbesserungsvorschlägen in den Fragebögen äußert sich Hahner nicht im Detail. Allerdings sei deutlich geworden, dass die Corona-Pandemie eine große Belastung für die Rathausmitarbeiter sei, ebenso die zunehmende Digitalisierung.

Die Umstellung auf „E-Government“ und die damit verbundene Technik verunsichere viele Menschen, hat Hahner beobachtet. Deshalb sei es wichtig, die unterschiedlichen Lebenssituationen der Menschen zu berücksichtigen: Ältere Mitarbeiter haben möglicherweise eine andere Sichtweise auf Neuerungen als junge. Auf jeden Fall sind diese Änderungen im Alltag mit Stress verbunden, der wiederum ein Gesundheitsrisiko darstelle.

Hahner lobt die große Bereitschaft der Projektgruppe, die Organisationskultur im Rathaus zu verändern. In den kommenden zwei Jahren haben die Mitarbeiter nun Gelegenheit, den Kulturwandel in ihrer Verwaltung umzusetzen.

Bergold hofft, dass das Projekt Kulturwandel in der Verwaltung auch Auswirkungen auf den Personalstand hat. Der Fachkräftemangel mache sich zunehmend auch in der Verwaltung bemerkbar. So hatte die Stadt jahrelang Schwierigkeiten, die Stellen in der Jugendarbeit längerfristig zu besetzen. Inzwischen werde es auch in anderen Fachgebieten schwieriger, neue Mitarbeiter zu gewinnen: Neben Ingenieuren werden Erzieher und Verwaltungsfachkräfte gesucht.

Auf Ausschreibungen gehen immer weniger Bewerbungen ein. Ein Grund sind vermutlich die Gehälter, die in der Kreisstadt oder in Frankfurt höher sind oder Zulagen wie Jobtickets, die es in Eppstein nicht gibt. Mit dem zweijährigen Projekt für eine neue, nachhaltige Arbeitskultur im Rathaus hofft die Stadt, so Bergold, dass die Arbeit im Rathaus für Arbeitssuchende wieder attraktiver wird. bpa

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