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Kandidaten am runden Tisch

Alexander Simon und Nadja Gneupel (mitte) beim Podiumsgespräch am Montagabend mit Beate Palmert-Adorff (li.) und Christine Sieberhagen. Foto: Julia Palmert

Gut 200 Besucher kamen am Montagabend zum Podiumsgespräch zur Bürgermeisterwahl in den Bürgersaal.

Die Eppsteiner Zeitung (EZ) hatte gemeinsam mit dem Höchster Kreisblatt (HK) und dem Gewerbeverein IHH Amtsinhaber Alexander Simon (CDU) und die Kandidatin von FDP und SPD, Nadja Gneupel, eingeladen. Beate Palmert-Adorff, Redakteurin der Eppsteiner Zeitung und HK-Redakteurin Christine Sieberhagen hatten in ihren Fragenkatalog Anliegen und Kritik der Bürger aufgenommen, die zuvor bei der EZ eingegangen waren.

Gefragt nach einer Belebung der Eppsteiner Altstadt durch Vermittlung zwischen Ladenbesitzern und Interessenten schilderte die 33 Jahre alte Nadja Gneupel ihre Idee, bei der Einrichtung eines Geschäfts mit regionalen Produkten wie Honig oder den Produkten der Firma Salzgarten beispielsweise im früheren Lebensmittelladen behilflich zu sein.

Alexander Simon verwies auf den neuen Edeka-Markt als Frequenzbringer und darauf, dass von dem einzigen Ladengeschäft im Besitz der Stadt, dem Verlagshaus der Eppsteiner Zeitung und der Weinpresse, positive Impulse auf das Leben in der Altstadt ausgingen.

Auf die Frage, welchen Belag sie wählen würden, wenn heute die Burgstraße saniert werden müsste, waren sich beide Kandidaten einig: In die historische Altstadt passt nur ein historisches Pflaster, das so eingepasst werden müsse, dass es gut begehbar ist.

Zur Verbesserung der Nahversorgung von Stadtteilen wie Niederjosbach oder Ehlhalten schlug Nadja Gneupel einen mobilen Verkaufsladen vor. „Da gibt es ganz gute Angebote aus anderen Regionen, die noch ländlicher sind als wir“, sagte die aus einem kleinen Ort in Thüringen stammende Kandidatin. Simon wies im Fall von Niederjosbach darauf hin, dass die Stadt mit dem Eigentümer der Fläche gegenüber des Vereinsaals in der Bezirksstraße über den Bau eines Wohnhauses mit Ladenzeile im Gespräch sei.

Die Kandidaten sprechen über Kita-Plätze und neue Wohnformen

Nadja Gneupel

Um neue Läden ging es auch beim heißen Eisen, der neuen Ortsmitte in Vockenhausen. Vor seiner Wahl vor sechs Jahren hatte Alexander Simon gesagt, ein Neubau des Rathauses sei zur Zeit nicht möglich und nicht gewollt. Das habe sich nun geändert, machte der Amtsinhaber deutlich. Der erste Schritt sei mit dem Neubau des Feuerwehrhauses gemacht, das 3,7 Euro gekostet habe. „Diese Millionenzahlen werden nun auf uns zurollen“, sagte er.

Vor Abriss und Neubau des Rathauses wünscht sich Nadja Gneupel eine Umfrage zur Gestaltung der neuen Ortsmitte. „Wenn ich eine Wunschliste beim Weihnachtsmann frei hätte, würde ich mir eine lebendige Begegnungsstätte für die Bürger mit Café und kleinen Läden wünschen“, so die Kandidatin. Der Neubau des Rathauses soll jedoch durch den Verkauf der Restfläche an einen Investor finanziert werden. Für realistischer hält Gneupel deshalb einen Lebensmittelmarkt und altersgerechte Wohnungen. Letztere sind auch Simon wichtig, der für einen Drogeriemarkt als Frequenzbringer plädierte, weil der weniger Platz als ein Vollsortimenter benötige.

Nach möglichen Neubaugebieten gefragt, waren sich beide Kandidaten einig, dass neue Häuser in einem kleinen Gebiet in Bremthal unterhalb der B455 zwischen dem Friedhof an der Niederjosbacher Straße und dem östlichen Ortsausgang einen echten Mehrwert böten, auch weil mit der Verbindungsstraße eine Entlastung für die Wiesbadener Straße geschaffen werden könne. Nadja Gneupel sprach sich zudem für eine Bebauung „in kleiner Form“ des nahe der S-Bahn gelegenen Hangs zwischen Bremthal und Niederjosbach aus.

Alexander Simon übte auf die Frage nach gemeinschaftlichen Wohnformen hin leise Eigenkritik am vorrangigen Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern in der Vergangenheit – „zumal viele ältere Bürger runter vom Berg, aber dennoch in Eppstein bleiben wollen“. Nadja Gneupel ist als Bewohnerin eines Hauses mit acht Parteien eine Verfechterin des Miteinanders von Alt und Jung. Ihr Lebenspartner sei oft bei älteren Nachbarn mit der Bohrmaschine unterwegs, während sie hoffe, ihr im August erwartetes Baby auch mal bei einer älteren Dame im Haus lassen zu können, erzählte sie.

Die Zeitspanne zwischen der Geburt und einem möglichen Amtsantritt im Herbst bezeichnete die werdende Mutter als etwas kurz. Aber ihr Lebenspartner sei bereit, bei dem Kind zu Hause zu bleiben. Alexander Simon gestand hingegen ein, dass die Windeln der 20 Monate alten Tochter Louisa meistens seine Frau wechsele. Nach einem Tier als Alter Ego gefragt, wählte Simon, weil er als Bürgermeister viele Hände gebrauchen könne, den Tausendfüßler. Gneupel entschied sich für die Hauskatze und strahlte auf dem Podium scheinbar unerschütterliche Ruhe aus.

Das könnte sich bald ändern, wie das Beispiel junger Familien in Eppstein deutlich macht. Sara Engelmann berichtete von ihrer Hängepartie beim Warten auf einen Kindergartenplatz. Ihre Tochter ist seit einigen Wochen 3 Jahre alt, und sie selbst geht bald wieder arbeiten. Auf verbindliche Zusagen der Stadt für einen Kita-Platz warte sie vergeblich, sagte Engelmann. Die Antwort von Alexander Simon fiel überraschend aus: 70 zusätzliche Plätze würden bis zum neuen Kindergartenjahr nach den Ferien zur Verfügung stehen, sagte er. Für eine schnelle Lösung sei gesorgt. Für zwei Kindergartengruppen würden Container auf ein freies Grundstück in Vockenhausen gestellt, wo der Bedarf besonders groß ist. Hinzukommen die Plätze im neuen Naturkindergarten und Simon hofft zudem auf den Fortbestand der fünften Gruppe in der Kita St. Jakobus.

Nadja Gneupel würde gerne mit einem Puffer von 10 bis 15 Prozent zusätzlichen Plätzen arbeiten, damit den Eltern ein Kindergartenplatz trotz schwankender Anmeldezahlen sicher sei. Sie machte deutlich, dass sie trotz der angespannten Finanzlage der Stadt nicht an der Kinderbetreuung sparen würde. Das gilt auch für die Ferienbetreuung der Burg-Schule, um die sich Sandra Matzenauer sorgt. Die Mutter eines Grundschulkindes hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass die Zahl der angemeldeten Kinder rückläufig ist. Nadja Gneupel sagte angesichts der Situation arbeitender Eltern: „Die Betreuung würde ich erst einstellen, wenn sich wirklich gar niemand dafür interessiert“. Ihr Kontrahent stimmte ihr in vollem Umfang zu.

Er setzte sich gegen den Vorwurf zur Wehr, die Stadt ziehe sich aus der Jugendarbeit zurück. Auf ihre Stellenanzeigen hin hätten sich keine Bewerber für eine Vollzeitbeschäftigung gemeldet, sagte Alexander Simon. Zwei neue Sozialarbeiter des Frankfurter Vereins Jugendhilfe und Jugendberatung (JJ) sollen es wie in anderen Gemeinden im Kreis richten.

Hellhörig wurden viele Bürger im Saal, als es um die Straßenbeitragssatzung und die Grundsteuer B ging. Wobei die Bewerber sich einig waren, dass die Anwohner künftig nicht mehr für die Erneuerung von Straßen- und Gehwegen in die Pflicht genommen werden. Bezüglich der vom Bundesverfassungsgericht verlangten neuen Bemessungsgrundlage der Grundsteuer B sicherte Simon zu: „Wenn das Aufkommen gleich bleibt, wird es in Eppstein keine Erhöhung geben.“

Zum Schluss wollten die Moderatorinnen noch den Plan B der Kandidaten wissen. Nadja Gneupel freut sich dann auf eine mindestens einjährige Elternzeit. In sechs Jahren würde sie es vielleicht noch einmal versuchen. Alexander Simon würde wieder als Rechtsanwalt tätig sein. „Wenn es nicht klappt, darf man auch nicht am Amt hängen“, sagte er. sp

Wir haben am Montag nicht alle Fragen stellen können, die unsere Leser eingereicht haben. Über diese Themen berichten wir in der nächsten Eppsteiner Zeitung.

 

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