Jan Funken kommt, wenn Mäuse oder Wanzen durchs Haus tanzen

Diskretion ist Teil von Jan Funkens Firmenphilosophie.Foto. Frauke Frerichs-Gundt

In unserer Serie über Kleinunternehmer in Eppstein stellen wir heute den Schädlingsbekämpfer Jan Funken aus Vockenhausen vor.

Wenn Kakerlaken in der Küche Party machen, Bettwanzen durch die Kissen tanzen, Mäuse in der Speisekammer den Käse knabbern oder andere Plagegeister in Gastronomie, Bäckereien, Hotels oder im Privathaushalt Schaden anrichten, dann hilft Schädlingsbekämpfer Jan Funken diskret und schnell, die ungebetenen Gäste zu beseitigen. 2018 gründete er das Unternehmen JF Bio-Service in Eppstein. Als Schädlingsbekämpfer ist er bereits seit 1992 unterwegs.

Zu diesem Beruf kam der gelernte Instandhaltungsmechaniker und Schlosser eher zufällig. Vor vielen Jahren hatte man ihn in dauerhafte Kurzarbeit geschickt. Damals suchte ein Bekannter Helfer für eine Entrümpelung. Funke krempelte die Ärmel hoch und packte an. Er fand, diese Arbeit sei besser gewesen, als sich zu Hause zu langweilen.

Schnell wurde aus dem Aushilfsjob eine feste Anstellung im Schädlingsbekämpfungsbetrieb des Bekannten. „Die Kollegen waren nett, die Aufgaben vielseitig und interessant“, erzählt Funken. Als 1999 sein Arbeitgeber Pleite ging, ließ Funken sich im Rahmen einer Umschulung zum IHK-geprüften Schädlingsbekämpfer mit erfolgreicher Abschlussprüfung im Jahr 2000 ausbilden. Er fand schnell wieder eine Anstellung. Doch 2010 zog es ihn von Thüringen nach Hessen, von Halle an der Saale ins Rhein-Main-Gebiet. 2011 zog er der Liebe wegen nach Vockenhausen. Von hier aus nimmt er nun mit biologischen, chemischen und thermischen Waffen den Kampf gegen Motten, Schaben, Mäuse, Ratten und andere unerwünschte Haustiere auf.

Seine Arbeit beginnt typischerweise mit einer Analyse der Situation, der so genannten „Befallsaufnahme“. Es komme vor, dass man das lästige Tier noch nie gesehen habe, obwohl man es jede Nacht höre, wenn es über den Dachboden turnt. In diesem Fall stellt Funken Wildkameras auf, um Waschbär oder Marder als Eindringling zu entlarven. Anhand von Fotos oder im Falle eines Insektenbefalls mit einem gefangenen Tier bestimmt Funken die Art des Schädlings. Wobei der Begriff Schädling eine rein wirtschaftliche und hygienische Einordnung ist und keinerlei biologische Wertung darstellt. Bei einer ersten Begehung vor Ort sucht er nach Spuren am und im Haus.

Löcher mit fettigem Fellabrieb verraten Einfallstore von Mäusen, Laufspuren und Kotknüttel geben Aufschluss über gut frequentierte Wege.

Zu seiner Arbeit gehöre auch die Beratung des Kunden, wie dieser einem erneuten Befall vorbeugen könne. Die Empfehlungen umfassen ganz unterschiedliche Maßnahmen und hängen von den Umständen ab. Türritzen lassen sich mit einer Türbesen-Abschlusskante verschließen, Kellerfenster mit feinmaschigen Gittern verwehren Mäusen den Zutritt. Mehl oder Haferflockentüten kann man bereits beim Einkauf auf Befall etwa von Mehlmotten untersuchen und die Produkte in fest verschließbaren Behältern aufbewahren. Auch ein Blick in den Eierkarton könne hilfreich sein, falls eine Schabe es sich darin bequem gemacht habe.

Die Tierart und die Stärke des Befalls beeinflussen die Wahl der Bekämpfungsmethode. Bettwanzen geht Funken thermisch an die gierigen Rüssel, das Schicksal von Maus und Ratte erfüllt sich in Nager-Stationen mit Giftköder. Schlupfwespen sind die natürlichen Feinde von Motten, sie kommen als biologische Tilgungsmethode genauso zum Einsatz wie Lockstoff-Fallen (Pheromon-Fallen). Funken muss sich nahezu jeden Tag auf neue Situationen einstellen: Es sei ein Unterschied, ob die Bettwanze im Hotel ihr Unwesen treibe oder ob man sie sich von dort im Koffer in die heimischen vier Wände geholt habe.

Er müsse auf vieles achten, damit der Einsatz ein Erfolg werde und nicht im Fiasko ende. Bei der thermischen Wanzenbekämpfung im Hotel könne der Wärmesensor im Brandmelder schnell einen Fehlalarm bei der Feuerwehr auslösen. Spezielle Öfen erhitzen bei der thermischen Bekämpfung den befallenen Raum auf über 60°C Grad. Das tierische Eiweiß in Eiablage und Insekt gerinnt bei rund 45°C bis 55°C. Bei diesen Temperaturen schmelzen aber auch Ölgemälde und Kerzen, Spraydosen und Feuerzeug können explodieren. Funken hat in seiner Laufbahn schon vieles gesehen, schockieren könne ihn fast nichts mehr.

Er kenne die Gefühlslage der Betroffenen und möchte deshalb schnell und vor allem diskret helfen. „Ich komme in Handwerkermontur und in einem gewöhnlichen Auto, ohne Firmenaufschrift“.

In der Gastronomie ist die Schädlingsbekämpfung Teil der Hygienevorschriften. Doch die Pandemie und ihre Folgen auf das Gastgewerbe habe sich auch auf seine geschäftliche Situation negativ ausgewirkt. Zudem sei er ein noch relativ junges Unternehmen im Kreis und als neuer Anbieter müsse er sich seinen Kundenstamm noch aufbauen.

Ein schwieriges Unterfangen, denn viele potenzielle Kunden wie Bäckereien und Lebensmittel herstellende Betriebe sind für ihre HACCP-Kontrollen bei anderen Dienstleistern in festen Händen. HACCP steht für Hazard Analysis and Critical Control Points und ist ein international verbindliches Qualitätsmanagement-System für Lebensmittel. Doch Funke ist optimistisch. Schon oft in seinem Leben hat der 49-Jährige Herausforderungen tatkräftig gemeistert. Reich wolle er nicht werden, es genüge ihm, wenn das Geschäft den Lebensunterhalt weiterhin erwirtschafte. Diskretion ist eines seiner Geschäftsmaxime, ein Foto von sich wollte er deshalb nicht veröffentlicht haben.ffg

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